Süddeutsche Zeitung

DLRG:Waldschwaigsee: Neue Wachstation für Rettungsschwimmer

Für die Rettungsschwimmer am Waldschwaigsee geht an ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Sie haben ein neues Wachhaus bekommen.

Für die Lebensretter von der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) ist ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen: Sie haben jetzt eine neue Hütte am Waldschwaigsee. Jahrzehntelang musste der Wachdienst improvisieren. Anfangs, in den Siebzigern, hatten die Rettungsschwimmer einen Bauwagen, der am Wochenende zum See geschoben wurde, solange bis er abbrannte. 1987 spendierte die Gemeinde Karlsfeld schließlich eine winzige Hütte. Doch auch die wurde im Laufe der Zeit immer mehr zur Herausforderung, passten doch kaum Patient und Sanitäter in den engen Raum.

Als die alte Holzhütte auch noch marode wurde, klopfte der Verein vor etwa fünf Jahren beim Bürgermeister an. Man plante, diskutierte, rechnete, verwarf und dachte erneut darüber nach, vertagte und investierte schließlich rund 450 000 Euro in einen Neubau. Kein Schnäppchen für die klamme Kommune, die heuer noch ihren Schuldenberg auf 28 Millionen Euro hochtreibt.

Karlsfeld ist für die Sicherheit am Waldschwaigsee verantwortlich

Andererseits ist die neue Hütte auch kein Luxus. Denn Karlsfeld ist für die Sicherheit am Waldschwaigsee verantwortlich, eine Pflichtaufgabe, die bestimmten Richtlinien und Verordnungen unterliegt. Die alte, marode Hütte entsprach keiner dieser Gesetze mehr. Deshalb war ein Neubau unumgänglich geworden. "Wir sind froh über das neue Wachhaus", sagt der Vorsitzende Hermann Bendl voller Erleichterung. "Es ist wie ein Himmel auf Erden", bestätigt seine Frau Ursula.

109 Quadratmeter ist das neue Domizil der 200 Mitglieder starken DLRG groß. Und zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins haben die Lebensretter Platz. Platz zur Behandlung von Patienten, für Schulungen und Fortbildungen, Vereinsabende und natürlich die regelmäßigen Wachdienste an den Wochenenden im Sommer und Herbst. Sogar eine eigene Küche ist nun in die Hütte eingebaut, zuvor gab es praktisch nur einen Kühlschrank. Aber worüber sich die Aktiven am meisten freuen: Sie müssen nun nicht mehr die öffentliche Toilette benutzen, sondern haben eine eigene. Für Vereinsbus und das relativ neue Rettungsboot gibt es nun auch eine Garage.

Angesichts der noch immer sehr kühlen Temperaturen sind die Aktiven sehr erleichtert, dass sie am Wochenende, wenn die Badesaison startet, nicht draußen sitzen und frieren müssen. Gerade in den Übergangszeiten war der Wachdienst mit der alten Hütte nämlich sehr unangenehm. Drinnen war nur Platz für einen Menschen, die übrigen mussten sich vor der Hütte aufhalten. Und das bis Mitte September. Jeweils von 10 bis 19 Uhr halten die Ehrenamtlichen Ausschau. "Im Sommer bei schönem Wetter kommen schon mal 2000 Badegäste", sagt Herrmann Bendl. Und da das Gelände um den See durch viel Gebüsch zugewachsen ist, müssen die Lebensretter jede Stunde einmal einen Rundgang machen, um Gefahren rechtzeitig vorherzusehen. Andere sind auf dem See mit dem Rettungsbrett unterwegs. Das ist kräftezehrend.

"Wir machen vor allem Präventionsarbeit", erklärt der Karlsfelder DLRG-Vorsitzende. Sehen die Diensthabenden Leute krebsrot in der Sonne liegen, weisen sie auf die Risiken hin und behalten die Person im Auge. Auch wenn eine Gruppe Bier dabei hat, achten sie besonders darauf, dass niemand im Wasser einen Kreislaufkollaps bekommt. "Jugendliche unterschätzen das Wasser manchmal", weiß Bendl. Aber auch Schwimmer, die nicht vorwärts zu kommen scheinen, sind im Fokus der Lebensretter. "Da fahren wir mit dem Boot hin oder nähern uns mit dem Rettungsbrett", erzählt Ursula Bendl. Immer wieder fischen die Wachhabenden Erschöpfte aus dem Wasser und bringen sie sicher ans Ufer. Doch brenzlige Situationen, bei denen jemand zu ertrinken droht und es um Sekunden geht, sind zum Glück selten. "Im vergangenen Jahr hatten wir so eine", erinnert sich Bendl. Ein kleines Kind spielte am Ufer. Ohne, dass es jemand bemerkte, kletterte es auf die Slipanlage, mit der das Boot ins Wasser gelassen wird. Das Kind rutschte auf der glitschigen Schicht aus, fiel ins Wasser und tauchte unter. Es konnte nicht schwimmen. In letzter Sekunde zogen es die Retter von der DLRG aus dem See. "Das war sehr knapp", sagt Bendl.

Idealerweise teilen sich drei bis fünf Rettungsschwimmer die Seeaufsicht

Meist beschränkt sich die Arbeit des Wachdienstes auf Pflaster kleben, Bienenstiche verarzten, gestürzte Radfahrer versorgen oder Zecken herausdrehen. Aber auch Glasscherben aufsammeln und Gebüsch schneiden, um die Sicht auf den See zu verbessern, oder Badegäste vor Gewitter warnen, gehört zu ihrem Job. "Ein paar mehr Helfer könnten wir schon brauchen", sagt Ursula Bendl. Idealer weise teilen sich drei bis fünf Rettungsschwimmer die Seeaufsicht, manchmal haben aber nur zwei Zeit. Denn das Team der Wachleute ist überschaubar. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon 08131/95808 an den Verein wenden. Am 20. Juli ist zudem ein Tag der offenen Tür geplant. Dann können sich Interessierte alles anschauen und rund um informieren.

Derzeit sind die Aktiven nach der Arbeit, an Wochenenden und Feiertagen noch mit bohren, schrauben und hämmern beschäftigt. Denn am kommenden Samstag, 18. Mai, weihen Pfarrer und Bürgermeister die neue Hütte offiziell ein. Die ersten Regale und Schränke stehen bereits. "Unser technischer Leiter Christian Agerer hat seinen Osterurlaub am Waldschwaigsee gearbeitet", erzählt Ursula Bendl. Er hat die Funkanlage, die den Wachdienst mit der Integrierten Leitstelle in Fürstenfeldbruck verbindet, umgebaut. Die alte Hütte dient künftig nur noch als Lagerraum. Bislang haben die Vereinsmitglieder Akten und Ausrüstung zu Hause aufbewahrt. "Die Einrichtung des neuen Wachhauses wird noch dauern", sagt Bendl. Die DLRG hat zwar dafür gespart, aber man versucht viel durch Eigenleistung zu machen oder freut sich über Spenden. So sind Spinde aus einem aufgelösten Flüchtlingsheim eingebaut, außerdem werden Schränke von einer Büroauflösung weiterverwendet. Etwa betrübt sind die Aktiven darüber, dass das neue Haus schon vor der Einweihung mit Graffiti besprüht wurde.

Zusammen mit dem neuen Quartier wird auch das Rettungsboot "Bruno" eingeweiht, obwohl es bereits seit etwa eineinhalb Jahren im Einsatz ist, und der Steg, der sogar schon vier Jahre steht. Der Name des Boots ist übrigens eine Reminiszenz an den früheren Karlsfelder Bürgermeister Bruno Danzer, der der DLRG sehr verbunden war und bis ins hohe Alter Mitglied im Verein war. Die Einweihung beginnt am Samstag um 11.30 Uhr. Sie ist zugleich der Start in die Badesaison. Als Gäste werden Bürgermeister Stefan Kolbe, der Gemeinderat und die Pfarrer erwartet.

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Quelle:
SZ vom 16.05.2019
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