Süddeutsche Zeitung

Band der Woche:Schorschi

Bei Liedermacher Georg Unterholzner lohnt es sich, nicht nur auf sein extremes Bairisch zu hören, sondern auch auf sein Gitarrenspiel zu achten

Von Alina Venzl

Manchmal lohnt es sich, genau hinzuhören. Erst recht bei einem Liedermacher. Natürlich, es geht bei einem Liedermacher immer um den Text. Bei Georg Unterholzner, der sich auf der Bühne Schorschi nennt und extrem Bairisch spricht und singt, ist es aber von Nutzen, auf sein Gitarrenspiel zu achten . Besonders inspiriert wurde Schorschi etwa von dem Künstler Heitor Villa Lobos und seinen zwölf Etüden. Dort gibt es eine bestimmte Stelle, in der Heitor Villa Lobos ein ganz prägnantes Picking spielt - und dieses Zupfen entdeckt man etwa in Schorschis Lied "Tante Martina".

Die Nähe zur klassischen Musik kommt nicht von ungefähr. Nach der Schule hat Schorschi erst eine Ausbildung gemacht und gearbeitet, bevor er sich für die Musikhochschule München beworben hat. Dort studiert er seit 2019 klassische Gitarre. Zusammen mit Kommilitonen hat Schorschi das Ensemble Max Joseph gegründet. Die meisten stellen sich bei einem klassischen Ensemble der Musikhochschule zum Beispiel vier Personen in schwarzen Anzügen vor, die klassische Musik spielen. Aber das trifft nicht zu. Sie kleiden sich leger und machen progressive Volksmusik, wie Schorschi den Stil des Ensembles beschreibt.

Sobald Schorschi anfängt, über seine Musik zu sprechen, strahlt er eine Begeisterung und Liebe zur Musik aus. Vor zwei Jahren hat er seinen heutigen Produzenten Thomas Schöttl kennengelernt. Momentan arbeiten die beiden mit weiteren Musikern an Schorschis zweiten Album.

Angefangen, Musik zu machen, hat er aber keineswegs auf Bairisch, sondern, wie er sagt, "klassisch" auf Hochdeutsch und Englisch. Aber schnell kam bei ihm der Gedanke, auf Deutsch zu singen - oder vielmehr auf Bairisch. "Dabei ist es am besten, wenn man so echt wie möglich ist, und das ist für mich dann auf Bairisch", sagt er. Allerdings hatte Schorschi immer das Gefühl, dass man, wenn man Bairisch singt, gleich mit dem bairischen Stereotyp abgestempelt wird. "Aber das Bairische ist viel tiefgründiger. Und das möchte ich mit meiner Musik zeigen." Tiefgründig, und im Fall von Schorschi auch sehr sympathisch. "Wer mich kennt, kennt meine Lieder, und wer meine Lieder kennt, kennt mich", schreibt er auf seiner Homepage.

"No Oamoi" ist eines seiner bekanntesten Lieder. In dem Lied merkt man gut, wie geschickt Schorschi den Text aufbaut. Einmal noch draußen im Gras liegen, einmal noch an der Zigarette ziehen - jeder Zuhörer kann sich Gedanken dazu machen, was er "no oamoi" machen will.

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Quelle:
SZ vom 14.06.2021
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