Süddeutsche Zeitung

Bogenhausen:Das große Sandschaufeln

"Tretlager" muss Dirtbike-Anlage um gut 100 Meter versetzen

Von Nicole Graner, Bogenhausen

Schon einmal haben alle miteinander angepackt und geschaufelt, als die Dirtbike-Anlage des Vereins Tretlager 2012 im Fideliopark ihre "Lines" öffnete. Nun werden wieder alle ran müssen. Wegen des Neubaus des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums muss der Platz 100 Meter weiter versetzt werden. Lange hatte es so ausgesehen, als ob der Platz, auf dem vor allem junge Leute mit ihrem Rad ihre waghalsigen Kurven drehen und Sprünge machen, ganz verschwinden müsste. Nach langem Hin und Her fand sich die Lösung mit der Versetzung. "Wir sind ganz glücklich mit dem neuen Gelände", sagt Andreas Kräftner vom Verein Tretlager. "Aber jetzt muss noch mal ordentlich gebuddelt werden." Und zwar mit schwerem Gerät. Denn der Verein, der 2004 gegründet wurde und aktuell an die 200 Mitglieder hat, möchte den Sand des alten Areals mitnehmen.

Das hat seine Gründe. Da sich der Grund auf dem Boden der alten Ziegelei Bogenhausen befindet, war das Erdreich damals voll von alten Ziegelstücken. Man wolle also den bereits "gereinigten Sand" mitnehmen anstatt noch einmal zu säubern. Der Haken an der Sache: Der Verein muss auf Forderung der Stadt den alten Platz bis zum 15. August geräumt haben. Die Zeit drängt. Der Verein hat nun beim Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen - etwas spät allerdings - einen Antrag gestellt: 15 000 Euro für die Baggerkosten und die Materialzusätze. Denn zum Sand braucht es auch noch Lehm, damit die Bahnen gut modelliert werden können und das Ganze auch hält. Bei der Summe taten sich die Lokalpolitiker in ihrer jüngsten Sitzung schwer.

Angelika Pilz-Strasser (Grüne), die täglich am Areal vorbeifährt, fand, da seien nur selten Sportler zu sehen. Schon einmal habe man den Verein gebeten, zu erklären, wie denn das Konzept für die Öffentlichkeit aussehe. Das Problem sei die Versicherung, erklärte Petra Cockrell (Grüne). Bei den schweren Strecken hafte der Verein, wenn etwas passiere. Die Radfahrer müssten sich also anmelden, eine Vereinbarung unterschreiben. Das mache eine breite Öffnung schwer. Pilz-Strasser regte außerdem an, mit dem Baureferat in Kontakt zu treten, ob es nicht bereit wäre, Bagger bereit zu stellen. "Das Referat hat keine Unterstützung angeboten", erklärte Kräftner in der Sitzung. Auch wolle man versuchen, auf dem neuen Gelände mehr Öffentlichkeit herzustellen, mit dem Spiel- und Begegnungszentrum (SBZ) Fideliopark zusammenzuarbeiten und eventuell auch Leihräder anzubieten. Man könnte sich das Areal ja noch einmal anschauen, schlug Robert Brannekämper (CSU) vor. Diese Zeit habe der Verein nicht, entgegnete Fraktionskollege Ulrich Tetzner.

Das Gremium präsentierte schließlich eine Lösung: 13 000 Euro solle der Verein bekommen - mit der Maßgabe, bis Herbst ein schlüssiges Nutzungskonzept vorzulegen. "Damit sind wir superglücklich", sagte Andreas Kräftner. Auf der Webseite jedenfalls steht schon das Datum für den großen Abriss fest: Montag, 10. August. Bis dahin wollte der Verein um jede helfende Hand werben: zum Buddeln und Modellieren.

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Quelle:
SZ vom 08.08.2020
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