Süddeutsche Zeitung

Flughafenanbindung:Gegenkurve ohne Brücke

Erörterungstermin im Neufahrner Rathaus soll den Ringschluss nach Erding wieder ein Stück vorwärts bringen

Alexandra Vettori

20 Jahre nach Eröffnung des Münchner Flughafens im Erdinger Moos rückt dessen Anbindung an das Fernzugnetz wieder ein Stück näher. Nächsten Mittwoch startet der zweitägige Erörterungstermin zur Neufahrner Gegenkurve. Die gut zwei Kilometer lange und geschätzt 85 Millionen Euro teure Abzweigung von den Gleisen aus Freising zum Flughafen in Höhe des Neufahrner Gewerbegebiets am Römerweg soll in vier Jahren Ost- und Nordbayern per Schiene an den Flughafen anbinden.

Die aus Richtung Freising kommenden Züge werden voraussichtlich ab dem Jahr 2016 von den Gleisen der S 1 aus auf einem zwölf Meter hohen Wall über die Autobahn A 92 in die Gleise der Flughafen S-Bahn einschleifen. Der Riesenwurf in Sachen Verkehrsanbindung ist die Neufahrner Gegenkurve allein gesehen zwar nicht, sie stellt aber die erste Ausbaustufe dar. In einem zweiten Schritt soll der Flughafen dann von Osten her mit dem Erdinger Ringschluss an die Zugstrecke München-Mühldorf-Freilassing angebunden werden sowie an die Erdinger S-Bahn.

Im Neufahrner Rathaus sieht man, ebenso wie in Freising, die Neufahrner Kurve durchaus wohlwollend, auch wenn die Gemeinde keinen direkten Nutzen davon hat. Neufahrn hofft vielmehr, mit der Spange einen Schritt näher an den lang ersehnten S-Bahnhof im Gewerbegebiet Römerweg zu kommen. Der ist zwar noch nicht Inhalt des Planungsverfahrens, allerdings, so betonte Bauamtsleiter Michael Schöfer, "ist so geplant worden, dass die Gleisanlagen später, wenn der Halt kommt, nicht mehr umgebaut werden müssen. Die Gleise werden schon gespreizt gelegt, sodass später ein Bahnsteig gebaut werden kann, die entsprechende Signaltechnik ist ebenfalls schon angelegt."

Eine Folge der Neufahrner Kurve hat allerdings bereits zu privaten Einwendungen und zu dem Erörterungstermin im Neufahrner Rathaus geführt: Die Brücke zwischen den Neufahrner Ortsteilen Mintraching und Moosmühle über die Schienen und die A 92 wird abgerissen, weil sie der Zugrampe im Weg steht. Aus Kostengründen soll auch keine neue Brücke mehr gebaut werden. Schließlich, so argumentieren die Planer der Bahn, gebe es einen alternativen Weg für Landwirte, wenn der auch mit Umwegen verbunden ist. Von der Verbindungsstraße zwischen Mintraching und Moosmühle zweigt vor besagter Brücke links ein Feldweg ab, der unter S-Bahn und Autobahn hindurchführt. Diese Lösung freilich hat bei den Landwirten keine Begeisterung ausgelöst. Umwege müssen künftig auch die Autofahrer aus den nördlichen Gemeindeteilen von Neufahrn in Kauf nehmen, welche die Gemeindeverbindungsstraße als Schleichweg zur B 11 nutzen. Einsprüche gegen die Planungen der Bahn konnten sie freilich keine einlegen, der Verlust eines Schleichwegs stellt keine Betroffenheit im Sinne der Genehmigungsverfahren dar. Im Neufahrner Rathaus hat man sich zwar bereits eine kürzere Wegevariante überlegt, weil dazu aber Grundstücke getauscht und ein neues Wegstück geschaffen werden müsste, dürfte das auch eine mühsame Sache sein.

Die Erörterung zur Neufahrner Gegenkurve findet am Mittwoch, 14. Dezember, und am Donnerstag, 15. Dezember, statt und beginnt jeweils um zehn Uhr im großen Sitzungssaal des Neufahrner Rathauses. Zutritt hat nur, wer Einwendungen abgegeben hat.

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Quelle:
SZ vom 08.12.2011
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