Süddeutsche Zeitung

Mitten in der Region:Eine Strafe des Fußballgotts

Die Vorbereitung zur Rückrunde der untersten Spielklassen kollidiert alljährlich mit dem Fasching. Das übersteht nicht jedes Team - aber wenn doch, dann steht eine gloreiche Spielzeit bevor

Während die Fußball-Stars in der Bundesliga in den Stadien längst wieder um Punkte gegen den Abstieg beziehungsweise um die Meisterschaft kämpfen, haben die Kicker der C-, B-, A- und Kreisklassen erst begonnen, sich auf die Rückrunde in ihren Ligen vorzubereiten. Doch der professionelle Amateurfußballer weiß: In diesen Tagen entscheidet sich, wer am Ende der Saison von den Rängen als Versager beschimpft oder als Held verehrt wird.

Es muss eine Strafe des Fußballgottes sein, dass die Zeit der Vorbereitung auf die Rückrunde der untersten Spielklassen alljährlich mit dem Fasching kollidiert. Die Trainer schicken Stoßgebete zum Himmel und hoffen auf die mentale Stärke ihrer Spieler. Denn die Versuchungen sind groß: Umzüge, Bälle und Partys, die in den Tagen bis Aschermittwoch über die Bühne gehen, blasen die so hart erarbeitete Kondition der ersten Trainings weg, als hätte es die letzten Steigerungsläufe und Zirkelübungen nie gegeben. Stattdessen grätschen Innenverteidiger bei Bällen über das Tanzparkett und nennen das "Männereinlage", während Stürmer an der Bar einen nach dem anderen versenken. Trainings scheuen manche wie der Teufel das Weihwasser. In Whatsappgruppen machen Ausreden wie diese die Runde: "Sorry Coach, kann heute nicht kommen. Der Umzug hat mein Auto komplett zugeparkt."

Dabei tickt die Uhr. Der Rückrundenstart rückt immer näher. Es sind harte Zeiten. Und nicht jedes Team übersteht sie, ohne in den ersten Punktspielen komplett abzustürzen. Doch Fußball ist auch ein Sport der Wunder. Tatsächlich gibt es Mannschaften, die gestärkt aus dem Fasching herausgehen. Denn diese Abende können Menschen auch zusammenschweißen, wie man sagt. "Teambuilding" nennt man das dann wohl. Und plötzlichen steigt die Trainingsbeteiligung in ungeahnte Sphären. Wer das schafft, dem steht eine glorreiche Spielzeit bevor.

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Quelle:
SZ vom 24.02.2020
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