Süddeutsche Zeitung

Trump Town (III):Raus aus dem Trump Tower

Der Wohnsitz des designierten US-Präsidenten ist weitläufig abgesperrt. Sehr zum Ärger seiner weniger prominenten Bewohner.

Kolumne von Peter Richter

Der Kulturkorrespondent der SZ lebt in New York, derselben Stadt wie Donald Trump. Weil die Überraschung nach der Wahl dort besonders groß war, schreibt er eine tägliche Kolumne.

Die Absperrungen rund um den Trump Tower bleiben den New Yorkern erhalten, auch wenn es diese Woche schon gar nicht mehr zu Protestmärschen auf die Residenz des künftigen Präsidenten kam. Der Turm hat bis auf Weiteres den gleichen Sicherheitsstatus wie das Weiße Haus in Washington und wird entsprechend abgeschirmt. Vielleicht spielt auch der Schutz von Fußgängern eine Rolle. Es muss ja offenbar jederzeit damit gerechnet werden, dass irgendwer aus dem Fenster geworfen wird oder vom Dach springt, seit aus dem Trump-Team kolportiert wurde, da oben seien Säuberungen stalinistischen Stils im Gange, wobei Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gewissermaßen die Rolle des Verhör-Chefs spiele. Bisschen blöd ist das für diejenigen Touristen, die immer schon mal bei Tiffany's reinschauen wollten, denn das Juwelenhaus liegt leider in demselben, nun abgesperrten Block und ist nun nicht mehr so einfach zu erreichen.

Mehr als nur ein bisschen blöd ist das aber offenbar vor allem für die Leute, die sonst noch im Trump Tower wohnen. Familie Trump residiert dort ja nur auf den Etagen 66 bis 68 (eine Etage davon werde allein von Barron Trump, zehn Jahre alt, bewohnt, beteuern Magazine, die sich für solche Informationen zuständig fühlen), in Etage 26 ist Trumps Büro, in Etage fünf, also fast schon im Keller, finden jetzt vermutlich Jared Kushners Verhöre statt, jedenfalls saß dort Trumps Wahlkampfteam. Die anderen Etagen aber sind verkauft oder vermietet, und die Lokalpresse zitiert nun Makler, die von schwer entnervten Wohnungseigentümern berichten: Die ersten wollten bereits ausziehen.

Da hätten sie allerdings vor dem Kauf mal lieber auf das Namensschild am Haus schauen sollen, groß genug ist es ja, und dass er für die Präsidentschaft kandidieren könnte, hat Trump schon Ende der Achtziger immer mal wieder angedeutet.

Mehr Glück haben da die Bewohner von Trump Place, einem Wohnkomplex am Hudson River, den Trump errichtet, aber vor Jahren schon verkauft hat, weshalb er nicht verhindern kann, dass die Eigentümerfirma einer Petition der Bewohner nach einem politisch weniger belastenden Namen jetzt Rechnung tragen. Die Häuser heißen fortan 140, 160 und 180 Riverside Boulevard. Die großen, bronzenen Buchstaben T, R, U, M und P werden dieser Tage abgeschraubt.

Bleibt die Frage, ob sie zur Weiterverwendung danach direkt nach Washington gefahren werden.

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Quelle:
SZ vom 18.11.2016
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