Süddeutsche Zeitung

Sprachlabor:An Stelle des Wetters

So manche Kapriolen schlägt das Wetter, aber auch dessen Vorhersage kann es in sich haben, so am 13. Januar in der SZ. Eine Leserin freut das. Hermann Unterstöger auch.

DIE RECHTSCHREIBREFORM hat es mit sich gebracht, dass an Stelle und anstelle gleichgesetzt werden, wobei der Duden anstelle als Hauptform empfiehlt. Zwar erschließt sich aus dem Zusammenhang in aller Regel, ob dieses anstelle den Sinn von statt oder an jemandes Stelle hat. Bei uns wurde Britta Haßelmann (Grüne) mit folgendem Satz zitiert: "Ich würde anstelle des Parlamentarischen Geschäftsführers der AfD vor Scham im Erdboden versinken." Leser B., der die Segnungen der Getrenntschreibung nicht vergessen hat, hätte in diesem Fall anstelle unbedingt durch an Stelle ersetzt, nicht dass der Eindruck entsteht, Haßelmann wolle Gott behüte statt des AfD-Manns versinken.

APROPOS RECHTSCHREIBREFORM: Es war ein Riesenhallo, als der Duden das Adjektiv spinnefeind als Substantiv präsentierte, und zwar mit dem Zusatz: "nur in jdm. Spinnefeind sein." Der Spinnefeind ist schnell wieder verschwunden, geblieben ist das Adjektiv, das allerdings nie attributiv verwendet wird: Wer dem Alkohol spinnefeind ist, ist noch lange kein dem Alkohol spinnefeinder Mensch. Vergleichsweise exklusiv lebt das Schindluder vor sich hin. Im eigentlichen Sinn ist es ein zum Abdecken vorgesehenes Stück Vieh, in der Sprachpraxis hält es sich in der Wendung mit etwas/jemandem Schindluder treiben. Den Satz "Es gibt viel Schindluder auf diesem Markt" (ebenfalls ein Zitat) hält unsere Leserin T. aus diesem Grund für verfehlt: Es liegen schließlich keine Kadaver auf dem Markt herum. Im Gegensatz zum Spinnefeind schreibt man das Schindluder aber groß.

WETTERVORHERSAGE vom 13. Januar: "Morgens gten zum Vorschein. Verbreitet dichte Wolebietsweise Nebel oder Hochnebel. Später kommt die Sonne im Südwesken bringen Regen ..." Leserin M. freute sich, dass es in der SZ so menschelt. Danke! Erklären lässt sich die Sache allenfalls damit, dass bei uns im Südosken damals über dem Korrekturprogramm dichte Wolebietsweisen hingen.

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Quelle:
SZ vom 03.02.2018
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