Süddeutsche Zeitung

Freisinger Köpfe:Titelsammler mit Spitzbubenlächeln

Ringer Peter Neumair überragte beim SV Siegfried einst alle anderen

Der SV Siegfried Hallbergmoos hatte im Laufe der Jahrzehnte viele starke Ringer in seinen Reihen. Einer aber überragte alle: Peter Neumair . Er heimste in den 70er Jahren allein im Seniorenbereich elf deutsche Meistertitel ein und war national fast unbesiegbar. Aber auch international feierte er viele Erfolge im Mittel- und Halbschwergewicht, war einmal Zweiter bei der Europameisterschaft, einmal Vierter bei einer Weltmeisterschaft und nahm an zwei Olympischen Spielen teil. Seine Pokale hat er übrigens nicht daheim, die liegen noch immer im Haus seiner Eltern, sagt er.

Geboren wurde Neumair vor 70 Jahren in Freising, war und blieb aber stets ein Goldacher. Er besuchte die Volksschule in Franzheim, absolvierte eine Ausbildung als Maurer und machte die Meisterprüfung. Während seiner aktiven Ringerlaufbahn war er beim Erdinger Weißbräu beschäftigt, der ihn drei Tage in der Woche zum Training freistellte, danach war er 27 Jahre Betriebshandwerker beim Max-Planck-Institut in Garching. 1980 heiratete er seine Renate, zog mit ihr zwei Kinder groß und kann sich mittlerweile über drei Enkel freuen. Seinem Verein blieb Neumair immer treu, trotz finanziell verlockender Angebote der Konkurrenz aus Witten und Aalen. Und er ist auch heute noch Siegfried-Mitglied, wie er betont, obwohl er sich 1980 nach Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung von der Matte zurückzog. Danach spielte er bis zu seinem 48. Jahr Fußball beim VfB und war schon 67 Jahre alt, als er gesundheitlich bedingt auch den Tennisschläger beiseitelegte.

Zum Ringen kam er mit zehn Jahren durch seinen Vater, der seinerzeit Jugendleiter beim SV Siegfried war. Mit 16 Jahren stand Peter Neumair bereits in der Bundesligastaffel. Die Entwicklung des Ringsports in Deutschland sieht er mit Sorge. Der Deutsche Ringerbund mache vieles falsch. Außerdem glaubt Neumair, dass der Nachwuchs "nicht mehr so viel trainiert wie wir früher". Er selbst hält sich mit Radfahren fit, kümmert sich um seinen Fischweiher und geht zum Schafkopfen. "Mir geht's ganz gut", sagt er und zeigt sein spitzbübisches Lächeln, das ihm seit seiner Jugendzeit zu Eigen ist.

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Quelle:
SZ vom 16.11.2020 / ki
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