Süddeutsche Zeitung

Eddie Murphy moderiert Oscar-Verleihung:Hollywoods härtester Job

Wegen seiner Entertainment-Qualitäten soll Eddie Murphy die Oscar-Verleihung 2012 moderieren - eine Aufgabe, an der Anne Hathaway und James Franco in diesem Jahr glorreich scheiterten. Allerdings spielt Murphy auch jede noch so blöde Rolle, ob Raumschiff in Menschenform oder Haustierflüsterer. Ist er der Richtige?

Mut haben sie ja, die Leiter der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und Brett Ratner, der Mann, der für sie die 84. Oscar-Verleihung im nächsten Februar in Szene setzen soll. Nun haben sie den fünfzigjährigen Eddie Murphy ausgewählt als Präsentator, der durch den Abend führen wird.

Das ist der härteste Job, den Hollywood zu vergeben hat, in dem Bob Hope, Steve Martin, Billy Crystal sich bewährt hatten. Nun also Eddie Murphy, der zwar alle Qualitäten eines Stand-up-Comedians aufweist, aber in den letzten Jahren doch nur durch schlimme Kino-Flops auf sich aufmerksam machte und sich für die lächerlichsten Rollen nicht zu schade war.

War das eine "Etwas Besseres als Anne Hathaway und James Franco finden wir allemal"-Reaktion? Hathaway und Franco, die durch die diesjährige Oscar-Nacht führten, hatten enttäuscht und wurden durchwegs als uninspiriert abqualifiziert - und die Zuschauerzahlen in der Fernsehnacht sanken um neun Prozent, auf 37,6 Millionen. Das Experiment, mit Jungstars ein frisches neues Kapitel der Oscar-Verleihungen einzuleiten - die, zugegeben, immer eine Aura von Gediegen - bis Greisenhaftigkeit hatten - war fürs Erste gescheitert.

Mut hatte auch Eddie Murphy seinerzeit bewiesen, in seinem ersten Kinofilm, damals in den Achtzigern: In "Nur 48 Stunden" von Walter Hill betrat er unerschrocken mit seinem Partner Nick Nolte eine rauchige Redneck-Kneipe, in der kernige amerikanische Jungs an der Theke lehnten und Girls, deren größtes Kleidungsstück ein weißer Cowboyhut war, an der Stange tanzten.

Nick und Eddie suchten einen ausgebrochenen Verbrecher, Eddie als dessen Ex-Kumpel, der für 48 Stunden aus dem Knast geholt wurde, um die heißen Spuren zu finden, Nick als Polizist, der ihm dabei ein wenig helfen und am Weglaufen hindern sollte. Wie Eddie Murphy in wenigen Minuten im breitesten Neger-Slang die Bude aufmischt, das ist eine der ganz großen Momente der neueren Kinogeschichte.

Die Gagen schwächelten nie

Geboren wurde er am 3. April 1961 in Brooklyn, 1980 schloss er sich der Truppe von "Saturday Night Live" an, aus der seit Jahrzehnten die besten amerikanischen Komiker kommen. Nach "Nur 48 Stunden" hatte er Großerfolge in Serie: "Die Glücksritter", "Beverly Hills Cop", "Der Prinz aus Zamunda". Aber Mitte der neunziger Jahre kaprizierte er sich auf seltsam lahme Figuren wie den "Nutty Professor" oder Dr. Dolittle, Filmremakes, die an ihre Originale nie herankamen.

Seine Honorare schwächelten erstaunlicherweise nicht, blieben auf 50-Millionen-Dollar-Niveau - ein Betrag, den die Filme oft gar nicht einspielen konnten. Sein Film "Mensch Dave!" ist immerhin so absurd, dass er schon wieder komisch ist: Eddie spielt ein Raumschiff in Menschenform, das auf die Erde kommt, und dazu noch, miniaturisiert, dessen Kommandanten.

Oscar-Inszenator Ratner erklärt, die Wahl von Murphy sei beshert - das jiddische Wort für "so ist es gewollt". Und es sei Zufall, dass Murphy im nächsten Ratner-Film dabei ist: "Tower Heist", der im November in die Kinos kommt. "Ich hoffe, er spielt noch in vielen meiner Filme mit. Er ist ein Genie."

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SZ vom 08.09.2011/caja
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