Süddeutsche Zeitung

Ebersberg:Fuchs, wer hat den Schatz gestohlen?

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Kinder suchen bei Ebersberg einen Schatz im Wald. Ein Unbekannter stibitzt ihnen die versteckte Kiste vor der Nase weg.

Glosse von Korbinian Eisenberger

Diesmal hatte Thomas Warg die Schatzkiste hinter einer Wurzel versteckt. Einigermaßen gut, aber nicht zu gut. So wie sonst auch. "Damit Vierjährige sie eben finden können", sagt Historiker Warg. Oft erprobt war er am Sonntagnachmittag einmal mehr an der Ebersberger Weiherkette unterwegs. Sein Gefolge: 15 Schatzsucher zwischen vier und sieben, einige Mamas und Papas gaben Geleitschutz. Abends um 18 Uhr, kurz bevor es dunkel wurde, war der Schatz versteckt und die Suche im Gang. So wurde die Schatzkiste gefunden. Allerdings nicht von Wargs Gefolge - sondern von einem unbekannten Piraten.

Die Kiste, die auf Höhe des Langweihers unweit des Fischerplatzes versteckt lag, ist seither verschwunden. Wargs Schatzsucher kamen nicht in das aufregende Vergnügen, das helle Holz hinter finsterer Wurzel zu entdecken und den gold glänzenden Verschluss zu öffnen. So hätten sie den Schatz gehoben: Zwei bronzene Figuren, gebettet auf grüner Seide. Den Widder von Sempt und den römischen Bacchus. Die beiden wertvollsten archäologischen Funde, die es im Kreis Ebersberg je gab. Wer hat sie gefunden?

Dem Finder sei gesagt, dass es sich bei beiden Figuren um Repliken handelt, deren Wert überschaubar ist. Die wirtschaftlich deutlich wertvolleren Originale stehen in der prähistorischen Staatssammlung in München und werden in aller Regel nicht für Kinder-Schatzsuchen verwendet. Für den Kreisheimatpfleger Warg hat der Widder dennoch besonderen Wert, handelt es sich um ein Vermächtnis seines verstorbenen Vaters. Die Replik der Bacchusstatue gehört zum Fundus des Museums Wald und Umwelt.

Recherchen der Schatzsucher-Truppe zufolge waren in der Dämmerung zwei Männer Anfang 40 unweit der Weiher unterwegs. Womöglich beraubte einer von ihnen die Schatzsucher um ihren Kinderlohn. Man muss kein Kind sein, um Schatzkisten hervorragend zu finden. Wer wenn nicht Warg kann das verstehen. Und dennoch: Damit seine Heimatkunde-Führungen für Kinder eine Zukunft haben, bitte er "den ehrlicher Finder, den Schatz zurückzugeben".

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SZ vom 20.10.2021/koei
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