Süddeutsche Zeitung

Konsumverhalten von Kindern:1,87 Milliarden für Comics und Süßigkeiten

Durchschnittlich 28 Euro pro Monat: Einer neuen Studie zufolge bekommen deutsche Kinder zwischen sechs und 13 Jahren mehr Geld von ihren Eltern als je zuvor. Doch Fachleute halten das für zu viel - sie haben andere Ratschläge.

Von Guido Bohsem

Offenbar profitieren auch die Kinder vom Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre. So jedenfalls kann man die Ergebnisse einer neuen Studie über das Konsumverhalten der sieben- bis dreizehnjährigen Mädchen und Jungen interpretieren. 27,56 Euro bekommen sie laut Kids-Verbraucheranalyse (KVA) pro Monat an Taschengeld. Das ist so viel wie nie zuvor. Die Kinder stellen damit einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor dar. Denn zusammen haben sie im Jahr etwa 1,87 Milliarden Euro Taschengeld. Hinzu kommen weitere 780 Millionen Euro, die sie an Weihnachten oder zum Geburtstag geschenkt bekommen. Den Großteil ihres Taschengeldes geben sie laut Umfrage für Süßigkeiten, Eis und Knabbersachen aus. Viele Kinder kaufen sich auch Zeitschriften, Comics oder Spiele davon.

Für die KVA 2013 wurden rund 1645 Kinder zusammen mit dem Vater oder der Mutter befragt. Die Ergebnisse der Umfrage sollen für die rund sechs Millionen deutschsprachigen Kinder in Deutschland stehen. Auftraggeber der Studie ist der Egmont Ehapa Verlag (Micky Maus, Wendy), der diese Umfrage schon seit über 20 Jahren in Auftrag gibt.

Die Erkenntnisse über das Taschengeld lassen sich kurz zusammenfassen. Die älteren Kinder bekommen mehr, die jüngeren weniger. Zwischen sechs und neun Jahren gibt es pro Monat 19,47 Euro. Wer zwischen zehn und 13 Jahre alt ist, bekommt im Durchschnitt sogar 34,47 Euro. Zudem scheinen die Mädchen über ein besseres Verhandlungsgeschick zu verfügen als ihre männlichen Altersgenossen, denn ihr monatliches Taschengeld liegt durchschnittlich bei 27,71 Euro und damit leicht über dem der Jungen (27,42 Euro)

Vom Taschengeld lässt sich nicht auf Kinderarmut schließen

Das Taschengeld ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Vor vier Jahren erhielten die Kinder im Schnitt noch 23,04 Euro, vor sieben Jahren 22,04 Euro. Damit stieg das Taschengeld immerhin stärker als die Verbraucherpreise, also die Inflation. Das heißt allerdings nicht, dass die deutschen Kinder reicher geworden wären. Ein Rückschluss auf die Zu- oder Abnahme von Kinderarmut lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht an den Zahlen ablesen.

Die deutschen Eltern sind damit offenbar großzügiger als es die Fachleute empfehlen. Zumindest liegt die in der KVA ermittelte Höhe des Taschengelds deutlich über den Richtlinien der Jugendämter. So empfiehlt etwa das Sozialreferat des Stadtjugendamtes in München für sechs- und siebenjährige Kinder einen Betrag von 1,50 Euro in der Woche. Acht- und Neunjährige sollten demnach zwischen zwei und 2,50 Euro erhalten. Für 13-Jährige sind nach Angaben der Pädagogen 20 Euro im Monat ausreichend.

Egal wie viel, die meisten Pädagogen sind sich einig, dass es sinnvoll ist, Taschengeld zu zahlen - und zwar weniger als Belohnung, sondern vielmehr als Möglichkeit, den Umgang mit Geld zu erlernen.

Regeln für die Eltern

Fragt man Christine Feil vom Deutschen Jugendinstitut (DJI), gibt es vor allem für die Eltern ein paar Regeln, die sie beachten sollten. "Taschengeld zahlt man nicht. Taschengeld händigt man aus", sagte sie. Es handele sich schließlich um eine Anerkennung und nicht um einen Verdienst. Eine Gegenleistung dürften die Eltern dafür nicht erwarten. "Taschengeld sollte den Kindern zur freien Verfügung stehen", empfiehlt Feil. "Im Idealfall können sie damit machen, was sie wollen - ohne Kontrolle der Eltern."

Auch dürfen Erwachsene Feil zufolge das Taschengeld nicht einfach kürzen, egal wie sauer sie auf die Tochter oder den Sohn sind. "Man sollte aber auch kein Geld nachschießen, wenn das Taschengeld etwa nach der Hälfte des Monats ausgegangen ist", rät die wissenschaftliche Mitarbeiterin am DJI.

Selbstverständlichkeiten müssen nicht belohnt werden

Die Eltern sollten demnach auch darauf verzichten, das Taschengeld zu erhöhen, wenn das Kind alltägliche Dinge erledigt, wie zum Beispiel Zimmer aufzuräumen oder ein Buch zu lesen. "Man sollte keine Prämien für selbstverständliche Dinge ausloben", sagte Feil. "Selbstverständlichkeiten müssen nicht belohnt werden. Das ist aus pädagogischer Sicht nicht hinnehmbar." Auch für ein gutes Zeugnis müssten die Eltern sich eigentlich nicht erkenntlich zeigen. "Ich halte es auch für fraglich, Geld für gute Noten zu zahlen. Unter Umständen hat sich ein Kind für ein ,Ausreichend' mehr anstrengen müssen als ein anderes Kind für ein ,Gut'." Wenn nur nach den Noten belohnt werde, falle dieser Aspekt völlig flach.

Auch hier scheinen viele Eltern anders zu denken. Laut KVA sagten etwa 40 Prozent der befragten Kinder und Eltern, dass es Geldgeschenke für gute Noten in der Schule gebe. Etwa 23 Prozent sagten, die Eltern steckten ihnen schon mal was zu, wenn sie die Spülmaschine ausräumten oder den Rasen mähten.

Besonders die Feiertage scheinen sich zu lohnen. Nach Angaben der Eltern erhalten die Kinder im Durchschnitt 170 Euro an ihrem Geburtstag, an Ostern oder Weihnachten. Für Kinder im Alter von zehn bis 13 Jahren gab es 190 Euro und für die jüngeren immerhin noch 145 Euro. Hier schnitten die Jungs im Schnitt besser ab. Sie erhielten mit 172 Euro etwa fünf Euro mehr als die Mädchen.

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Quelle:
SZ vom 07.08.2013
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