Süddeutsche Zeitung

Tourismus:Gute Aussichten

Der Landkreis wird auch weiterhin Premium-Mitglied im Tourismusverband sein. Dies soll besonders im Bereich Marketing viele Vorteile bringen

Muss es Vollpension sein oder reicht auch Bed and Breakfast? Es ist diese Frage, die sich oft beim Planen eines Urlaubes stellt, und eine ähnliche stellte sich nun auch dem für Landkreisentwicklung und Regionalmanagement zuständigen Ausschuss des Kreistages. Allerdings ging es nicht um die eigenen Ferien, sondern um die anderer Leute und um die Frage, wie man diese dazu bringt, im Landkreis Urlaub zu machen. Dazu setzt Ebersberg auf die Hilfe von Profis und ist seit vergangenem Jahr Mitglied im neuen Tourismusverband Oberbayern und München (TOM). Nun musste der Ausschuss entscheiden, ob der Landkreis weiter Premium-Mitglied bleibt oder sich für eine günstigere Basis-Mitgliedschaft entscheidet.

Die Kosten sind bei einer Premium-Mitgliedschaft zwar fast drei Mal so hoch wie bei der Basisversion, dennoch bleiben die Gesamtausgaben eher überschaubar. Der Jahresbeitrag für die Basismitgliedschaft beträgt für den Landkreis 3750 Euro, das Rundum-Sorglos-Paket ist für 9520 Euro zu haben. Letzteres habe aber viele Vorteile, warb der TOM-Geschäftsführer Oswald Pehel vor den Kreisräten, besonders im Bereich Marketing. Hier könnten Premium-Mitglieder ihre touristischen Attraktionen beispielsweise in vom TOM herausgegebenen Zeitschriftenbeilagen präsentieren - zuletzt in der Beilage "Die 66 schönsten Plätze in Oberbayern". Auch die vom TOM beauftragte Studie zum Wirtschaftsfaktor Tourismus gibt es nur für die Premium-Mitglieder, die außerdem automatisch auch noch Mitglied in der neuen Arbeitsgemeinschaft "Münchner Umland" sind, gewissermaßen ein Verband im Verband, der mittels eines gemeinsamen Internetauftritts und einer gemeinsamen Broschüre für die beteiligten Landkreise wirbt. Augustinus Meusel, im Landratsamt zuständig für Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement, empfahl die Premium-Mitgliedschaft fortzusetzen. Diese biete eine deutlich bessere überregionale Präsenz des Landkreises.

Überhaupt werde alles immer besser, beim neuen Tourismusverband, so Pehel. Man habe es geschafft, ein arbeitsfähiges Team aufzubauen, bereits seit März sei der Verband voll arbeitsfähig. Dass das so lange gedauert hat - immerhin gibt es TOM bereits seit Herbst 2013 - liege auch daran, "dass wir nicht auf die Unterlagen des Vorgängers zurückgreifen konnten." Dieser hatte Ende 2012 Insolvenz angemeldet und sich aufgelöst. Grund für die Schwierigkeiten war erhebliches Missmanagement im Verband, Auslöser für die Pleite war letztlich die Rückforderung von EU-Fördermitteln.

Wohl vor diesem Hintergrund gab es einige Skepsis, als der Landkreis vor eineinhalb Jahren das erste Mal vor der Entscheidung stand, ob und wenn ja in welcher Form man dem neuen Verband beitreten sollte. "Wir hatten ja eine durchaus lange und kontroverse Debatte", erinnerte sich Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Besonders aus den Reihen von SPD und Grünen hatte es skeptische Stimmen gegeben. Statt das Geld dem neuen TOM zu geben, solle man es lieber in ein eigenes Tourismuskonzept für den Landkreis investieren, schlugen die Kritiker vor. Letztlich entschied die Mehrheit aber für eine Mitgliedschaft des Landkreises im TOM, mit dem Argument, dies komme schließlich den örtlichen Gastwirten und Hoteliers zugute. Allerdings schlossen die Kreisräte nur eine vorläufige Mitgliedschaft ab, nach zwei Jahren solle man über eine Fortsetzung beraten, vor dem Hintergrund, ob sich das Engagement gelohnt habe.

Und das habe es durchaus, versicherte Pehel. Die Statistik weise einen stetigen Anstieg der Übernachtungszahlen aus, so der TOM-Chef, so wurden im vergangenen Jahr in Oberbayern 36 Millionen Übernachtungen gezählt, 1,5 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Gäste ist ebenfalls gestiegen, von 14,1 Millionen 2013 auf 14,9 Millionen im Vorjahr. Außerdem verwies Pehel auf weitere Fördermöglichkeiten für den Tourismus, sollte der Landkreis dem TOM treu bleiben: "Jeder Euro den Sie einzahlen, wird mit drei Euro aus dem Wirtschaftsministerium gefördert."

Dass man weiter Premium-Mitglied bleiben will, war im Ausschuss unumstritten. Es gab aber einige Anregungen. So schlug die Glonner Kreisrätin Renate Glaser (SPD) vor, man solle den Aspekt Nachhaltigkeit stärker in das Tourismuskonzept einarbeiten. Martin Lechner (CSU) wünschte sich "einen Benchmark", so sollen dem Ausschuss jährlich die aktuellen Übernachtungszahlen vorgelegt werden. Was Pehel gerne zusagte, wohl auch, weil es im Interesse des TOM sein könnte. Denn wie der Verbandschef auf Nachfrage von Ilke Ackstaller (Grüne) erläuterte, richtet sich der Preis für eine Mitgliedschaft nach den Übernachtungszahlen - egal übrigens ob Voll- oder Halbpension gebucht wurde.

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Quelle:
SZ vom 13.10.2015
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