Süddeutsche Zeitung

Jugendkulturpreis:Oftmals traurig, immer persönlich

Der Sänger und Gitarrist Clemens Ripp erspielt sich mit seinen selbstkomponierten Songs den dritten Platz bei der Auszeichnung des Landkreises Freising, angefangen hatte er als Schlagzeuger.

Von Corinna Bail, Freising

Musik ist aus dem Leben von Clemens Ripp nicht mehr wegzudenken. Nach den ersten kindlichen Trommelversuchen und kleineren Gitarrenkonzerten in den Freisinger Altstadtgassen folgte schließlich ein Debütalbum plus EP. Der Freisinger Jugendkreistag würdigte das musikalische Talent des jungen Singer-Songwriters nun mit dem dritten Platz beim Jugendkulturpreis des Landkreises.

Die Entscheidung, nach seinem langjährigen Schlagzeugunterricht auch eigene Songs mit der Gitarre zu schreiben und diese selbst zu performen, habe er relativ unbewusst getroffen, erzählt Ripp. In seiner Band, die er zusammen mit Schulfreunden gegründet hatte, fehlte ein Frontsänger. Die Wahl fiel schließlich auf denjenigen aus der Gruppe, bei dem "es halbwegs erträglich klang", erinnert sich der 24-Jährige. Das war damals Clemens Ripp. Das Gitarrespielen habe er sich erst mit 16 Jahren selbst beigebracht. Der Nachwuchskünstler begann, spontan loszutexten und eigene Melodien zu komponieren. "So wie bei allen Leuten, die etwas Kreatives schaffen, ist das etwas sehr Persönliches", erzählt der gebürtige Freisinger. Dabei bespiele er kein einzelnes Thema, aber ausschließlich Persönliches. Die so entstandenen Titel präsentierte Ripp von 2017 an in den Straßen der Domstadt und auf offenen Konzertbühnen. Schon bald folgten Soloauftritte in Münchner Clubs und bei größeren Veranstaltungen wie dem Uferlos-Festival in Freising.

Seine ersten eigenen Titel hat Clemens Ripp auf den Freisinger Straßen vorgestellt

Da der Vater die Musik des Sohnes "auch nicht schlecht" fand, wie es Ripp heute schildert, unterstützte er ihn dabei, die Lieder im Studio aufzunehmen. Vorgesehen waren eigentlich nur zwei bis drei Song-Produktionen. Relativ ungeplant sei dann aber im März 2019 ein ganzes Album mit elf Tracks entstanden, erzählt der junge Künstler. Die Dialektik des Albumtitels, "Assorted Sad Songs For Hilarious Occasions", zu Deutsch "Verschiedene traurige Lieder für ausgelassene Anlässe", zieht sich durch die Trackliste der Platte. Trotz der Melancholie, dem Liebeskummer und Schmerz, die aus den Songzeilen sprechen, hinterlassen die Lieder dank der Einflüsse aus der Indie-Folk-Szene ein Gefühl von Leichtigkeit. Kurz nach der Veröffentlichung seines ersten Albums folgte im Januar dieses Jahres die Veröffentlichung der EP "Tracks". Die drei Stücke klingen elektrischer, lauter und sind zum Teil schneller als das erste Album von Clemens Ripp. Diese Neuausrichtung sei durch seine Vorliebe für britischen Punk wie den der Libertines geprägt, erzählt der Songwriter. Generell lege er sich jedoch auf kein Genre fest.

Irgendwo zwischen Album-Release und EP-Produktion habe er sich Ende 2019 dann beim Freisinger Jugendkulturpreis beworben. "Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass ich da etwas gewinne. Das ist ja schon eine andere Hausnummer", so der Nachwuchskünstler. Die Lieder seines ersten Studioalbums, mit denen er beim Wettbewerb angetreten war, holten ihm schließlich den dritten Platz. "Ich finde es cool, wenn sich für Kunst, Kultur und vor allem junge Leute eingesetzt wird", freut sich der Preisträger. Aktuell plane er bereits die Aufnahmen für sein neuestes Album. Bis zu dessen Veröffentlichung werde es aber wohl noch ein wenig dauern. In den kommenden Monaten stehe ohnehin erst einmal der Abschluss seines Bachelorstudiums in Germanistik und Digital Humanities in München an. Darauf, wie es danach weitergeht, könne er sich aktuell noch nicht festlegen.

Der Musiker plant bereits die Aufnahmen für sein neuestes Album

Auf den heimischen Bühnen werde er in nächster Zeit nicht zu sehen sein. Es gebe zwar bereits Hygiene-Konzepte verschiedener Veranstalter, die das Spielen von Konzerten in geschlossenen Räumen ermöglichten. Allerdings sei ihm die Lage noch nicht ganz geheuer, gibt Ripp zu. Die Frage, ob er sich auf lange Sicht ein Leben als hauptberuflicher Musiker vorstellen könnte, beantwortet er zögerlich. Wegen des kleinen Musikmarktes in Deutschland schätzt der 24-Jährige es aktuell als schwieriges Unterfangen ein, sich komplett auf die Musik zu konzentrieren.

Bereits zum achten Mal zeichnete der Freisinger Jugendkreistag in diesem Jahr junge Kunstschaffende aus. Bei der Preisverleihung am vergangenen Freitag erhielten neben Clemens Ripp auf dem dritten Platz die Blechbläsergruppe Feger Spezies (erster Platz) und Nick Raster mit seinen Werken aus der Kategorie Malerei und gestaltende Kunst (zweiter Platz) den Freisinger Jugendkulturpreis 2020.

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SZ vom 14.10.2020/ilos
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