Süddeutsche Zeitung

Aktuelles Lexikon:Vergackeiern

Ein Sprachbild vom Bauernhof, das gut zur Politik passt.

Von Meredith Haaf

Robert "wer noch nie im Schweinestall war" Habeck ist unter den amtierenden Ministern vermutlich der am meisten sprachgewandte; ganz sicher aber ist er einer, der das agrarische Sprachbild in der politischen Debatte nicht scheut. Diese Metaphorik wird im tierlieben Deutschland gern gehört und gut verstanden. Vielleicht bemüht Habeck sie auch deshalb besonders dann, wenn er komplizierte Wahrheiten an den Bundesbürger zu bringen hat. In der Ölraffinerie PCK Schwedt wollte der Bundeswirtschaftsminister am Montag erklären, wie es für die Mitarbeiter eines Werks, das nur russisches Erdöl verarbeitet, weitergehen soll, wenn das geplante EU-Embargo für russisches Erdöl eintritt. Diese Frage stellt sich auch für die Stadt Schwedt insgesamt. Habeck versicherte seinen Zuhörern, sie nicht "vergackeiern" zu wollen: Eine Umstellung auf alternative Öllieferungen und später Wasserstoff werde nicht einfach, möglich sei sie aber. "Vergackeiern" könnte man als ein klassisches Lehrerwort bezeichnen, es wird gelegentlich zur Freude von Kindern und Junggebliebenen auch "verkackeiern" gesprochen. Es hat aber seine sprachlichen Wurzeln zum einen im alten Begriff "Gackei" für Hühnerei, und bezieht sich andererseits auf ein irreführendes Gackern, das manche geltungssüchtigen Hühner ausstoßen, obwohl sie gar nicht gelegt haben.

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