Süddeutsche Zeitung

Harald Schmidt auf Sat 1:Bazooka ballert, Quote duckt sich

Harald Schmidt kommt klar mit dem neuen Rhythmus seiner Show auf Sat 1: Seine Form ist konstant gut. Doch das Problem bleibt die Quote. Eine kleine Zwischenbilanz.

Die Sendung am Dienstagabend begann mit Tempo: "Hier kommt die Bazooka von Sat 1", kündigte der Off-Sprecher an. Sie endete auch mit Tempo, denn Jonathan Jeremiah rockte "Heart of Stone". Dazwischen lag einer der besseren Gastauftritte des stimmbrüchigen Komödianten Michael Mittermaier, vor allem gab es einen aufgeladenen Harald Schmidt, der sein Glück über all die vielen Verrenkungen in Politik und Wirtschaft glücklicherweise fassen konnte.

Die Bazooka, oder, wie Schmidt sagte, "die gute alte Panzerfaust", bezog sich natürlich darauf, die EU-Schuldenkrise durch Monetarisierung (Bazooka der EZB) zu lösen. Und dass die Linke gerade in ihrem ersten Grundsatzprogramm langfristig die Legalisierung von Drogen wünscht, beflügelte Schmidt zum schönen Kalauer: Für die Linke sei es von "Ex-Stasi zu Ecstasy" ein langer Weg gewesen.

Sieben Wochen ist Schmidt wieder bei Sat 1, die zwei Sendetage helfen ihm. Seine Form ist konstant - im oberen Bereich. Was nach unten ausschlägt, ist die Quote.

Nun weiß man ja, dass Gegenprogramme, Vorläufe, konkurrierende oder unterstützende Fußball-Übertragungen Einfluss auf die Zuschauerbeteiligung nehmen. In den ersten 13 Sendungen erreichte die Harald Schmidt Show einen Topwert von 16,1 Prozent bei den jungen Menschen, am 5. Oktober fiel sie aufs Tief von 4,9 Prozent, im Durchschnitt stehen 8,7 Prozent. Aber das kann sich ja noch ändern.

Verkauft wurde die Sat-1-Late-Night auch an zwei Sonder-Werbekunden (Microsoft, Mumm). Sie bezahlen zunächst bis Weihnachten dafür, sich vor und nach der Show präsentieren zu können. Der Sekunden-Preis wird vorher durch eine Marktanteilsschätzung (Durchschnitt) bestimmt - im Fall von Schmidt vermutlich circa zehn Prozent. Macht die Sendung schließlich weniger Quote, ist das: "Pech". Doch Sat 1 würde dem Geschäftspartner bei "Pech" wohl den branchenüblichen Ausgleich gewähren: kostenlose Werbezeit. Sabine Eckhardt, bei Pro Sieben Sat 1 für Sonderwerbeformen zuständig, wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

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Quelle:
SZ vom 27.10.2011/gr
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