Süddeutsche Zeitung

Forstenried:Petition abgewiesen

Investor kann Derzbachhof sanieren und neu bebauen

Der Versuch der Projektgegner um Vera Grundler, den denkmalgeschützten Derzbachhof in Forstenried im Originalzustand zu erhalten und die Sanierungs- und Neubaupläne der Firma Euroboden im Zuge einer Petition an den Landtag noch zu verhindern, ist fehlgeschlagen. Über die Eingabe hat am Ende der Wissenschaftsausschuss des Landesparlaments entschieden. Dieses Gremium sah mehrheitlich keine Möglichkeit zur Intervention, weil das behördliche Genehmigungsverfahren einwandfrei gelaufen sei.

"Wir haben nicht über Geschmacksfragen zu entscheiden, sondern nur darüber, ob Ministerien und Stadt alle Verwaltungsakte rechtskonform und schlüssig abgewickelt haben, und das ist der Fall. Fachlich gibt es nichts zu beanstanden", sagte der Ausschussvorsitzende Robert Brannekämper (CSU).

Zugleich übte der Abgeordnete Kritik an der Stadt; diese hätte die Sanierung des Derzbachhofs zu einem früheren Zeitpunkt als "ihren Auftrag" erkennen und eine ihrer Baugesellschaften mit der Rettung des Baudenkmals an der Forstenrieder Allee beauftragen sollen. Diesen Schritt versäumt zu haben, nennt Brannekämper eine "fehlerhafte kommunalpolitische Entscheidung", die nun aber kaum noch zu revidieren sei, weil man mit der Hofsanierung nicht etliche weitere Jahre warten könne.

Im Übrigen findet Brannekämper das Baurecht für das Hofareal reichlich großzügig ausgewiesen: "Ich persönlich hätte mir ein Drittel weniger Baumasse gewünscht." Zur Klärung der Frage, wo genau im rückwärtigen Grundstücksteil die Baulinie verläuft, wäre man im Wissenschaftsausschuss für aufschlussreichere Unterlagen dankbar gewesen.

Der Vorsitzende stellt ferner klar, dass es sich beim Votum des Wissenschaftsausschusses nicht um einen Freibrief für Stefan Höglmaier und seine Firma Euroboden handle, mit dem Derzbachhof nach Belieben zu verfahren. "Wir werden vielmehr der Stadtverwaltung zu verstehen geben, dass massive Denkmalschutzauflagen zu erteilen sind, bis hinein ins Handwerkliche", kündigte er an. Zu prüfen sei ferner, ob Räume des Hauptgebäudes nicht für die Allgemeinheit zugänglich gemacht werden sollten, etwa für Lesungen oder andere Formen der Stadtteilkultur.

"Ohne große Diskussion" hätten die Mitglieder des Wissenschaftsausschusses die zweite Petition zum Thema Derzbachhof abgehandelt. Diese stammte von der Architektin Antje Bulthaup und sei wegen ihres affirmativen Inhalts im Sinne der Firma Euroboden höchstens insofern bemerkenswert, als sie ein Phänomen fortschreibe, das der Landtag seit etwa zwei Jahren beobachte: "Fast auf jede Petition folgt eine Gegenpetition." Wie das zu verhindern sei, wäre nach Ansicht des Ausschussvorsitzenden Robert Brannekämper auch einmal eine Überlegung wert.

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Quelle:
SZ vom 05.02.2019
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