Süddeutsche Zeitung

Brüssel:Pracht der Welt

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Drei kleine, feine Messen für außereuropäische Kunst, Asiatika und Antiken begeistern mit ihrem Angebot und ihrer Atmosphäre.

Von Dorothea Baumer

Natürlich", sagt Marc Felix, "gab es Leute, die meinten, nur sechs Monate nach der großen Brüsseler Messe Brafa im Januar, würde niemand zur Bruneaf kommen." Doch weit gefehlt: "Alle kommen, alle!" Der Händler, Forscher und Kongo-Experte Felix muss es wissen. Er war an der Messe für außereuropäische Kunst, der "Brussels Non-European Art Fair" (Bruneaf) von Anfang an maßgeblich beteiligt. Und er führt seit über 30 Jahren seine Galerie in der Impasse Saint Jacques, von der die einmalige Händlerinitiative ausging, die heute drei Messen und an die hundert führende Händler aus Europa und Übersee vereint. Neben der Bruneaf ist das die Antiken-Messe Brussels Ancient Art Fair (Baaf) und als jüngste Sparte die Asian Art In Brussels (AAB).

Was diese Messe-Trias so attraktiv macht, ist ihr spezielles Konzept des Galerien-Parcours rund um den zentralen Sablon-Platz, wo dicht an dicht Galerien und Antiquitätenläden angesiedelt sind, die für die fünf Messetage ihre Räume auswärtigen Händlern überlassen oder Händlerkollegen als Gäste aufnehmen, was oft zu überraschenden Begegnungen führt.

Brüssel ist wie Paris eine Kapitale der afrikanischen Kunst. Als Folge der belgischen Kolonialgeschichte ist der Handel insbesondere führend in der Kunst Zentralafrikas, namentlich aus Kongo, Zaire, Angola. Wer den fröhlich bewimpelten Sträßchen folgt, darf also ein hervorragendes Angebot erwarten. Er wird, anders als in einer Messehalle, die individuellen Präsentationen genießen können wie überhaupt die viel entspanntere Atmosphäre, die zu fachlichem Palaver einlädt.

Sammler afrikanischer Kunst sind sich einig, dass die Bruneaf mit ihren über 40 Händlern wichtiger ist als die Tefaf in Maastricht. Deutlich macht das nicht zuletzt die Jubiläumsausstellung "Uzuri wa Dunia - Belgian Treasures", übersetzt aus dem Kisuaheli etwa als "Pracht der Welt". Diese für wenige Tage in den schönen historischen Räumen der Ancienne Nonciature eingerichtete und von einer anspruchsvollen Publikation begleitete Schau ist ein Höhepunkt der diesjährigen Bruneaf und wäre allein die Anreise wert. Die rund 120 Exponate, Masken und Skulpturen, Meisterwerke fast allesamt stammen aus belgischem Privatbesitz und sind ein beredtes Zeugnis der Stärke des Brüsseler Handels. Die Lega-Maske aus Elfenbein von aufregender Schönheit, vor 1904 in situ gesammelt, ließe sich anführen oder auch eine von Hans Himmelheber wohl in den Dreißigerjahren erworbene Songye-Figur von beeindruckender Ausstrahlung.

Wer daran zweifelt, dass es diese Qualitäten heute noch zu erwerben gibt, sollte sich auf den Weg machen. Natürlich sind hier auch dieses Jahr wieder passionierte Sammler auf der Jagd nach der absoluten Rarität. Es gibt sie. Aber für Brüssel spricht etwas anderes. Was das Angebot gegenüber dem Pariser auszeichnet, ist das größere Qualitäts- und also Preisspektrum. Während in Paris fast ausschließlich Hochkarätiges gehandelt wird, kann man in Brüssel auf verschiedenen Niveaus fündig werden: im vierstelligen Euro-Bereich ebenso wie in der Exklusivklasse von einer Million und mehr.

Im Kabinett der Erlesenheiten von Didier Claes findet sich etwa eine magische Figur der Kongo-Vili, die im figürlichen Angebot von David Serra aus Barcelona mit starker Geste heraussticht. Bei Adrian Schlag beeindruckt eine weibliche Statuette der Agni (Elfenbeinküste), die dem "Meister der drei Kronen" zugeschrieben wird, aus einer alten holländischen Sammlung stammt und mit 25 000 Euro ausgezeichnet ist. Und in Marc Felix' Congo Gallery eine dunkle Songye-Figur, die in ins 18. Jahrhundert datiert wird und in der Region von 200 000 bis 250 000 Euro angesiedelt ist. - Drei Beispiele für die Breite des Angebots.

Die Antiken-Händler stehen noch schärfer unter Beobachtung als sonst schon

Wie überall ist gute Provenienz hier natürlich willkommen und preissteigernd. Für die zwölf Antiken-Spezialisten, die zur Zeit unter noch schärferer Beobachtung stehen als bisher schon, ist sie ausschlaggebend. "Ohne Provenienz", sagt die Ägypten-Spezialistin Roswitha Eberwein, "ist an ein Museum nichts zu verkaufen". Der würdige Kalkstein-Pavian aus der Spätzeit stammt aus einer deutschen Sammlung. Wie bei allen ihren Stücken wird das die Händlerin sogar auf der Rechnung vermerken. Nur was er kostet, das bleibt ein Geheimnis.

Der hohe Qualitätsanspruch dieser Experten-Gruppe lässt sich exemplarisch bei Jacques Billen in der Galerie Harmakhis überprüfen, der die Bronze einer auf zwei Krokodilen stehenden ägyptischen Horusfigur zu seinen Schätzen zählt und zudem die New Yorker Merrin Gallery zu Gast hat, die mit zwei Spitzenstücken angereist ist: einer prachtvollen griechischen Bronze-Situla aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert mit reliefierten dionysischen Szenen (640 000 Euro), und einem extrem seltenen, vor vier- bis fünftausend Jahren entstandenen sumerischen Priesterkopf. Das 850 000 Euro kostende Stück stammt aus dem heutigen Irak, was gefährlich klingt, doch verfügt es über eine lange Provenienz, Museumsaufenthalt inklusive.

Die jüngste Formation, 17 Händler asiatischer Kunst, hat sich bereits in kurzer Zeit einen Ruf als wichtiges Verkaufsforum erworben. Auch Gisèle Croes, die renommierte Brüsseler Händlerin ist mit von der Partie, wenngleich ihre Galerie ein Stück weit vom Grand Sablon entfernt liegt. Ihr 540 000 Euro teures Highlight, eine bronzene chinesische Gürtelschließe mit Gold- und Silbereinlagen in Form eines Rhinozeros aus vorchristlicher Zeit ist einfach sensationell.

Bruneaf. Brüssel. Bis 14. Juni. www.bruneaf.com

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SZ vom 13.06.2015
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