Süddeutsche Zeitung

US-Serie "Empire" bei Pro Sieben:Angerichtet für den Untergang

Ist das hier "King Lear"? In "Empire" kämpfen die Söhne eines Musikproduzenten um die Gunst des todkranken Vaters und die Macht im Firmenimperium. Shakespeares Drama endete im Desaster - kein gutes Omen.

Von Bernd Graff

Es ist der Kampf um ein "Empire", und es ist ein Kampf der Giganten. Die Beteiligten sind miteinander verwandt oder waren miteinander verheiratet. Eine Familienschlacht also, in der jeder für sich um die Macht kämpft.

"Empire" ist hier der Name eines Musik-Labels, das sein vieles gutes Geld mit Hip-Hop, R&B und dem "Verkauf von Merchandise, Uhren und Bling-Bling" macht, so fasst abfällig einer der Söhne die Machenschaften seines Vaters, des Plattenbosses, zusammen. Doch an dessen Tropf hängt auch er, alle nährt das "Empire".

Der Vater, der eiskalte Geschäftsmann Lucious Lyon, dem Einladungen des US-Präsidenten nur lästig sind, will die Firma an die Börse bringen. Kurz zuvor erfährt er, dass er unheilbar krank ist. Also trommelt er seine drei Söhne zusammen und erklärt ihnen, dass nur einer von ihnen das Erbe antreten wird. Darum sollen sie kämpfen. "Ist das hier 'King Lear'?", fragt denn auch ungläubig einer von ihnen.

Shakespeares "King Lear" reloaded

Ja, das Setting von Empire, der neuen Serie bei Pro Sieben, erinnert an Shakespeares Königstragödie, in der drei Schwestern der Herrschsucht ihres Vaters ausgesetzt sind. Lear endet im Wahnsinn, die Lieblingstochter ist tot, das Reich zerstört. Wie übel Empire ausgehen wird, ist noch nicht abzusehen, aber die Zeichen stehen auf Sturm.

Denn Lucious ist nicht nur ein Selfmademan in der Musik-Industrie, er war selber Musiker, und kein schlechter. Allerdings sah das kaum jemand außer Cookie, seiner Frau. Das Geld reichte damals hinten und vorne nicht, also verdingte sich Lucious als Drogendealer, unterstützt von Cookie.

Die Sache geht schief, Cookie geht für ihren Mann in den Knast. 17 Jahre lang. Lucious lässt sich von ihr scheiden, baut das "Empire" auf. Ausgerechnet, als er die Söhne aufeinander hetzt, wird Cookie entlassen - und fordert sofort ihren Anteil am "Empire", das ohne ihr erdealtes Startkapital nie hätte gegründet werden können.

Die Söhne: Ein Karrierist, ein verwöhnter Bengel und ein schwuler Singer-Songwriter

Die Söhne sind grundverschieden: André, der älteste, hat Wirtschaft studiert und - als Schwarzer - eine weiße Frau geheiratet. Er will von seinem Vater geliebt werden, doch der will keinen uninspirierten Karrieristen an der Firmenspitze. Hakeem, der Jüngste, ist ein verwöhnter Bengel: Frauen, Bling-Bling, Schampus, dazu ein bisschen Poser-Hip-Hop, das interessiert ihn. Obwohl er Papas Günstling ist, muss Lucious einsehen, dass mit Hakeem so kein Firmenstaat zu machen ist. Cookie prügelt ihn auch gleich mit einem Besen.

Bleibt Jamal, der mittlere, schwul, reichlich mit Singer- und Songwriter-Talenten gesegnet. Er ist jedoch so uninteressiert am Erfolg, dass er Cookie zur Raserei bringt. Denn sie hält ihn für den einzig plausiblen Nachfolge-Kandidaten. So bringt sie ihn dann aber doch gegen Lucious in Stellung, der Schwule verachtet.

Empire, fast ausschließlich mit Schwarzen besetzt, schickt die Oscar-Nominierten Terence Howard (Lucious) und Taraji P. Henson (Cookie), Musik von Timbaland und eine Reihe von Gaststars wie Snoop Dogg und Courtney Love in dieses spannend angelegte Drama, das man allerdings besser im Original und nicht synchronisiert anschaut. Wenn Cookie im Original Lucious anfaucht: "I want to show you a faggot can really run this company.", dann unterstellt sie Lucious mit der Bezeichnung "faggot" für ihren gemeinsamen Sohn eine homophobe Verachtung, an die das neutrale: "Ich will dir zeigen, dass ein Schwuler die Firma führen kann" nicht im Ansatz herankommt.

Empire, Pro Sieben, 20.15 Uhr.

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SZ vom 24.06.2015/pak
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