Süddeutsche Zeitung

Erdinger Ringschluss:Frist für Einwender läuft ab

Wem der Abschnitt im Bereich der Stadt Erding nicht gefällt, kann sich noch bis Mittwoch äußern

Von Antonia Steiger, Erding

Vier Wochen lang sind die Planfeststellungsunterlagen für den Bauabschnitt zwischen Schwaigerloh und Altenerding des Erdinger Ringschlusses einzusehen gewesen. Sie waren öffentlich ausgelegt zwischen dem 31. August und dem 30. September, und zwar in den Rathäusern von Erding, Oberding und Langenpreising sowie in den Gemeinden Kranzberg und Fahrenzhausen im Landkreis Freising. Zwei weitere Wochen lang bestand die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben. Diese Frist endet an diesem Mittwoch, 14. Oktober. Gut möglich, dass das Thema in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses der Stadt Erding an diesem Dienstag, 13. Oktober, zur Sprache kommt. Die Sitzung beginnt um 17.45 Uhr im Rathaus.

Umfangreiche Baumaßnahmen gehen einher mit dem Erdinger Ringschluss alleine auf dem Abschnitt durch das Stadtgebiet Erding: Eine neue zweigleisige elektrifizierte Strecke wird gebaut, Erding bekommt einen neuen Bahnhof am Fliegerhorst inklusive eines Bahnsteigs für den Regionalverkehr, der dort auch eines Tages ankommen soll; es wird ein zweigleisiger Tunnel für die S-Bahn und ein eingleisiger Tunnel für den Regionalverkehr gebaut. Neun Eisenbahnbrücken und zwei Straßenbrücken gehören zum Konzept, die fernverkehrstauglich ausgerüstet wird; und es werden die städtebaulichen Wünsche der Stadt Erding berücksichtigt, indem die S-Bahn-Trasse zwischen der Dorfener Straße und bis hinter die Haager Straße tiefergelegt wird. Bis Mittwoch ist noch Zeit, um Einwendungen bei der DB Netz AG als Vorhabenträger vorzubringen. Wenn diese bearbeitet sind, wird die Regierung von Oberbayern als Anhörungsbehörde einen öffentlichen Erörterungstermin bekannt geben. Der Abschnitt zwischen Schwaigerloh und Erding soll im Jahr 2027 in Betrieb genommen werden, der Abschnitt zwischen Erding und Altenerding im Jahr 2029. So weit der Plan.

Auch wenn Bürger und Politik größtenteils davon überzeugt sind, dass der Ringschluss eine wünschenswerte Sache ist, so gibt es doch auch Kritik, unter anderem von Betroffenen, über deren Grund die Bahn geplant hat. So wird die Deutsche Bahn bis Mittwoch unter anderem ein Schreiben erhalten, in dem Einwender kritisieren, dass für den Abschnitt, wo die Ringschluss-Trasse die Alte Römer-Straße kreuzt, andere Varianten nicht ausreichend genau geprüft worden seien. Die Varianten K1 und K2 seien "nur skizzenhaft" dargestellt, heißt es. Die Bahntrasse läuft bei diesen beiden Varianten nicht direkt auf den Eingangsbereich des Fliegerhorstes zu, wo der Bahnhof entstehen soll, sondern in einem kleinen Bogen auf das Fliegerhorstgelände. Die Situierung des Bahnhofes müsste in diesem Fall geändert werden. Das Grundstück der Einwender bliebe aber unbehelligt, auch die Bauarbeiten würden sich laut der gutachterlichen Stellungnahme wegen besserer Platzverhältnisse weniger aufwendig gestalten.

Zudem sehen die Einwender die Nutzung ihrer Grundstücke für Wohnen und Gewerbe als "sehr erschwert oder sogar (teilweise) unmöglich" an, unter anderem weil mehr als 20 Meter lange Lastwagen und Transporter auf das Grundstück ein- und ausfahren können müssen. Der mehrfache Umbau der Ein- und Ausfahrt sei "ein sehr schwerwiegendes Problem", heißt es in dem Schreiben des Rechtsanwaltes. Das Vorhaben verletze daher die wirtschaftlichen Interessen der Einwender.

Dessen Rechtsanwälte sehen den Bau des Erdinger S-Bahn-Ringschlusses aber auch insgesamt nicht ganz unkritisch, weil er mit einem steigenden Passagieraufkommen und einer Zunahme von Arbeitsplätzen am Flughafen verknüpft sei - eine Prognose, die so nicht mehr gilt, weil die Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus die Entwicklung des Flughafens radikal abgebremst hat. Auch für Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist der Bau der dritten Startbahn in weite Ferne gerückt. Die Prognosen seien "intransparent" und "unrealistisch", heißt es daher nun im Schreiben der Rechtsanwälte. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Zahl der Arbeitsplätze stark ansteigen werde. Vielmehr sei zu erwarten, "dass die Zahlen stark rückläufig sein werden". Die Schlussfolgerung, der Flughafen benötige eine bessere Schienenanbindung, sei "äußerst fragwürdig".

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Quelle:
SZ vom 13.10.2020
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