Süddeutsche Zeitung

Traditionsunternehmen zieht um:Schreinerei Linke verlässt Freising

Betrieb muss Produktion in Untergartelshausen aufgeben

Von Kerstin Vogel, Freising

Mit der Naturholz-Schreinerei Linke hat kürzlich ein Freisinger Traditionsbetrieb die Stadt verlassen. Neuer Sitz der Firma, die sich auf die Verarbeitung von Massivholz aus regionaler Erzeugung spezialisiert hat, ist bereits seit 1. September die Ortschaft Pischelsdorf im Landkreis Pfaffenhofen, wie das Familienunternehmen meldet. Nach fast 30 Jahren sei der Vertrag für die bisherige Wirkungs- und Produktionsstätte der Schreinerei im Freisinger Ortsteil Untergartelshausen wegen Eigenbedarfs gekündigt worden, heißt es in einer Mitteilung der Familie Linke. Die "alte" Schreinerei werde abgerissen, um dort Wohnungen zu bauen.

Damit gehe "eine Ära zu Ende", bedauert die Familie. "Gerne wären wir im Raum Freising geblieben. Trotz intensiver Suche und vielen Besichtigungen gab es aber leider keine Möglichkeit, die Werkstatt wieder im Landkreis Freising zu eröffnen, so Rolf Linke, der mit dem Umzug die Firmenleitung an den Junior, Schreinermeister Christopher Linke, übergeben hat, dem Betrieb mit seiner langjährigen Erfahrung und Kompetenzen aber weiterhin zur Verfügung stehen will.

Man habe in Freising und Umgebung Monate lang vergeblich gesucht, um einen Ersatz für die Produktionsstätte in Untergartelshausen zu finden, erläutert Christopher Linke die Gründe für den nun erfolgten Umzug. Der Kauf eines Grundstücks für einen Neubau der Schreinerei sei gescheitert, weil es schlicht keine Gewerbebauplätze in und um Freising in der nötigen Größe gebe - eine Schreinerei habe großen Platzbedarf. Zudem sei Freising ein sehr teures Pflaster und Grundstücke in der benötigten Größe seien für einen Familienbetrieb kaum bezahlbar.

Die zweite Idee, eine bestehende Schreinerei oder Werkstatt zu übernehmen, sei ebenfalls nicht umsetzbar gewesen. Nur ein Schreiner hätte seine Werkstatt verkaufen wollen, das habe aber aus Platz- und finanziellen Gründen nicht gepasst, zählt Christopher Linke weiter auf. Auch eine große Halle, die man hätte umbauen dürfen, sei nicht zu finden gewesen. Zudem wollten viele Vermieter lieber leise Mieter, die keinen Lärm und Schmutz machen. Letztlich sei man über Kunden zu der neuen Werkstatt in Pischelsdorf gelangt, "die all das hat, was wir in Freising leider nicht fanden: schöne helle und große Räume, viel Platz, ein Außenlager für unser Massivholz, bezahlbare Mieten und Nachbarn, die froh sind, wenn sich was rührt."

Über kurz oder lang werde man den Ausstellungsraum an der Amtsgerichtsgasse schließen und dort nur noch ein kleines Büro unterhalten, so die Pläne der Familie. In der Coronazeit habe sich vieles geändert, auch die Art des Kundenkontakts. Die meisten neuen Anfragen und Aufträge kämen über das Internet oder über Empfehlungen. Das Erstgespräch finde meist beim Kunden statt, damit man Gegebenheiten und Maße in die Entwürfe einarbeiten kann.

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Quelle:
SZ vom 15.09.2021
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