Süddeutsche Zeitung

"Der Spiegel":Reporter Cordt Schnibben rechnet mit Büchner ab

  • Nach der Entlassung von Wolfgang Büchner beim Spiegel zieht Reporter Cordt Schnibben auf seiner Facebook-Seite Bilanz: Büchner kommt dabei denkbar schlecht weg.
  • Schnibben wirft Büchner vor, Print und Online gegeneinander aufgehetzt zu haben.

Wolfgang Büchner und Der Spiegel - das ist Geschichte. Doch die Nachlese hat erst begonnen. Es ist die Zeit des Abrechnens. Den Anfang macht einer der bekanntesten Reporter des Magazins, Cordt Schnibben. In einem Facebook-Post, teilweise direkt an Büchner und den ebenfalls scheidenden Geschäftsführer Ove Saffe gerichtet, wehrt Schnibben sich dagegen, dass er und seine Kollegen als verbohrte Print-Leute diffamiert würden, die sich dem Fortschritt verweigerten.

Schnibben schreibt seit 25 Jahren für das Magazin. Seinen Ressortleiter-Posten gab er vor eineinhalb Jahren auf, um zusammen mit Kollegen von Spiegel Online digitale journalistische Projekte zu entwickeln. Als Büchner zum Spiegel kam, habe Schnibben gedacht, er sei der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Doch es kam anders: "Er war leider der falsche Mann zum richtigen Zeitpunkt am falschen Ort. Wir hätten einen Chefredakteur gebraucht, der die Redakteure mitnimmt, einbezieht, fordert, inspiriert.", schreibt Schnibben auf Facebook.

Schnibben habe gehofft, dass Büchner einer sei, der Heft und Website zusammenführe. Der die Redakteure von Print und Online von einem gemeinsamen Projekt überzeugen könne. "Bekommen haben wir einen Chefredakteur, der Online und Print gegeneinander in Stellung gebracht hat."

Schnibbes Kommentar zeigt, was sich beim Spiegel über Monate der internen Querelen an Ärger angestaut hat. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein: War es wirklich nötig, den geschassten Chef, dem sein Scheitern mit ziemlicher Gewissheit selbst bewusst ist, derart öffentlich zu diskreditieren? Hätte man es mit der nun feststehenden Trennung von Büchner und Saffe nicht einfach gut sein lassen und den Blick - aus Sicht des Spiegel: endlich - nach vorne richten sollen?

Seit August ist der Spiegel Schauplatz teils öffentlich ausgetragener Streitereien. Zuletzt waren die Gesellschafter offenbar fast täglich miteinander im Gespräch, um eine Lösung für den Streit zu finden. Der Führungsstreit endete mit der Trennung von Büchner und Saffe.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2253340
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Süddeutsche.de/dayk/mane
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.