Süddeutsche Zeitung

Große Hilfsbereitschaft:Alle für Paula

1013 Ebersberger haben sich an der Typisierungsaktion für das an Leukämie erkrankte kleine Mädchen beteiligt

1013 Menschen haben an diesem Sonntag nur einen Wunsch: dass es der kleinen Paula wieder besser geht. Die Lebensretter der Zukunft, die sich im Ebersberger Rathaus drängen, sind gekommen, um sich als Knochenmarkspender typisieren zu lassen. Eine, die ganz vorne in der Schlange steht, ist Diana Kühnlein. "Ich finde, jeder sollte mitmachen. Mit ein bisschen Blut hat man die Möglichkeit, ein Leben zu retten - und das sollte man auch tun", sagt die Ebersbergerin. Sie schaut zu ihren beiden Söhne Raphael und Yannick, die mit Paula zusammen in den Kindergarten gehen. "Man weiß nie, ob es einen nicht auch mal selber treffen kann."

Für Paula sind sie gekommen, aber auch anderen können sie helfen: Eine schnelle Registrierung, ein kurzer Pikser, ein halber Teelöffel Blut. Mehr ist nicht nötig, um seine Gewebemerkmale untersuchen zu lassen. Doch bei einer ausreichenden Übereinstimmung rettet dieser kurze Pikser möglicherweise einem Kranken das Leben. Wie das von Paula. Das vierjährige blonde Mädchen aus Ebersberg ist an Leukämie erkrankt. Eine Chemotherapie hat sie schon hinter sich. Doch das bremst lediglich den Blutkrebs und kann ihn nicht zerstören. Nur noch mit Hilfe einer Stammzellenspende kann die kleine Patientin die schwere Erkrankung besiegen.

Um Paula zu helfen, haben Nachbarn und Freunde zusammen mit der Kinderkrebshilfe Ebersberg und der Stiftung "Aktion Knochenmarkspende Bayern" in Gauting die Typisierungsaktion organisiert. Im Rathaus hat sich das Obergeschoss in ein Labor verwandelt. Auf den Tischen liegen in Folie eingeschweißte Spritzen und Pflaster, daneben stehen Flaschen mit Desinfektionsspray. Helfer vom BRK warten mit der Nadel, um das Blut abzuzapfen. Andere kümmern sich um diejenigen, die mit Kreislaufproblemen zu kämpfen haben oder denen beim Anblick von Blut schwindelig geworden ist.

Keine große Sache, ein kleiner Piks, das war's", sagt dagegen Jakob Oswald und drückt auf sein Pflaster. Der 19-Jährige wohnt in Paulas Nachbarschaft und weiß, wie wichtig sein Einsatz heute war. Seine Schwester hat vor einigen Jahren eine Lebertransplantation erhalten. Der Fußballer ist deshalb nicht alleine gekommen, sondern hat seine komplette Fußballmannschaft vom TSV Grafing vor ihrem Punktspiel zum Mitmachen motiviert. "Das ist eine gute Sache", sagt auch der zweite Vorsitzende, Jürgen Daser. Deshalb werden neben dem Blut auch 300 Euro aus der Mannschaftskasse gespendet. Die Organisatoren haben sich große Mühe gegeben, möglichst viele Menschen zu erreichen, in ganz Ebersberg hingen Plakate aus, auf Facebook wurden Freunde mobilisiert. "Die Ebersberger halten zusammen, deshalb machen sie es uns leicht, solche Aktionen zu organisieren", sagt Helga Bogensperger von der Kinderkrebshilfe. "Deshalb hatten wir auch nie Sorge, dass bei dem Wetter nur wenige kommen. Spenden wollen ist alleine Einstellungssache."

Mehr als 40 Helfer waren insgesamt im Einsatz, zum Registrieren der Spender, für die medizinische Betreuung oder für den Kuchenverkauf, der nicht minder wichtig ist. Denn: Das Blutabnehmen liefert nur das Material. Die Typisierung erfolgt im Labor - und sie ist mit 40 Euro pro Probe teuer. "Zuerst werden jetzt die Proben der Verwandten untersucht, da ist die Trefferquote am höchsten", erklärt Doktor Walter Endres. Die Wahrscheinlichkeit, unter den Fremden einen Spender für Paula zu finden, liegt bei nur 1:100 000. "Man kommt für Paula", sagt Enders, "aber auch für alle anderen Erkrankten."

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Quelle:
SZ vom 20.08.2012
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