Süddeutsche Zeitung

Entscheidung gefallen:Poing bekommt kommunale E-Ladesäulen

Auf öffentlichen Flächen sollen zehn Stationen entstehen, an denen jeweils zwei E-Autos angeschlossen werden können.

Von Johanna Feckl, Poing

Bislang sieht es in Poing eher mau aus für E-Auto-Besitzer: Im Gemeindegebiet gibt es eine einzige öffentliche Ladestation für Elektro-Autos, nämlich diejenige im Parkhaus an der S-Bahnstation. Daneben gibt es zwar noch einige private oder von Unternehmen betriebene Stationen, öffentlich zugänglich sind diese jedoch nicht. Die geringe Anzahl an kommunal betriebenen Ladesäulen wird sich aber bald ändern: Zehn Stationen mit je zwei Ladepunkten sollen nun in der Gemeinde auf öffentlichem Grund entstehen und damit für alle E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrer zugänglich sein. Darauf einigten sich die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses in der jüngsten Sitzung einstimmig.

Vorangegangen an die Entscheidung war im Januar vergangenen Jahres ein Antrag der Grünen-Fraktion, in der sie den Ausbau von Ladestationen für E-Autos forderte. "Die erhöhte Verfügbarkeit von öffentlich zugänglichen Ladestationen wird die Akzeptanz alternativer Antriebskonzepte weiter unterstützen", hieß es in dem Antragsschreiben. Die Rathausverwaltung verwies damals auf das 2019 in Auftrag gegebene Mobilitätskonzepts der Gemeinde, das einen Ausbau der Ladeinfrastruktur umfasse - somit stand dem Antrag der Grünen nichts im Wege; die Gemeinderäte stimmten geschlossen zu.

Daraufhin hat die Gemeinde die Energieagentur Ebersberg beauftragt, ein Ladesäulenkonzept für den öffentlichen Raum zu erarbeiten. Felix Wiesenberger von der Energieagentur war zur Sitzung am Dienstagabend gekommen, um den Ausschussmitgliedern das Konzept vorzustellen.

Demnach habe es nach einer ersten Standortsuche von Seiten der Gemeinde 20 potenzielle Orte gegeben, die geeignet sein könnten, um dort Ladestationen zu errichten. Nach zwei Überarbeitungen wurden die möglichen Standorte auf 25 Orte festgesetzt. Im Anschluss daran wurde eine Kriterienmatrix aufgestellt, wie Wiesenberger erklärte. Dabei habe man die Aspekte der geschätzten Investitionskosten, räumliche Verteilung, Frequentierung und Sichtbarkeit berücksichtigt und daraus eine Prioritätenliste angefertigt. Nachdem an allen Standorten eine Begehung stattgefunden hat, seien sie auf zehn Stück reduziert worden, so Wiesenberger.

Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) wies darauf hin, dass es bei dem Vorhaben ausschließlich um Ladesäulen auf öffentlichen Flächen gehe - eine Station auf dem Parkplatz eines Supermarktes sei Angelegenheit des Marktes. Auch im Gewerbegebiet gab es keine Standortsuche, wie es in den Sitzungsunterlagen heißt. Dort würden Gewerbebetriebe eine eigene Ladeinfrastruktur für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreiben. Darüber hinaus und unabhängig der Pläne der Gemeinde sind im öffentlichen Bereich des Wohngebiets Lerchenwinkel, das derzeit gebaut wird, fünf Doppelladeplätze durch die Arge Poing "Am Bergfeld" vorgesehen.

Die Kosten für zehn Ladesäulen belaufen sich nach Schätzungen der Energieagentur auf 175 000 Euro. Es gebe Förderprogramme von Bund und Land; bei denen des Bundes würden bis zu 60 Prozent der Kosten gefördert. Für die ungefähren Kosten wurde gerechnet mit acht Säulen à 22 Kilowatt und zwei Säulen à 44 Kilowatt. Auf Nachfrage von Bürgermeister Stark hin erklärte Felix Wiesenberger, dass es bei den Kilowatt-Angaben um die Ladeleistung gehe. Konkret könne man sagen, dass bei einer 22-Kilowatt-Säule in einer Stunde 100 Kilometer "aufgeladen" werden.

Die Ausschussmitglieder einigten sich darauf, die Standorte in zwei Gruppen aufzuteilen. Die in Gruppe 1 sollen auf jeden Fall in diesem Jahr umgesetzt werden, die übrigen spätestens im kommenden Jahr. Bei der Priorisierung folgten die Mitglieder dem Vorschlag der Energieagentur - bis auf den Standort am Sportzentrum, der vom letzten Platz in die erste Gruppe gewählt wurde. Darüber hinaus gehören zur ersten Gruppe Standorte in der Karl-Sittler-Straße Ecke Poststraße, in der Gebrüder-Grimm-Straße, Seerosenstraße und Parsdorfer Straße. In der zweiten Gruppe sind die Bürgerstraße, Friedenstraße, Blumenstraße, Sudetenstraße und Wittelsbacherstraße. Bevor die Projekte ausgeschrieben werden, möchte die Gemeinde die Finanzierung durch Förderprogramme sicherstellen - und der Gemeinderat muss in einer seiner nächsten Sitzungen dem Beschlussvorschlag zustimmen.

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SZ vom 21.01.2021
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