Süddeutsche Zeitung

Neue Staffel von "The Walking Dead":Ruhig Blut!

15 000 Fans im New Yorker Madison Square Garden - klingt nach Popkonzert, ist aber die Premiere der neuen Staffel "The Walking Dead". Die Serie bricht jedes Gesetz, das für Hitserien gilt.

Von Hakan Tanriverdi, New York

Als klar ist, dass der Mann sterben wird, flippen die Zuschauer aus. Es klingt nach Kriegsgeschrei. Sie grölen vor Begeisterung, als dem Mann das Blut aus der Wange spritzt: Ein Zombie hat ihm ein Loch ins Gesicht gebissen. Was die Zuschauer zu sehen bekommen, ist die Auftaktfolge der sechsten Staffel von The Walking Dead: Das Blut muss spritzen, die Zombie-Serie lebt vom Ekel.

15 000 Menschen waren am vergangenen Freitagabend in die riesige Arena "Madison Square Garden" in Manhattan eingeladen. Kostenlos, wie mehrfach betont wird. Zombies laufen durch die Hallen, die Essensstände haben ihr Menü angepasst ("aPOPkalyptisches Popcorn"). Quer aus den USA sind die Menschen für diesen Abend angereist, aber auch aus Finnland, Russland und Deutschland sind Menschen gekommen. Die Serie gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten der Welt. Kameras, deren Bilder auf große Leinwände übertragen werden, filmen die Gäste. Wenn die das bemerken und winken wollen, taucht ein Zombie auf und erschreckt sie.

Normalerweise finden in dieser Arena Basketballspiele statt oder Konzerte: Elton John, Iron Maiden oder The Cure. Doch die Produktion des US-Fernsehsenders AMC, das wird während dieser vier Stunden klar, hat Fans, für die die Serie selbst der größte Star ist. Fast jeder Abschnitt der ersten Folge, wenn die Kamera abblendet und eine neue Szene beginnt, wird bejubelt und beklatscht. Wie bei einem Musiker, der seinem Publikum Zeit gibt, den gerade gehörten Hit kurz zu verdauen, bevor der nächste Song beginnt.

17 Millionen Menschen sahen die finale Folge von Staffel fünf

The Walking Dead bricht jedes Gesetz, das im amerikanischen Fernsehen für Hit-Serien gilt, schrieb das US-Magazin Variety. Ganze Staffeln lang wird zum Beispiel noch nicht einmal diskutiert, ob es ein Gegenmittel gegen das Zombievirus. Auch, was die Zuschauerzahlen angeht, läuft The Walking Dead in einer eigenen Kategorie: Die letzte Folge der fünften Staffel haben sich 17 Millionen Menschen angeschaut. Auch die Talkshow The Talking Dead, die direkt im Anschluss läuft - ein Mischmasch aus Gerüchten, Fan-Theorien und Interviews - erreicht häufig mehr als vier Millionen Menschen.

Wer mit dem Smartphone filmt, wird rausgeschmissen

Seit Monaten wird in den USA für die neue Staffel geworben, die von Sonntagabend an im US-Fernsehen zu sehen ist. Der Abend in New York soll nicht nur ein Dank sein an die Fans, er ist auch ein (erfolgreicher) Testlauf für die neue Staffel. Bevor die Folge beginnt, sprechen Crew-Mitglieder über die Dreharbeiten und darüber, dass in dieser Staffel alles, logisch, noch etwas intensiver - also blutiger- wird.

Später laufen Security-Mitarbeiter durch die Gänge und leuchten mit kleinen Taschenlampen durch die Reihen. "Wer dabei erwischt wird, wie er mit seinem Smartphone die Folge aufnimmt, der fliegt", schrie die Schauspielerin Yvette Nicole Brown kurz zuvor in ihr Mikrofon. Zwar finden sich später dennoch kurze Mitschnitte im Netz, doch bereits am nächsten Tag gehen diese Links ins Leere.

Die Halle ist gut gefüllt, dank der drei riesigen Bildschirme muss niemand seinen Kopf verdrehen. Als die Lichter ausgehen, beginnt der Jubel. Er wird lauter, als die Titelsequenz mit den immer drängender werdenden Streichern gespielt wird. Und dann, endlich, wird der erste Zombie massakriert. Die Jubelschreie sind ohrenbetäubend.

The Walking Dead, Fox, montags, 21 Uhr.

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SZ vom 12.10.2015/jobr
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