Süddeutsche Zeitung

Shortlist des Deutschen Buchpreises:Gutes aus dem Frühjahr

Die Jury des Deutschen Buchpreises hat ihre sechs Finalisten benannt. Auffällig: Die aktuelle Saison fehlt beinahe völlig.

Von Marie Schmidt

Die Jury des Deutschen Buchpreises hat sich mit ihrer Shortlist vom Literaturherbst abgewandt. Bereits auf der Longlist, auf der sie die 20 bemerkenswertesten Titel des Jahres zur Wahl stellte, fehlten einige der in vergangenen Wochen vielbeachteten Bücher - etwa Eva Menasses "Dunkelblum" oder Angelika Klüssendorfs "Vierunddreißigster September". Auch an den sechs Romanen, die jetzt nominiert sind, fällt besonders auf, welche nicht darunter sind. Sasha Marianna Salzmanns epische Erzählung über Mütter, Töchter und Perestroika-Zeit, zum Beispiel, oder die Nibelungen-Version der Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe.

Nominiert sind vor allem Titel aus dem Frühjahr. Etwa Norbert Gstreins Lebensrückblick eines alternden Schauspielers in "Der zweite Jakob" (Hanser), Thomas Kunsts Aussteigerroman "Zandschower Klinken" (Suhrkamp), Christian Krachts "Eurotrash", eine Art Fortsetzung seines berühmtesten Romans "Faserland" (Kiepenheuer & Witsch), der bereits für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Auch Monika Helfers schmale und ergreifende Familiengeschichte "Vati" (Hanser) ist im Winter erschienen. Ebenso Mithu M. Sanyals Roman "Identitti" (Hanser), der verschiedene aktuelle Debatten unterhaltsam inszeniert.

Lediglich ein Roman kommt aus der aktuellen Saison

Damit kommt die Hälfte der Kandidaten für den diesjährigen Deutschen Buchpreis aus dem Hanser Verlag. Aus den Programmen der aktuellen Saison kommt lediglich Antje Rávik Strubels Roman "Die blaue Frau" (S. Fischer).

Der Deutsche Buchpreis ist mit 25 000 Euro für die Gewinnerin oder den Gewinner dotiert. Die übrigen Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro. Der Preisträger wird zu Beginn der Frankfurter Buchmesse am 18. Oktober bekanntgegeben.

Die Jury für den Preis setzt sich aus Kritikerinnen, Literaturveranstaltern und Buchhändlern zusammen. Schon in den vergangenen Jahren ist die Auswahl auf den Long- und Shortlists für diese Auszeichnung gelegentlich als idiosynkratisch aufgefallen. Die unterschiedlichen Interessen der Akteure aus verschiedenen Bereichen der Buchbranche in der Jury könnten ein Grund dafür sein.

Vergeben wird der Deutsche Buchpreis 2021 von Knut Cordsen, Literaturkritiker des Bayrischen Rundfunks, der auch Jurysprecher ist, Bettina Fischer, der Leiterin Literaturhauses in Köln, und Anja Johannsen, die das Literarische Zentrum in Göttingen leitet. Außerdem Richard Kämmerlings, Literarischer Korrespondent der Welt, Sandra Kegel, die das Feuilleton der FAZ leitet, Beate Scherzer, Buchhändlerin von Proust Wörter + Töne und Anne-Catherine Simon, Feuilleton-Redakteurin der Presse.

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