Süddeutsche Zeitung

Landtagswahl im Landkreis Dachau:Bis zu 70 Prozent Briefwähler

Immer mehr Menschen geben ihre Stimme nicht an der Urne ab, sondern per Post. Das Interesse an der Briefwahl ist hoch. Für manche Wahllokale wird es dadurch kritisch, die benötigten 50 Stimmabgaben zu erhalten.

Von Maxim Nägele, Dachau

Zwischen 300 und 1000 Briefwahlanträge für die Landtagswahl treffen täglich beim Bürgerbüro der Stadt Dachau ein, insgesamt 11 553 Anträge sind es schon. Es bestätigt sich erneut, was die vergangenen Jahre schon gezeigt haben: Die Briefwahl wird immer beliebter im Vergleich zur Urnenwahl. In der Stadt Dachau gibt es deswegen 30 Briefwahllokale mit je acht Wahlhelfern, Urnen-Wahllokale gibt es nur 26. Insgesamt sind es 422 Wahlhelfer, die sich im Stimmkreis Dachau freiwillig engagieren. Es müsse zwar wegen Krankheit oder Urlaub häufig nachbelegt werden, aber über einen Helfermangel mache man sich im Stimmkreis Dachau keine Sorgen, teilt das Bürgerbüro mit.

Ähnlich sieht das in Markt Indersdorf aus, insgesamt 3130 Briefwahlanträge gab es bisher. Bei 7300 Wahlberechtigten im Stimmkreis ist das schon fast die Hälfte aller Stimmen. Hier rechnet man damit, über die Zahlen der letzten Landtagswahl zu kommen, bis zu 70 Prozent der Stimmen könnten dieses Mal per Brief eintreffen. Deswegen gibt es heuer auch acht Briefwahllokale, mit jeweils acht Wahlhelfern, drei mehr als bei der vergangenen Landtagswahl. Zehn Urnenwahllokale gibt es in Markt Indersdorf weiterhin.

Das Wahlgeheimnis dürfe nicht "privatisiert" werden

Bei der Landtagswahl 2018 wurden im gesamten Landkreis 31 174 Stimmen per Briefwahl abgegeben, fast 40 Prozent der Wahlbeteiligten. Die Anzahl der Briefwähler habe bei dieser Wahl stark zugenommen und könne über die Hälfte der Gesamtstimmen im Landkreis hinausgehen, vermutet Stimmkreisleiter Michael Laumbacher. Das hänge vor allem mit der Größe der Wahlzettel zusammen, weil die Wähler zu Hause mehr Zeit und Platz hätten als in den engen Stimmkabinen. Laumbacher findet, dass die Briefwahl ein legitimes Mittel sei, man solle Urnenwahlbezirke aber trotzdem beibehalten, um einen anonymen Raum für die Wahl sicherzustellen. Man könne mit der Briefwahl das Wahlgeheimnis nämlich "nicht privatisieren". In Urnenwahllokalen müssen mindestens 50 Stimmen abgegeben werden, um eine anonyme Wahl zu gewährleisten. Andernfalls muss sich das betroffene Wahllokal an die Gemeinde wenden, um gemeinsam mit anderen Stimmzetteln gezählt zu werden. Laut Laumbacher sind bayernweit einige Urnenwahlbezirke wegen mangelnder Urnenwähler eingestampft worden, aber im Landkreis Dachau kamen die meisten Wahllokale bisher über die "goldene Zahl" der 50 Stimmen. "Mal schauen, ob das bei dieser Wahl so bleibt."

In Karlsfeld versuche man, vor allem junge Menschen ab 18 Jahren als Wahlhelfer zu motivieren, erklärt Sarah Kothai von der Gemeinde. Man müsse schon einen Anreiz zum Helfen geben, immerhin 80 Euro und Verpflegung werden geboten. Sie begleitet auch das Training der Wahlhelfer, da werde der Unterricht bereits getrennt zwischen den Brief- und Urnenwahlhelfern. Insgesamt 4587 Briefwahlanträge gab es bisher in Karlsfeld, schon jetzt 1000 Anträge mehr als 2018. In jedem der insgesamt zwölf Briefstimmkreise von Karlsfeld werden um die 400 Wahlbriefe erwartet, "da kommt einiges auf die Briefwahllokale zu".

Auch wenn die Briefwähler schon Tage vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimme abgeben können, ändert sich am Zeitpunkt der Verkündung der Wahlergebnisse nichts. Alle Stimmen aus Brief- und Urnenwahllokalen, werden erst am Wahlabend ab 18 Uhr gezählt.

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