Süddeutsche Zeitung

Statistisches Bundesamt:Elterngeld bei Vätern immer beliebter

  • 77,8 Prozent der Elterngeldbezieher sind noch immer Frauen. Das geht aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.
  • In Sachsen ist der Väteranteil mit 26,5 Prozent am höchsten, am niedrigsten ist er im Saarland (17,0 Prozent).

Füttern, Windeln wechseln, sich die Nächte mit dem schreienden Kind auf dem Hüpfball um die Ohren zu schlagen - bislang war das oft die Aufgabe von Müttern. Doch auch immer mehr Väter haben inzwischen den genauen Überblick über den Windelvorrat und können geschmackvollen Babybrei kochen. Darauf lassen zumindest die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Thema Elterngeld hoffen.

Das Elterngeld unterstützt seit zehn Jahren Mütter und Väter, die einige Monate lang nicht arbeiten, weil sie sich um ihren Nachwuchs kümmern. Die Sozialleistung soll dabei den Verdienstausfall in dieser Zeit etwas reduzieren. Mindestens 65 Prozent des Nettoeinkommens bekommen deshalb Eltern, die mindestens zwei Monate lang zu Hause bleiben. Das Elterngeld wird immer beliebter - vor allem bei Vätern.

Im Jahr 2016 haben mit 1,64 Millionen Müttern und Vätern fünf Prozent mehr Elterngeld bezogen. Während die Anzahl der Mütter nur um gut drei Prozent zunahm, haben immerhin zwölf Prozent mehr Männer die Leistung in Anspruch genommen als noch im Jahr zuvor.

Ein Blick auf die Verteilung der Elterngeldbezieher zeigt, es sind aber immer noch überwiegend Frauen, die die Kinder betreuen. Von den 1.640.118 Elterngeldbeziehern sind nur knapp ein Viertel (22,2 Prozent) Väter. Immerhin: Im Jahr zuvor lag dieser Anteil noch bei nur 20,9 Prozent. In Sachsen ist der Väteranteil mit 26,5 Prozent am höchsten, am niedrigsten ist er im Saarland (17,0 Prozent).

Die Statistik zeigt auch, dass die Familienarbeit zwischen den Geschlechtern ungleich aufgeteilt wird. 74,5 Prozent der Väter entscheiden sich für eine eher kurze Elternzeit und beziehen das Elterngeld nur bis zu zwei Monate. Die meisten Mütter (75 Prozent) dagegen bekommen die Sozialleistung zehn bis zwölf Monate.

Außerdem wird deutlich, dass eher Väter mit höherem Einkommen bereit sind, eine Zeit lang zu Hause bleiben. Ein Viertel der Männer, die Elterngeld beziehen, haben vor der Geburt ein Nettoeinkommen zwischen 2000 und 2770 Euro gehabt. Unter den Vätern, die Elterngeld beziehen, sind nur zwei Prozent, die vor der Geburt weniger als 500 Euro netto zur Verfügung hatten. Das eher höhere Einkommen der Männer führt auch dazu, dass sie durchschnittlich mehr Elterngeld im Monat bekommen. Während Mütter im Durchschnitt 723 Euro monatlich beziehen, bekommen die Väter 1262 Euro.

Neu ist bei dieser Auswertung, dass erstmals auch das Elterngeld Plus mit einbezogen wird. Diese Leistung soll Teilzeitarbeit attraktiver machen. Eltern, deren Kinder nach dem 1. Juli 2015 geboren worden sind, können zwischen dem Basiselterngeld und dem "Elterngeld Plus" wählen oder sogar beides kombinieren. Erfolgreich ist diese Leistung vor allem bei Frauen. Jede fünfte Mutter, die Elterngeld erhielt und vor der Geburt erwerbstätig war, entschied sich für "Elterngeld Plus". Bei den Vätern ist der Anteil mit 8,2 Prozent weitaus geringer.

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