Süddeutsche Zeitung

Förderprogramm:Mehr als 200 Bauern machen mit

500 000 Euro fließen in den Landkreis Freising für mehr Naturschutz auf den Feldern

Das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) soll die naturschonende, extensive Bewirtschaftung ökologisch wertvoller Lebensräume fördern und stellt dafür staatliche Finanzmittel zur Verfügung. Für den Landkreis Freising zieht die Untere Naturschutzbehörde nach dem Abschluss der Antragsfrist für 2020 jetzt "eine herausragende Bilanz", wie es in einer Mitteilung aus dem Landratsamt dazu heißt.

Man habe für die kommenden fünf Jahre besonders viele Verträge abschließen können. Damit würden sich die jährlichen Auszahlungen gegenüber der Vertragslaufzeit 2015 bis 2019 nun mehr als verdoppeln - und zwar auf über 500 000 Euro. Insgesamt könnten so knapp 1000 Hektar fünf Jahre lang für den Naturschutz im Landkreis gepflegt werden. Der Vertragsnaturschutz finanziere diese freiwilligen Zusatzleistungen von Landwirtinnen und Landwirten sowie Naturschutzverbänden. Er trage so dazu bei, die Ziele der bayerischen Biodiversitätsstrategie und den Aufbau des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 umzusetzen.

Der zusätzliche Aufwand für strengere Bewirtschaftungsauflagen und vereinbarte Extensivierungsleistungen, wie zum Beispiel Düngeverzicht oder die Einhaltung späterer Mähzeitpunkte, würden durch festgelegte Beträge abgegolten, heißt es in der Meldung aus dem Landratsamt weiter. Mehr als 200 landwirtschaftliche Familienbetriebe im Landkreis würden diese staatliche Förderung erhalten.

Die abgeschlossenen Maßnahmen umfassen zum Beispiel die spätere Mahd von Wiesenbrüterflächen im Freisinger Moos, um die Gelege der Vögel zu schützen, die extensive Schafbeweidung artenreicher Magerrasen in der Garchinger Heide, die Pflege von Feuchtwiesen im Ampertal und die Umwandlung von Ackerflächen in Grünland, wie das Landratsamt aufzählt. Erfreulich ist auch, dass immer häufiger auch Zusatzleistungen für den Insektenschutz, wie das Belassen von Altgrasstreifen oder die Nutzung von Messermähwerken vereinbart werden konnten. Der Freisinger Landrat Josef Hauner bedankt sich speziell bei allen Landwirtinnen und Landwirten, die am Vertragsnaturschutzprogramm teilnehmen: "Sie erbringen damit auch in schwierigen Zeiten herausragende Leistungen für die heimische Tier- und Pflanzenwelt, die Schönheit unserer Kulturlandschaft und die weiteren Funktionen der Natur für die Gesellschaft", wird er zitiert.

Auch bayernweit sind dem Landratsamt zufolge für Naturschutz und Landschaftspflege positive Entwicklungen zu verzeichnen. Prämienerhöhungen für Streuobstwiesen und Weidemaßnahmen sowie Kombinationsmöglichkeiten von Ackermaßnahmen mit der Ökolandbauförderung führten in diesen Bereichen zu Zuwächsen beim Vertragsnaturschutz. Zudem gab es erhebliche Steigerungen bei den Spätmahdflächen, deren Anteil an der gesamten bayerischen Grünlandfläche durch Zuwachs in den Förderprogrammen von sechs auf acht Prozent erhöht werden konnte. Dem Ziel aus dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" und dem Begleitgesetz zur Förderung der Artenvielfalt, dass zehn Prozent der Grünlandflächen nach dem jährlichen Stichtag am 15. Juni gemäht werden, sei man damit einen großen Schritt nähergekommen.

Jörg Steiner von der Unteren Naturschutzbehörde freut sich, dass die Bemühungen seiner Behörde zur Vermittlung und Nutzung des Vertragsnaturschutzprogramms so reiche Früchte tragen. Schließlich kommen so auch erhebliche Finanzmittel in den Landkreis, zu den Bewirtschaftenden und darüber hinaus in die Flächen. Er hofft, dass die Landwirte nun auch im nächsten Jahr wieder zahlreich von der VNP-Förderung Gebrauch machen und empfehlt eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit der Unteren Naturschutzbehörde im Laufe des Jahres.

Im Bereich von Wäldern gibt es übrigens vergleichbare Fördermöglichkeiten. Hier können Maßnahmen, wie das Belassen von Totholz, Schutz von Biotopbäumen und Erhalt von Biberlebensräumen gefördert werden. Eine Antragstellung ist hierfür noch bis Ende Mai beim zuständigen Revierförster oder der Unteren Naturschutzbehörde möglich.

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SZ vom 07.04.2020 / vo
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