Süddeutsche Zeitung

Alfred Ullrich:Leben in einer verdrehten Welt

Biennale in Venedig stellt Druckgrafik von Alfred Ullrich aus

Alfred Ullrich wird zum zweiten Mal mit einem Exponat bei der Biennale in Venedig vertreten sein. Seine Lithografie "O.T." aus den 1990er-Jahren wird bei der 58. Biennale in einer eigenen Schau mit Werken von Roma-Künstlern, genannt Futuroma, ausgestellt. Der in Vierkirchen lebende Ullrich engagiert sich seit Jahren als Künstler für die Belange der Sinti und Roma. Die Lithografie hat nur die Größe einer Postkarte, aber eine bewegte Geschichte. Zwischen 1995 und 1999 war Ullrich mehrmals und zu verschiedenen Anlässen in der Ukraine, unter anderem bei einem Lithografie-Seminar. In dieser Zeit hat er sich intensiv mit seiner eigenen Herkunft und frühkindlichen Lebensphase auseinandergesetzt: geboren in Deutschland, aufgewachsen in Wien, die Mutter eine Sintezza, der Vater Deutscher aus dem Sudetenland, die frühe Trennung der Eltern, das Wandergewerbe im Sommer.

Die Doppelspirale symbolisiere zwei sich drehende Welten, erzählt Ullrich. In gewisser Weise ist es auch ein Symbol der verdrehten Welten in ihm, die regenbogenfarbige Hintergrund repräsentiert Vergangenheit und Zukunft, Hoffnung und Aufbruch. Die Lithografie landete zunächst als Dankgeschenk auf postalischem Wege im Museum für Roma-Kultur im tschechischen Brünn, wo er im Jahr 2005 eine Einzelausstellung mit druckgrafischen Werken hatte. Von dort wanderte sie ins Archiv des Museums, wo sie schließlich der Kurator der diesjährigen Roma-Ausstellung auf der Biennale, der Brite Daniel Baker, entdeckte und für die Ausstellung nach Venedig holte. Vom 10. Mai an wird sie nun also im Futuroma-Pavillon am Fondamenta Zattere Allo Spirito Santo zu sehen sein.

"Ich freue mich, dass es dieses Mal eine Druckgrafik ist", sagt Ullrich. Vor acht Jahren wurden die fotografische Dokumentation "Landfahrerplatz" von 2011 und die Foto- und Video-Installation "Pearls before swine" (Perlen vor die Säue) aus dem Jahr 2000 im Roma-Pavillon gezeigt.

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Quelle:
SZ vom 23.04.2019 / afoe
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