Süddeutsche Zeitung

Adelshofen:Vom Schandfleck zum Juwel

Ein ortsansässiger Malermeister rettet den Pschorrstadel in Adelshofen vor dem Verfall und verwandelt das Baudenkmal in eine Kulturstätte

Von Manfred Amann, Adelshofen

Jahre lang war er ein Schandfleck in der Ortsmitte von Adelshofen und drohte zu verfallen. Nun ist er ehemalige Pschorrstadel gegenüber dem Rathaus ein Hingucker. Die Familie Merkl hat das denkmalgeschützte Gebäude in ein städtebauliches Juwel umgewandelt, das außen und innen nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch Leben ins Dorf bringt. Wenn im Zuge der Dorferneuerung der Platz zwischen dem ehemaligen Pschorrhaus und dem nun sanierten Gebäude aufgewertet ist, wird Adelshofens Ortsmitte kaum Vergleichbares im Landkreis haben.

Altbürgermeister und Ehrenbürger Michael Raith hatte viele Anfragen und Vorschläge, die seinen Worten nach "nicht in den Ortskern gepasst hätten". Immer wieder hätte sich jemand für den Pschorrstadel interessiert, Gastronomen ebenso wie Ärzte oder Therapeuten, aber keiner habe je konkret einen Antrag gestellt. Auch ein Tante-Emma-Laden sei im Gespräch gewesen. Der ortsansässige Malermeister Stephan Merkl hatte nach reiflicher Überlegung dann ein Konzept vorgelegt, das für Adelshofen ein Gewinn zu werden versprach. Für Raith ging damit ein Traum in Erfüllung. Er war der Ansicht, dass der einstige Kuh-, auch Rossstall, der in einer Flucht mit dem Stadel verbunden und in einer Größe von etwa 200 Quadratmetern von einem böhmischen auf Säulen gestützten Kappengewölbe überspannt ist, "für kulturelle Veranstaltungen bestens geeignet wäre". Mitte 2017 hatte Merkl das heruntergekommene Baudenkmal erworben, um dann über die Jahre mit seiner Frau Claudia und den älteren der fünf Kinder den Um- und Ausbau zu einem Veranstaltungsgebäude zu stemmen. "Viel Zeit und Kraft hat uns das schon gekostet, nun aber sind wir glücklich darüber, weil es allgemein Gefallen findet und angenommen wird", sagt Merkl nicht ohne Stolz, "denn vieles haben wir selbst gemacht".

Auch wenn Landkreis, Gemeinde und Denkmalamt der Familie mit Zuschüssen halfen, "hat uns das insgesamt noch viel Geld gekostet", erzählt der Malermeister, dessen "Maler-Handschrift" innen und außen unverkennbar ist. Im Erdgeschoß befinden sich abseits vom Sanitärbereich, durch eine Tür verbunden mit dem Gewölbe-Saal, Küche und Schanktheke. Die Feuertaufe hat diese Lokation schon bestanden als Raith und sein Stellvertreter Johann Siebenhütter zum Ehrenbürger ernannt wurden. Ein weiterer großzügiger Veranstaltungsraum befindet sich im Dachgeschoß, der mit seinem Dachstuhl aus dem Jahre 1872 für Feiern eine ganz besondere Atmosphäre bietet. Noch gut erinnert sich der Malermeister, dass sein Antrag auf Nutzungsänderung einst für Diskussionen sorgte, weil man Ärger mit den Nachbarn und Verkehrslärm befürchtete. Strittig sei auch die Frage nach der Anordnung der Parkplätze gewesen. "Die Bedenken konnten allesamt ausgeräumt werden und mit dem Denkmalamt sind wir auch gut zurechtgekommen", so Merkl, der jedoch hofft, auf der anderen Seite der Straße, auf dem ehemaligen Klostergrund, noch Stellplätze anlegen zu können.

Der Pschorrhof war vor etwa 145 Jahren als Dreiseit-Hof errichtet worden. Der U-förmige Hof, der sich zum ehemaligen Schloss- und Klosterareal hin öffnete, hatte ein Wirtschaftsgebäude, das vom damaligen Eigentümer Josef Braumüller 1837 gebaut worden war. Es wird angenommen, dass dafür Steine vom ehemaligen Fuggerschloss in Adelshofen verwendet wurden. 1866 heiratete Braumüllers Tochter Katharina Josef Pschorr, deren Sohn Leonhard dann 1903 das Anwesen übernahm. Nach dessen Tod 1932 fiel das Anwesen an die Witwe, die es dann 1940 ihrem Sohn Josef übergab. Nach dessen Ableben wurde Mathilde Kellerer aus Garching Eigentümerin, die 1959 Anton Walch ehelichte. Dieser verkaufte den Pschorrhof Anfang der 1980er Jahre für etwa sechs Millionen Mark an die Flughafen GmbH München, die Ersatz für Freisinger Bauern suchte, die dem Flugplatz hatten weichen müssen. 1993 konnte die Gemeinde den Hof für 2,5 Millionen Mark zurückkaufen. Der Stall mit Scheune wurde 1871 errichtet. Irgendwann wurde ein Teil des Hauptgebäudes abgebrochen, so dass es nicht mehr 49, sondern nur noch knapp 24 Meter lang war. Aus diesem Baudenkmal machte die Gemeinde ihr neues Rathaus. Nachdem nun auch der Pschorrstadel genutzt wird und somit das Ortsbild aufwertet, hat sich der Erwerb des Hofes für die Gemeinde sicher gelohnt.

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SZ vom 27.08.2021
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