Süddeutsche Zeitung

Heilige Drei Könige:Die Sternsinger sind los

94 Kinder aus Straußdorf, Elkofen, Eisendorf und Grafing sind in diesem Jahr als Sternsinger unterwegs. Doch bis die Heiligen Drei Könige im Landkreis ausgesandt werden konnten, bedurfte es einer aufwendigen Vorbereitung und Organisation.

Von Alina Schimansky, Grafing

"Man kennt die Türen, hinter denen es großzügige Spender gibt, aber wir überbringen den Segen auch gerne an Menschen, die nicht in der Lage sind zu spenden", sagt Susanne Wolfinger mit freundlicher Stimme, Organisatorin der Sternsinger in Grafing. "Bei mir kann jeder mitmachen", fügt Wolfinger hinzu. Bis zum 6. Januar sind Caspar, Melchior und Balthasar unterwegs und hinterlassen ihre mit Kreide geschriebenen Initialen an den Haustüren der Bürger.

Derzeit seien 94 Kinder aus Straußdorf, Elkofen, Eisendorf und Grafing als Könige aktiv, berichtet Wolfinger. Die letzten Anmeldungen würden sogar jetzt noch laufen. Vom dritten Lebensjahr an dürfe man einen Platz als König einnehmen, heuer seien die Jüngsten vier Jahre alt. "Man ist eigentlich das ganze Jahr über damit beschäftigt, Sterne und anderen Schmuck zu basteln", erzählt Susanne Wolfinger lachend. Die Kostüme der kleinen Könige werden in liebevoller Handarbeit bei Susanne Wolfinger zu Hause geschneidert oder sind bereits vorhanden. Auch ihre Mutter, sagt Susanne Wolfinger, würde sie bei der Organisation tatkräftig unterstützen.

30 Gruppenleiter haben sich freiwillig gemeldet

Einen Stapel mit Schnellheftern lädt Susanne Wolfinger auf dem Holztisch in der Küche ab, unter den Arm hat sie noch einen Plan mit den eingezeichneten Routen geklemmt. "Wenn das Telefon nicht mehr still steht, dann weiß ich, dass es langsam ernst wird", erzählt sie. Dieses Jahr hätten sich 30 Gruppenleiter ehrenamtlich dazu bereit erklärt, Spenden für Jugendliche in Palästina zu sammeln. Die Kindermission in Achen würde wie jedes Jahr eine Vorauswahl treffen hinsichtlich der Projekte, an die gespendet werden würde.

Wichtig sei, dass es sich um ein Kinderprojekt und gleichzeitig um ein Investitionsprojekt handle. "Wir wollen einen Grundstein legen und kein Tropfen auf dem heißen Stein sein", sagt Wolfinger. Aus diesem Grund hätte sich der katholische Pfarrer Anicet Mutonkole dazu entschieden, vergleichsweise kleine Projekte zu unterstützen. So sollen Therapien und Ausbildung für den Weg in ein gewaltfreies Leben für palästinensische Jugendliche finanziert werden.

Seit Oktober laufen die Vorbereitungen

Schon im Oktober beginnen die Organisationsvorbereitungen. Flugblätter werden verteilt und fleißige Könige aus den vergangenen Jahren werden kontaktiert. "In der Regel bleiben viele der Kinder über mehrere Jahre bei den Sternsingern, dem Alter nach oben ist ja keine Grenze gesetzt", sagt Susanne Wolfinger mit einem Lächeln.

Von zehn bis zwanzig Uhr würden die Kinder und Erwachsenen ihren Segen von Haus zu Haus überbringen. "Allerdings teilen wir diese Zeitspanne noch einmal in drei Schichten für jeweils zwei Stunden auf", erklärt die Ehrenamtliche. Am Vormittag würden sich dann zuerst die kleinsten auf den Weg machen, später würden dann "die großen Könige und Königinnen" ihren ehrenamtlichen Pflichten nachgehen. Letzter Probedurchlauf war am 30. Dezember in der katholischen Kirche St. Ägidius.

Auch in Markt Schwaben laufen die letzten Vorbereitungen. Verantwortlich seien dafür: Ramona Reichert, 17 Jahre alt, und Tanja Käser, 16 Jahre alt. "Als das Amt der Organisation der Sternensinger abgegeben wurde, hat sich niemand gemeldet", erklärt die 16-Jährige. Letztlich hätten sich die beiden Freundinnen dazu bereit erklärt, in die Fußstapfen ihrer Nachfolgerin zu treten.

Von halb 10 bis halb sechs sind die Sternsinger unterwegs

"Dem Alter der Sternsinger ist keine Grenze gesetzt, man kann schließlich die Routen so anpassen, dass selbst die Kleinsten mitziehen dürfen." Mittlerweile hätten sich circa 90 Kinder für das Amt gemeldet. "Wir verteilen die Könige gleichmäßig auf 30 Gebiete, die Routen haben sich etwas geändert, da das Neubaugebiet nun auch abgegangen wird", sagt Ramona Reichert mit einem prüfenden Blick auf ihre Unterlagen.

Praktisch sei es, dass sich oftmals komplette Gruppen anmelden würden. Einzelne, die sich angemeldet hätten, könne man aber auch problemlos in einer Gruppe unterbringen. Natürlich gäbe es auch viele Wiederholungstäter, für die es selbstverständlich sei, jedes Jahr am 5. und am 6. Januar den Markt Schwabenern mit Gedichten und Liedern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. "Um halb zehn beginnt die Aussendung, und wir sind ungefähr bis halb sechs auf den Straßen unterwegs", sagt Ramona Reichert.

Die meisten Leute, so Käser, freuen sich darüber, wenn die zwei Ministrantinnen mit ihren Schützlingen die Kürzel von Caspar, Melchior und Balthasar auf die Türstöcke der Häuser in Markt Schwaben schreiben. "Einige haben auch schon Kekse und Gebäck bereit gestellt, da ist die Freude bei den Kleinsten natürlich riesig", sagt Tanja Käser lachend. Auch in Markt Schwaben sei noch eine Stellprobe am 5. Januar geplant.

Die Spenden gehen an zwei Projekte

Der Erlös der Spenden fließt in zwei unterschiedliche Projekte: Das "Kenya Good News Center", eine Organisation zur Unterstützung armer Waisenkinder in Kenia, und ein Wohnheim in Thailand für mit HIV infizierte Jugendliche würden davon profitieren. "Wir spenden jedes Jahr für das "Good News Center", nur das zweite Projekt variiert immer", betont die 16-Jährige.

Die Freundinnen haben sich, wie sie betonen, bewusst für Projekte entschieden, die Jugendlichen eine bessere Zukunft ermöglichen können. "Wahrscheinlich weil wir momentan einfach selber in dieser Phase sind und uns Gedanken um unsere Zukunft machen", sagt Tanja Käser nachdenklich.

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SZ vom 04.01.2016/moje
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