Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahl in Petershausen:Petershausen verändert sein Gesicht

Lesezeit: 3 min

Neue Gesichter im Gemeinderat: Die Grünen gewinnen auf Anhieb drei Mandate, auch FDP und ÜBP ziehen ein

Von Petra Schafflik, Petershausen

Ob es an der Spitze der Petershausener Gemeindepolitik eine personelle Veränderung gibt, ist noch offen. Denn Bürgermeister Marcel Fath (FW) muss bekanntlich sein Amt gegen den Herausforderer Günter Fuchs (CSU) am 29. März in einer Stichwahl verteidigen. Was aber jetzt schon feststeht: Der künftige Rathauschef wird mit einem deutlich bunteren Gemeinderat arbeiten, sich daher auch engagierter um Mehrheiten bemühen müssen. Denn die Zahl der politischen Gruppierungen wird sich verdoppeln, zu den bisher drei Fraktionen von CSU, Freien Wählern und SPD kommen jetzt Grüne, FDP und Überparteiliche Bürgergemeinschaft Petershausen (ÜBP) dazu. Wie erwartet, haben vor allem die Grünen erfolgreich abgeschnitten und gleich im ersten Anlauf drei Sitze errungen. "Mega gut", sagt Sprecher Alexander Heisler, der als Spitzenkandidat selbst mit in den Rat einziehen wird. Da auch FDP-Bewerber Jürgen Junghans ein Mandat errungen hat, und für die neue ÜBP Martin Seemüller reinkommt, müssen die anderen Fraktionen Federn lassen. Eine Entwicklung, die auch SPD-Vorsitzende Hildegard Schöpe-Stein erwartet hat. Als sie hört, dass ihre Fraktion zwei Sitze verloren hat, reagiert sie unerwartet: "Das überrascht mich positiv". Nachdem SPD-Kandidat Bernhard Franke mit nur 11,4 Prozent bei der Bürgermeisterwahl gescheitert ist, hatte sie schon schwarzgesehen. Doch immerhin drei Mandate, "das Schlimmste wurde abgewendet."

In Petershausen gibt es seit jeher ein großes Potenzial an Grünen-Wählern. Dass der 2019 gegründete Ortsverein einige Stimmen einfahren würde, galt als sicher. Doch drei Mandate im ersten Anlauf, "da bin ich sehr zufrieden", sagt Grünen-Sprecher Heisler. Mit ihm und Susanne Strauß wird für die Grünen auch Lydia Thiel in den Rat einziehen, die bisher für die CSU im Gremium sitzt. Inhaltliche Übereinstimmungen sieht Heisler vor allem mit der SPD, doch allgemein werde im bunter besetzten Rat mehr zusammengearbeitet werden müssen, so Heisler. Als Einzelkämpfer dort einziehen wird Jürgen Junghans (FDP), der schon jetzt als parteiloser Gemeinderat im Gremium sitzt, nachdem er 2018 aus der CSU ausgetreten ist. Auch Martin Seemüller kommt für die erst im Sommer gegründete ÜBP neu in den Rat.

Die neue Vielfalt "schadet dem Gemeinderat mit Sicherheit nicht", wie FW-Vorsitzender Harald Sprattler meint. Die Freien Wähler geben einen Sitz ab, "damit können wir zufrieden sein." So ähnlich dürfte es auch die CSU-Vorsitzende Hildegard Weßner sehen, denn auch ihre Partei erringt nur mehr sechs statt bisher sieben Sitze. Doch für ein Statement hat die Leiterin eines Supermarkts wegen des Corona-Notstands gerade keine Zeit.

Die unterlegenen Bürgermeisterkandidaten sind auch am Tag nach der Wahl enttäuscht. Für Franz Georg Seitz (ÜBP) ist die politische Laufbahn beendet, da er als Jetzendorfer nur nicht für den Petershausener Gemeinderat kandidieren konnte. Bernhard Franke (SPD) nennt seine Mitarbeit im Gemeinderat engagiert und sachlich, "wir hatten gute Themen, ein gutes Wahlprogramm und ein positives Echo bei unseren Veranstaltungen." Während die Verlierer noch ihre Niederlage verdauen, schauen Marcel Fath (FW) und Günter Fuchs (CSU) gleichermaßen optimistisch auf die Stichwahl. Dem amtierenden Rathauschef haben am Sonntag bei 48,5 Prozent nur 48 Stimmen zur absoluten Mehrheit gefehlt. Die will er noch gewinnen. "Das wird uns gelingen", sagt Fath.

Aber auch Fuchs gibt sich optimistisch, will Wähler überzeugen und zurück ins Petershausener Rathaus, wo er bereits bis 2014 Amtschef war. Beider Wahlkampf beschränkt sich auf Flyer und Beiträge in den digitalen Netzwerken - wegen der Corona-Krise. Ob sich die eine oder andere der übrigen Gruppierungen für Fath oder Fuchs aussprechen wird, ist offen. Die Grünen hatten sich im ersten Wahlgang hinter keinen der Kandidaten gestellt, nun vor der Stichwahl "werden Vorstand und gewählte Mitglieder das basisdemokratisch entscheiden", so Sprecher Heisler. Auch die SPD, die 2014 in der Stichwahl Marcel Fathunterstützte, hat sich noch nicht festgelegt. Franke erklärt, er könne sich durchaus vorstellen, Günter Fuchs (CSU) zu unterstützen. Im Ortsverein und Vorstand werde das noch diskutiert, erklärt Ortsvorsitzende Schöpe-Stein diplomatisch. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die SPD nicht positioniert."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4847758
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 17.03.2020
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.