Süddeutsche Zeitung

Freisinger Innenstadt:Partnervermittlung der anderen Art

Die neue Online-Plattform Locasi möchte Kunden mit dem örtlichen Einzelhandel zusammenbringen. Auf dem Portal, bei dem bereits zehn Freisinger Geschäfte dabei sind, kann man gezielt nach Produkten suchen und sich Angebote von den lokalen Händlern machen lassen.

Von Melanie Glinicke, Freising

Für alle, die gerne lokal einkaufen gehen, aber keine Lust haben, lange durch die Läden zu suchen, hat Christoph Vilsmeier die Entwicklung eines praktischen Tools initiiert. Der Softwareentwickler hat die Plattform "Locasi" ins Leben gerufen, seit diesem Monat ist sie für Freisinger Bürger nutzbar.

Locasi ist eine Online-Plattform, die lokales Einkaufen vereinfachen soll. "Viele kennen das Problem. Die Lieblingsturnschuhe sind durchgelaufen, man braucht neue. Aber wo bekomme ich die jetzt her? Fahre ich - inklusive Parkplatzsuche- in die Innenstadt, renne von Laden zu Laden mit der Gefahr, dass es die Schuhe gar nicht gibt? Oder nutze ich lieber Amazon?", so Vilsmeier. Locasi soll das verhindern und die Suche nach einem bestimmten Produkt in der Innenstadt erleichtern.

Mehr in der eigenen Stadt und weniger bei Internetkonzernen einkaufen

Auf der Plattform, zu erreichen unter www.locasi.de, können Nutzer ganz einfach eingeben, was sie kaufen möchten. Sei es der Lieblingsturnschuh oder ein roter Schal, wie Vilsmeier sagt. Die mit Locasi verbundenen Läden antworten und können dabei Bilder des Produktes sowie Preisvorschläge machen. "Ich weiß also nicht nur, wo mein Wunschprodukt ist, sondern erfahre auch, welche verschiedenen Angebote es dafür gibt", erzählt Vilsmeier. Der Kunde kann das Produkt dann zurücklegen lassen oder einfach im Laden holen.

Vilsmeier beschreibt Locasi als "Partnervermittlung zwischen Kunden und den Läden vor Ort". So sei der Kontakt näher und direkter als bei üblichen Onlineshops. Laut Vilsmeier sind bereits zehn Freisinger Geschäfte aus verschiedenen Bereichen bei Locasi dabei. "Mehr in der eigenen Stadt und weniger bei großen Internetkonzernen kaufen, das ist das Ziel", so Vilsmeier.

"Ich bin gespannt, aber auch unsicher, ob die Leute die Plattform nutzen werden"

Er ist allerdings nicht der Einzige, der lokales Einkaufen vorantreiben möchte und dies für Bürger vereinfachen will. Auch die Aktive City Freising, der Stadt-Marketing-Verein, hat dazu bereits etwas entwickelt. Im Jahr 2019 hat er eine Webseite erstellt, die als "digitales Schaufenster" bezeichnet wird. "Das digitale Schaufenster hilft den Freisingern zu zeigen: Welche Geschäfte gibt es in der Freisinger Innenstadt und was bieten sie an. Unsere Mitglieder, also verschiedene Geschäfte, aber auch Restaurants, Cafés und Dienstleister, können sich dort gesammelt präsentieren. So sehen die Freisinger Bürger, dass es lokal eigentlich alles zu kaufen gibt", sagt Julia Bönig, Citymanagerin des Vereins.

Während der Pandemie wurde die Seite dann noch um Service-Informationen erweitert. Bürger konnten beispielsweise einsehen, wer momentan geöffnet hat, wo man sich etwas liefern lassen oder abholen kann. Die Möglichkeit, ein spezielles Produkt zu suchen, gibt es allerdings nicht. Dieser Idee von Christoph Vilsmeier begegnet sie interessiert, aber auch ein wenig skeptisch. "Ich frage mich einfach, ob Freising die richtige Stadt dafür ist, vielleicht sind wir zu klein. Ich bin gespannt, aber auch unsicher, ob die Leute die Plattform nutzen werden", erzählt sie. Christoph Vilsmeier blickt dagegen positiv in die Zukunft: "Ich habe ein sehr gutes Gefühl, aber klar eine Garantie gibt es natürlich nie."

Eine Kooperation des Vereins Active City mit Locasi ist nicht ausgeschlossen

Laut Bönig sieht der Aktive-City-Verein Locasi aber nicht als Konkurrenz an. "Dafür sind beide Seiten ja doch recht unterschiedlich. Bei uns geht es nicht nur um den Einzelhandel, sondern einfach alles, was in der Freisinger Innenstadt geboten wird, ist bei uns aufgelistet", so Bönig. Auch Vilsmeier betont die Unterschiede. Er vergleicht die Seite der Aktiven City mit "Gelben Seiten" mit verschiedenen Rubriken unter denen dann verschiedene Händler aufgelistet sind. "Wenn man aber ein spezielles Produkt braucht, wie die Lieblingsturnschuhe, hilft das nicht so viel, das macht dann Locasi", so Vilsmeier. Auch sei es bei Locasi so, dass die Initiative vom Kunden kommt, die Händler müssen dann auf diesen zukommen und nicht umgekehrt. "Die Kunden sind bei uns im Fokus, es ist wichtig, dass ihnen Locasi gefällt", so Vilsmeier

"Wir sind Herrn Vilsmeier keineswegs böse, dass er diese Plattform macht und waren mit ihm auch schon in Kontakt", erzählt Bönig. Allerdings würde die Aktive City sich doch Gedanken machen, wenn all ihre Mitgliedsgeschäfte von der Idee begeistert wären. "Unsere Webseite kann sich ja immer weiterentwickeln, so wie auch bei den Service-Informationen während Corona. Das ist ja nichts Statisches, sondern etwas Lebendiges", sagt Bönig. Für diesen Fall sei eine Kooperation mit Christoph Vilsmeier nicht ausgeschlossen. "Da sind ja keine Mauern dazwischen und wir kochen nicht immer nur unser eigenes Süppchen. Auch Leute außerhalb der Aktiven City haben tolle Ideen, das ist ja ganz klar. Man muss einfach mal abwarten, wie diese Plattform dann läuft". Abgeneigt ist auch Vilsmeier nicht. "Klar das wäre eine Option, wir sind offen für alles. In Sachen Werbung wäre die Aktive City eine große Hilfe."

"Durch Corona haben viele bemerkt, was man alles in Freising kaufen kann"

Das lokale Einkaufen der Freisinger Bürger kann Julia Bönig aber auch jetzt schon loben: "Gerade durch Corona haben, glaube ich, viele bemerkt, was man alles in Freising kaufen kann, die meisten haben sich lokal ihre Sachen geholt. Auch unsere Webseite ist gut besucht und die Bürger informieren sich, was es hier alles gibt, das ist wirklich schön." Mit Locasi möchte Christoph Vilsmeier nun "das Zünglein an der Waage sein" und alle, die noch zwischen Online-Shoppen bei großen Händlern wie Amazon oder dem Einkaufen in der Innenstadt hin und her schwanken, vom lokalen Einkauf überzeugen.

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SZ vom 25.06.2021/ilos
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