Süddeutsche Zeitung

Landtagswahl Fürstenfeldbruck-West:Weniger Vorschriften, mehr Leistung

Andreas Deiner tritt für die FDP an. Eigentlich sei er ein verkappter Grüner, sagt er.

Von Til Antonie Wiesbeck, Landsberg

"Wir machen es jetzt wie die Grünen", scherzt Andreas Deiner. Zum Interview erscheint er mit einem Flyer und Pflanzensamen. Müsliriegel, deren Verpackung jeder wegwerfen würde, seien als Wahlkampfgeschenk mit seinem Umweltbewusstsein nicht vereinbar. "Ich bin eigentlich ein verkappter Grüner", sagt Deiner. Er halte nämlich Bienen, imkere aber sehr zurückhaltend: "Die Bienen dürfen etwas behalten, ich nehme nicht alles. Wir teilen, wir verstehen uns." Außerdem habe er einen Jagdschein gemacht. "Ich bin aber kein normaler Jäger. Ich habe in meinem Leben noch nie ein Tier geschossen." Stattdessen sei es ihm darum gegangen, etwas über die Hege und Pflege von Tieren zu lernen und sich eine fundierte Meinung zu bilden.

Bei aller Leidenschaft für die Umwelt wird aber doch klar, dass die Grünen nicht wirklich seine Partei sind. So möchte der 35-Jährige aus Landsberg am Lech in der Energiewende zum Beispiel weniger Vorschriften und mehr Innovationsoffenheit, zum Erreichen der Klimaziele solle kein "Landwirtschaftsbashing" betrieben werden. Warum die FDP seine Partei ist, erklärt er so: "Ich finde das Konzept ganz toll: dass Leistung erbracht und belohnt wird. Wenn jemand keine Leistung erbringen möchte, ist es auch gut. Aber dann muss ich den nicht unendlich unterstützen."

Seiner Meinung nach kann in Deutschland jeder Arbeit finden. Die staatliche Unterstützung für Menschen, die zum Beispiel aus Faulheit Jobs ablehnten, findet er in vielen Fällen zu hoch. Allerdings sei auch nicht jeder Job für jeden Menschen geeignet: "Ich würde zum Beispiel niemals Steuerberater werden. Das ist nicht meine Welt."

Dass die FDP deshalb Politik nur für Reiche mache, glaube er nicht. Mit Blick auf deren Pläne zur Erbschaftssteuer sagt er: "Bei den Immobilienpreisen, die wir haben, ist das Politik für Hausbesitzer, nicht Reiche." Auch für ihn gebe es allerdings Vorhaben der FDP, mit denen er nicht einverstanden sei. Als Beispiel nennt er die Legalisierung von Cannabis. In der Politik müsse man eben kompromissbereit sein: "Das ist leider das Los einer Partei. Das große Ganze finde ich toll und realistisch. Aber manche Sachen kann ich nicht unterstützen."

Überhaupt müsse man wieder lernen, auch die Ideen anderer Parteien zu hören und einen Konsens zu finden. Dabei schließt er eine Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich aus. Allerdings sagt er bezogen auf die kommunale Ebene: "Wenn ich jetzt in Sachsen Bürgermeister wäre und 35 Prozent AfD-Mitglieder im Gemeinderat hätte, hätte ich da eine Chance, zu sagen: Nein, mit denen rede ich gar nicht?" Bei ihren hohen Umfragewerten müsse man versuchen, sie und ihre Wählerschaft zu verstehen. Vor allem bei der Verwendung von Internetmedien könne man von ihnen lernen: "Wenn ich zum Beispiel bei Youtube ein bisschen runterscrolle, kommt zwischen Katzenvideos und Ähnlichem immer eine Rede von Alice Weidel oder anderen AfD-Politikern."

Interesse an der Politik habe er "schon immer" gehabt, sagt Deiner - weil er nicht derjenige sein wolle, der "nein" sagt, sondern wenigstens versuchen wolle, etwas zu bewegen. Beruflich ist der gelernte Zahntechniker im Einsatzdienst, als Notfallsanitäter und in der Leitstelle bei der Feuerwehr München tätig. Daneben engagiert er sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Landsberg.

Klimawandel als großes Thema

Daher kennt er ein Problem, das auch den Landkreis Fürstenfeldbruck betreffe: Die Freiwilligen Feuerwehren hätten fast überall zu wenig einsatzbereite Mitglieder. Das komme vor allem daher, dass Wohn- und Arbeitsort häufig recht weit auseinander liegen. Außerdem nähmen viele Bürgerinnen und Bürger Einsatzkräfte als Servicepersonal wahr und riefen sie zum Beispiel auch bei einem Rohrbruch oder bei einer Erkältung. Die Politik könnte hier seiner Ansicht nach helfen, indem sie zum Beispiel Bürokratie abbaue und bestimmte Posten auch bei der Freiwilligen Feuerwehr besolde.

Andere Themen wie die Unterbringung von Geflüchteten oder fehlende Kindergartenplätze betreffen laut Deiner sowohl Landsberg als auch Fürstenfeldbruck. Daneben sei ein großes Thema der Klimawandel: "Wenn man mit offenen Augen durch den Wald geht, sieht man: Diese Bäume haben alle Stress. Das ist ein großes Thema, und wir verleugnen es. Das tut mir in der Seele weh."

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