Süddeutsche Zeitung

Zwischen Moosach und Glonn:Nun mal langsam

Eine der schönsten Straßen im Landkreis soll für Radfahrer bessere Bedingungen bieten: Die "Frauen für Moosach" starten eine Petition für ein Tempolimit auf der Staatsstraße 2351.

Von Barbara Mooser, Moosach

Es ist sicher eine der schönsten Straßen im Landkreis: Fährt man von Moosach Richtung Glonn, führt die Staatsstraße 2351 erst an Wiesen und Feldern vorbei und mäandert dann in sanften Kurven durch den Wald. Das Problem: Viele Familien trauen sich nicht, diese Strecke mit Kindern zu radeln - denn Autofahrer und vor allem Motorradfahrer düsen oft in gefährlicher Nähe und Geschwindigkeit vorbei. Deshalb haben die "Frauen für Moosach" nun einen erneuten Versuch unternommen, hier eine Verkehrsberuhigung zu schaffen: Mit einer Petition wollen sie erreichen, dass hier künftig Tempo 30 gilt - ebenso wie am kurvenreichen Anstieg bei der Fischzucht am Ortseingang.

Die Bemühungen darum, auf der Staatsstraße 2351 für Radler bessere Bedingungen zu schaffen, sind nicht neu: Bereits 2020 war darüber diskutiert worden, hier als Pilotprojekt eine Fahrradstraße zu realisieren. Der zuständige Umweltausschuss des Kreistags lehnte einen entsprechenden Antrag von Grünen, SPD sowie der Ausschussgemeinschaft ÖDP/Die Linke allerdings ab. Statt dessen entschied man sich dafür, für Fahrradfahrer auf den nahe gelegenen Bahndamm bessere Bedingungen zu schaffen - oder jedenfalls auf Teilen davon. Doch ob das möglich ist, ist derzeit unklar - die Regierung von Oberbayern hat kürzlich in einer Stellungnahme erklärt, dass ein Befahren des Abschnitts mit "Fahrzeugen aller Art" nicht erlaubt sei.

Der Vorstoß der "Frauen für Moosach" kommt aber unabhängig von dieser Entwicklung. Man habe einfach das Gefühl, dass die Wünsche der Menschen in den betroffenen Gemeinden nicht ausreichend gehört worden seien, sagen Regine Müller und Jeannette Dreßel. Auf eine Stellungnahme der Gemeinde sei von Seiten des Kreises gar nicht reagiert worden, "das ist einfach so verhallt", kritisiert Müller. Daher will man nun einen neuen Anlauf starten. "Die Straße soll ungefährlich werden für Schwächere", sagt Dreßel. Eine zweite Ortsverbindungsstraße sei nur 800 Meter länger - wer als Autofahrer schnell von Moosach nach Glonn kommen wolle oder umgekehrt, habe also diese Möglichkeit nach wie vor. Geht es nach den "Frauen für Moosach", bleibt die Straße zwar offen für alle Verkehrsteilnehmer - nur sollen diese das sechs Kilometer lange Stück eben langsam befahren. Wo bisher 60 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, soll künftig Tempo 30 gelten. "Natürlich dauert es dann länger", sagt Müller, "aber alle sagen ja, sie fahren da, weil es so schön ist - dann hätten sie eben länger etwas davon." Zeitlich könnte das Tempolimit auf die Zeit zwischen März und Ende Oktober begrenzt werden.

Unterstützung bekommen sie für ihre Initiative vom Moosacher Bürgermeister Michael Eisenschmid (CSU) und dem gesamten Gemeinderat. In dessen Namen hatte Eisenschmid bereits im Herbst vergangenen Jahres einen Brief an die Mitglieder des Umweltausschusses des Kreistags geschickt und darin ebenfalls den dringenden Wunsch nach einer Verkehrsberuhigung auf dieser Strecke betont. "Das Ziel der Gemeinde Moosach ist es, die gefühlte und reale Sicherheit im Verkehr zu erhöhen", schrieb Eisenschmid - und Tempo 30 wäre nun einmal der beste Weg. "Wir hätten uns damals eine andere Entscheidung gewünscht", sagt der Bürgermeister zum Votum des Umweltausschusses, aber man werde die Hoffnung nicht aufgeben, doch noch Verbesserungen zu erreichen.

Auch in Glonn gibt es viele, die die Initiative unterstützen, die Glonner Grünen hatten auch für Ende Juni ein Straßenfest auf der Staatsstraße geplant - was aber aus Gründen der Corona-Prävention nicht erlaubt wurde. Nun will man eben im Herbst einen neuen Anlauf starten.

Unterschriftenlisten für die Petition liegen in verschiedenen Läden aus. Beteiligen kann man sich auch im Internet: https://www.openpetition.de/!djybr

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Quelle:
SZ vom 29.06.2021
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