Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahl im Landkreis Freising:Junge Wilde

Quer durch die politische Landschaft treten Studenten und Azubis auf den Listen an. Sie alle wollen frische Ideen umsetzen.

Der Landkreis wählt Mitte März nächsten Jahres einen neuen Landrat sowie in 24 Gemeinden neue Bürgermeister. Außerdem werden auch der Kreistag und 24 Stadt- und Gemeinderäte neu zusammengestellt. Auf den Listen stehen viele alteingesessene Lokalgrößen, doch es haben auch einige Jugendliche zu einem Listenplatz gebracht. Viele davon treten zum ersten Mal zu einer Wahl an und strotzen vor frischen Ideen und jugendlichem Aktivismus. Die Freisinger SZ stellt aus allen großen Parteien und Wählervereinigungen im Landkreis je einen jungen Kandidaten vor. Neun engagierte Jugendliche haben sich gefunden, um über ihre Motivation, ihre Ziele und ihre Erfolgschancen zu sprechen.

Theresa Rudolph

21 Jahre, Studentin aus Freising, FDP, Stadtratsliste Freising Platz 5.

"Ich würde gerne in den Stadtrat gewählt werden, weil ich aktiv am politischen Geschehen teilhaben und mitbestimmen möchte, was in Freising passiert. Da ich für Freiheit, Selbstbestimmung, Optimismus und Eigenverantwortlichkeit eintrete, kandidiere ich für die FDP. Bei den Jungen Liberalen bin ich Kreisvorsitzende und Beisitzerin im Bezirksvorstand Oberbayern. Da ich Management erneuerbarer Energien studiere, liegt mir die Klimapolitik am Herzen. Im Kampf gegen den Klimawandel sind Kommunen wahnsinnig wichtig, da sie viele kleine Projekte umsetzen und so effektiv handeln können. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Freising seinen Beitrag leistet. Außerdem will ich erreichen, dass wir jungen Menschen eine Stimme bekommen und vertreten sind. Im Moment wird die Politik leider hauptsächlich von Älteren gemacht.

Neben meinem Engagement bei den Liberalen bin ich im Arbeitskreis für Jugendpolitik des Kreisjugendrings, außerdem tanze ich gerne. Ich würde gerne wieder mit der Kampfkunst anfangen, ich habe früher Wing Tsun gelernt und interessiere mich jetzt für Krav Maga. Ob ich tatsächlich in den Stadtrat gewählt werde, kann ich natürlich nicht sagen, einfach wird es sicher nicht. So oder so freue ich mich aber auf den anstehenden Wahlkampf und die Erfahrungen, die ich dabei machen darf."

Sofian Achour

19 Jahre, Schüler aus Freising, Freie Wähler, Stadtratsliste Freising Platz 21.

"Ich würde mich freuen, wenn ich in den Stadtrat gewählt würde, weil ich die Möglichkeit nutzen möchte, auch und gerade als junger Mensch in Freising etwas zu bewegen. Ich denke, dem Stadtrat würde eine Verjüngung nicht schaden. Eher im Gegenteil: Ich möchte eine frische, andere Denkweise einbringen und neue Akzente setzen. Einer meiner Freunde, Daniel Beck, den ich durch meine Trainertätigkeit im TSV Jahn kenne und der Vorsitzender der Jungen Freien Wähler im Kreis ist, hat mir nur Positives von der Partei erzählt. Nach einmal Reinschnuppern war für mich klar: Hier bin ich richtig. Deswegen kandidiere ich für die Freien Wähler.

Sollte ich in den Stadtrat gewählt werden, möchte ich mich dafür einsetzen, dass der Freisinger Bahnhof umgestaltet, modernisiert und optimiert wird. Ich sehe da noch eine Menge Bedarf. Außerdem würde ich gerne die Ausgehmöglichkeiten junger Leute in Freising stärken, meiner Meinung nach ist da einfach zu wenig geboten. Ich hoffe, dass die Freien Wähler wie bei den letzten Wahlen gut abschneiden, das wäre mein vorrangiges Ziel. Da mein Listenplatz aber im Mittelfeld liegt, gehe ich nicht davon aus, dass ich es in den Stadtrat schaffe. So oder so kann ich mich bekannt machen und Wahlkampfluft schnuppern, es ist also ein Anfang meiner politischen Karriere. Neben dem Wahlkampf besuche ich noch die Schule. Ich habe zwar dieses Jahr eine Lehre zum Bankkaufmann abgeschlossen, möchte jetzt aber gerne noch mein Abitur nachholen."

Emilia Kirner

22 Jahre, Studentin aus Freising, ÖDP, Stadtratsliste Freising Platz 2, Kreistagsliste Platz 6.

"Ich bin der Meinung, dass unser Freisinger Stadtrat mehr jüngere Mitglieder braucht, die frische, neue und ökologische Ideen einbringen. Der Stadtrat kann als Gremium so viel erreichen, er kann die Prinzipien des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit noch fester in den Köpfen der Bürger verankern. Deswegen kandidiere ich auch selbst. Ich bin schon Mitglied der ÖDP, seit ich 17 bin, vor allem, weil mich das Programm überzeugt. Ökologie, ehrliche Politik, die Tatsache, dass wir keine Firmenspenden annehmen, das alles waren für mich ausschlaggebende Punkte, in die Partei einzutreten. Und ich muss sagen: Die Leute dort sind einfach super, ich fühle mich total wohl. Deswegen bin ich neben meiner Rolle als stellvertretende Ortsvorsitzende hier in Freising auch im Landesvorstand der ÖDP und im Bundesvorstand der Jungen Ökologen, unserer Jugendorganisation, aktiv.

Im Stadtrat möchte ich mich vor allem für eine Verbesserung unseres ÖPNV einsetzen. Ich habe kein Auto, muss mich also oft auf Bus und Bahn verlassen, und kann aus Erfahrung sagen, dass hier noch extrem viele Punkte ausbaufähig sind. Ich denke, ich habe gute Chancen, gewählt zu werden, im Moment stellen wir ja auch schon zwei Stadträte. Solange ich fest dran glaube, denke ich, dass ich es schaffen kann. Natürlich wird der Wahlkampf viel Energie kosten, selbst jetzt bin ich neben meinem Studium einige Stunden die Woche mit meinen Aufgaben in der Partei beschäftigt, doch ich habe schon so viel gelernt, dass es sich auf jeden Fall lohnt."

Joana Bayraktar

24 Jahre, Studentin aus Freising, Die Grünen, Stadtratsliste Freising Platz 5, Kreistagsliste Platz 5.

"Ich möchte mir den Vorwurf, dass die Jugend nur meckert und sich nicht engagiert, nicht mehr länger anhören. Deswegen kandidiere ich bei der Kommunalwahl für den Stadtrat und für den Kreistag. Außerdem reicht es mir nicht, nur zuzusehen, wie sich unsere Stadt entwickelt, ich möchte die Entwicklung aktiv mitgestalten. Ich habe mich für die Grünen aufstellen lassen, da ich - wenn man so will - schon immer grün-affin war. Mir gefällt es total, dass die Grünen die einzige Partei sind, die bei allen Themen den Umwelt- und Klimaschutz konsequent mitdenkt.

Ich bin sehr an Digitalisierung und Netzpolitik interessiert, deswegen möchte ich mich - sollte ich gewählt werden - auch vor allem dieser Themen annehmen. Außerdem würde ich mich gerne mit Freisings Kulturszene und der Stadtentwicklung beschäftigen. In meiner Freizeit verbringe ich gerne Zeit mit meinen Freunden, höre viel Musik und lese so ziemlich jedes Buch, das ich zwischen die Finger kriege. Meistens bleibt neben dem Studium und meinem politischen Engagement aber leider nicht viel freie Zeit dafür. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich im März vielleicht sogar in Stadtrat und Kreistag gewählt werde. Davon, dass ich es zumindest in eines der Gremien schaffe, gehe ich aus. Vorausgesetzt natürlich, ich gebe mit meiner Partei in den Wochen und Monaten vor der Wahl richtig Gas. Auf den Haustürwahlkampf freue ich mich schon total."

Michael Weindl

21 Jahre, Student aus Freising, SPD, Stadtratsliste Platz 9, Kreistagsliste Platz 23.

"Ich engagiere mich schon seit mehreren Jahren ehrenamtlich im Freisinger Jugendstadtrat, eine gute Zeit davon sogar als einer der beiden Sprecher. Dort bin ich erstmals mit der Stadtpolitik in Kontakt gekommen und habe sozusagen Blut geleckt. Für den Stadtrat kandidiere ich, weil es mir Spaß macht, mich einzubringen und meine Meinung zu vertreten. Außerdem finde ich es schön, wie gut fast alle Erfolge sichtbar sind, die man in der Stadtpolitik erreichen kann. Seit ich 18 bin, bin ich Mitglied in der SPD, seit gut einem Jahr außerdem Vorsitzender der Jusos im Landkreis. Ich habe mich für die SPD entschieden, weil ich das zutiefst soziale Denken mag, das sie auszeichnet.

Ob ich in den Stadtrat gewählt werde, ist schwer zu sagen. Leider kommt es neben unserem Wahlkampf auch sehr auf die Entwicklungen in der Bundespolitik an. Ich bin aber zuversichtlich, dass uns die Wahl der neuen Parteispitze ein wenig Rückenwind beschert. Trotzdem bin ich nicht naiv genug zu glauben, dass es einfach wird. Ich hoffe aber, dass ich mit meinen Schwerpunktthemen überzeugen kann: Insbesondere ist mir wichtig, dass wir das Wachstum in Freising gezielter steuern, dass wir die Digitalisierung im Landkreis ankommen lassen, Behördengänge endlich online ermöglichen - und dass wir die Jugend fördern, unter anderem durch den Bau eines Jugendzentrums im Steinpark. Auch der sozial verträgliche und effiziente Klimaschutz in der Region liegt mir sehr am Herzen."

Philomena Böhme

19 Jahre, Auszubildende Erzieherin aus Freising, Freisinger Mitte, Stadtratsliste Platz 5, Kreistagsliste Platz 20.

"Ich möchte gerne unsere Demokratie unterstützen und an der Entwicklung Freisings teilhaben und mitwirken, deshalb kandidiere ich für den Stadtrat. An sich bin ich ein politisch engagierter Mensch, bin Mitglied im Arbeitskreis Jugendpolitik des Kreisjugendrings Freising und mit Michael Weindl Sprecherin des Freisinger Jugendstadtrats. Daher wollte ich mich auch parteipolitisch einbringen. Ich habe mir also relativ lange einige Parteien angeschaut, bin am Ende aber bei der Freisinger Mitte gelandet, da die als Einzige wirklich nur in Freising aktiv ist und sich deswegen zwangsweise nur um die Belange der Freisinger kümmert. Außerdem mag ich die bunte Mischung aus Jung und Alt in der Wählervereinigung - offiziell sind wir ja keine Partei - und die Tatsache, dass sie unvoreingenommen und immer sachlich an alle Probleme herangeht.

Obwohl ich es bemerkenswert finde, wie sehr alle in der Freisinger Mitte versuchen, gerade junge Leute wie mich einzubeziehen, hätte ich nie mit so einem guten Listenplatz gerechnet. Bei der Aufstellungsversammlung bin ich fast vom Stuhl gefallen, als ich gesehen habe, dass ich auf Platz fünf stehe. Ich denke, dass ich gute Chancen habe, tatsächlich in den Stadtrat gewählt zu werden. Sollte das gelingen, möchte ich mich vor allem dafür einsetzen, Freising noch ökologischer zu gestalten. Außerdem möchte ich erreichen, dass die sozialen Berufe hier im Landkreis attraktiver gestaltet werden und dass insbesondere junge Leute noch mehr für diese Berufe sensibilisiert werden."

Christoph Kröner

23 Jahre, Kinderpfleger in Ausbildung aus Freising, Die Linke, Kreistagsliste Platz 37.

"Ich möchte gerne das Interesse junger Leute an Politik wecken und sie motivieren, sich zu engagieren. Bei mir selbst hat es lang genug gedauert, bis ich aktiv wurde, was bei mir wie sicherlich bei vielen anderen daran gelegen hat, dass die Politik oft kompliziert und schwergängig wirkt. Allerdings sollte die Generation, die jetzt jung ist, schon heute bei Entscheidungen, die ihre Zukunft betreffen, mitbestimmen können. Weil ich das gerne erreichen möchte, habe ich beschlossen, für den Kreistag zu kandidieren.

In meiner Freizeit spiele ich gerne Musik, mal nur mit meiner Gitarre in Wirtshäusern und mal mit ein paar Freunden in einer Band. Neben der Musik hatte ich immer schon ein gewisses Grundinteresse an Politik, aber mir fehlte der kleine Anstoß, selbst aktiv zu werden. Als mich schließlich ein Freund, Simon Pfenninger, der selbst im Kreisvorstand der Linken ist, gefragt hat, ob ich nicht auch in der Partei aktiv werden möchte, habe ich nicht lang gezögert. Für die Linke entschieden habe ich mich vor allem, weil ich ihre Einstellung und ihre Inhalte, insbesondere in der Sozialpolitik, teile und mich gerne dafür einsetzen möchte. Ich lasse die Wahl und alles, was so dazugehört, auf mich zukommen und sehe es als eine Art Training für die Zukunft. Ich würde mein politisches Engagement gerne fortsetzen. Wenn ich gewählt werde, möchte ich mich auf jeden Fall für bessere Busverbindungen im Landkreis einsetzen. Ich bin erst aus Nandlstadt nach Freising gezogen, deswegen kann ich genau sagen, dass gerade die Anbindung kleinerer Ortschaften oft ausbaufähig ist."

Marco Riedel

18 Jahre, Schüler aus Itzling, CSU, Stadtratsliste Freising Platz 27.

"In meiner Freizeit schraube ich gerne an Rollern und Motorrädern, eigentlich an allem, was zwei Räder hat. Mir macht es einfach Spaß, mich mit der Technik darin zu beschäftigen. Nebenher bin ich mit meinen 18 Jahren wahrscheinlich einer der jüngsten Kandidaten, der bei der Kommunalwahl antritt. Aber ich sehe das nicht als Nachteil, sondern viel mehr als Stärke. Ich interessiere mich schon länger für Politik und bin mir sicher, dass es vielen Jugendlichen ähnlich geht. Sie möchte ich gerne im Stadtrat vertreten. Außerdem will ich mich dafür einsetzen, dass in der Freisinger Hauptstraße mehr Bäume gepflanzt werden - ich finde, sie sieht gerade nach dem Umbau etwas zu grau aus. Was aber mein Hauptziel ist: Ich möchte den Behörden ermöglichen, dass sie nicht alles gendern müssen - das spart ihnen nämlich eine Menge Zeit und Arbeitsaufwand.

Ich trete für die CSU an, weil sie von allen Parteien meine Werte am besten vertritt. Ich würde mich selbst als einen sehr konservativen Menschen bezeichnen, daher habe ich mich auch für eine konservative Partei wie die CSU entschieden. Ich bin sehr stolz, dass wir es so schnell geschafft haben, unsere ganze Stadtrats- und Kreistagsliste bis auf den letzten Platz ohne Doppelungen zu besetzen. Damit senden wir auf jeden Fall ein starkes Zeichen nach außen. Ob ich es in den Stadtrat schaffe, lasse ich mal auf mich zukommen. Allerdings hoffe ich sehr, dass die CSU ein starkes Ergebnis erreicht."

Bernhard Kugelmann

25, Außendiensttechniker aus Hohenkammer, AfD, Kreistagsliste Platz 14.

"Ich habe beschlossen, dass ich nicht mehr nur daneben sitzen möchte, wenn wichtige Entscheidungen gefällt werden, sondern dass ich aktiv die Politik unseres Landkreises mitgestalten möchte. Ob ich gewählt werde, kann ich nicht voraussagen, ich hoffe es aber sehr. Sollte ich es schaffen, möchte ich mich vor allem im Bereich des Klimaschutzes engagieren. Der Schutz unseres Klimas ist eine wichtige Aufgabe der Politik, allerdings finde ich, dass die Umweltpolitik in Berlin grundsätzlich falsch angegangen wird. Ich bin der Meinung, dass die staatlichen Investitionen in die Windkraft und der Atomausstieg Fehler waren und dass auch eine CO₂-Bepreisung die Falschen trifft. Es leidet vielmehr die Wirtschaft darunter und viele Jobs werden bedroht. Ich würde mich gerne dafür einsetzen, dass stattdessen Entwicklungen, zum Beispiel in der Motorentechnik, gefördert werden und der ÖPNV hier im Landkreis ausgebaut wird.

Für die AfD habe ich mich entschieden, weil ich bei einigen ihrer Stammtische war und sie mich vor allem programmatisch überzeugt haben, insbesondere durch ihren Heimatplan, also ihr Wahlprogramm in der Region Freising-Pfaffenhofen. Schon seit ich 16 bin, bin ich am Geschehen in der Politik interessiert, aber in letzter Zeit habe ich gemerkt: Jetzt ist es bei mir einfach soweit. Durch meine Tätigkeit im Außendienst bleibt mir leider wenig Zeit für Hobbys. Allerdings habe ich einen alten Audi A 8 daheim, an dem ich gerne rumschraube."

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Quelle:
SZ vom 21.12.2019/beb
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