Süddeutsche Zeitung

Verkehr:Pendeln auf dem Nordring

Der Vertrag zwischen BMW und Freistaat eröffnet neue Chancen

Der Traum der Pendler und Kommunalpolitiker, eines Tages von Dachau mit der S-Bahn direkt in den Münchner Norden fahren zu können, ist ein Stückchen realer geworden. Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) und der Bereichsleiter Immobilien der BMW Group Herbert Grebenc haben jetzt einen Vertrag geschlossen, nach dem ein erster Teil des sogenannten Bahnnordrings für den öffentlichen Nahverkehr aktiviert werden soll. Derzeit fahren auf der zweigleisigen Strecke nur Güterzüge. Doch das soll sich nun ändern. "Die Anbindung von Karlsfeld gleich von Beginn an ist ein wichtiges Signal, hat große Potenziale und muss daher schnellstmöglich realisiert werden", sagte Karlsfelds Bürgermeister Kolbe (CSU). Auch Landrat Stefan Löwl (CSU) begrüßte die Vereinbarung: "Man sagt, oft ist der erste Schritt der schwerste, aber zumindest ist es der wichtigste."

Die Pendlerzahlen aus dem Landkreis Dachau zu BMW und anderen Arbeitgebern im Münchner Norden steigen stetig. In den verschiedenen Foren zur Mobilität im Münchner Norden ist der Nordring ein ständiges Thema. Und er ist eine Hauptforderung der Kommunen, denn sie wollen, dass die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz künftig auch per S-Bahn komfortabel erreichen können. Es wäre ein Schritt zur Entzerrung des stark staubelasteten Münchner Nordens. So sieht es übrigens auch Staatsminister Reichhart.

Im vergangenen Jahr hatte der Freistaat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass im Vorgriff auf einen möglichen Komplettausbau des Nordrings eine Anbindung des BMW Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) mit Pendelzügen erfolgen kann. Landrat Löwl würdigte dies als "wichtigen Impuls für das Gesamtprojekt"und als "Paradigmenwechsel" - auch wenn die Pendelzüge vorerst noch keine Verkehrsverlagerung bewirken könnten.

Der Freistaat wird nun zeitnah mit der Deutschen Bahn eine Planungsvereinbarung abschließen. Noch vor Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke sollen die ersten Züge von Karlsfeld oder Moosach über das BMW-Forschungszentrum FIZ zum Euroindustriepark rollen. "Ziel muss es aber sein, die vom Landkreis vorangetriebene und vom Freistaat sowie den großen Münchner Arbeitgebern unterstütze Fortführung bis Dachau und zur geplanten Mobilitätsdrehscheibe Breitenau zu erreichen, auch wenn dies aufgrund der baulich und eisenbahnverkehrlich höchst komplizierten Querung der ICE-Trasse noch Jahre dauern wird", sagte Bürgermeister Kolbe. Landrat Stefan Löwl verweist auf den interkommunalen Zusammenschluss aller Kommunen im Münchner Norden sowie der nördlichen Münchner Stadtbezirke. Im Rahmen des Verkehrskonzepts München Nord fordern sie mehr Zuverlässigkeit bei den S-Bahnen und die Aktivierung des Nordrings für den ÖPNV.

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SZ vom 18.09.2019 / cb
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