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Mails an Kollegen und Vorgesetzte: Warum Sie im Job Emojis verschicken sollten ūüėć

Viele Karriereberater w√ľrden Smileys in der professionellen Kommunikation am liebsten verbieten. Das ist nicht nur unsinnig, sondern hemmt sogar die Produktivit√§t. Ein Pl√§doyer zum World Emoji Day.

Es ist h√∂chste Zeit, Emojis im Job zu verwenden! Die kleinen Gesichter und Symbole machen getippte Nachrichten verst√§ndlicher und meistens w√§rmer. Das w√ľrde der B√ľrokommunikation gut tun - auch wenn Karriereberater sie am liebsten verbieten w√ľrden. Es gibt mindestens f√ľnf Gr√ľnde, warum sie umdenken¬†sollten.

1. Man sollte mailen, wie man spricht

Im Beruf wollen alle alles richtig machen. Sich an alte Regeln zu halten, hat sich als Karrierestrategie bew√§hrt. Dass man E-Mails daher schreiben sollte wie Briefe, ist aber ein Fehlschluss. F√ľr viele B√ľroarbeiter ersetzt die Onlinekommunikation inzwischen den unmittelbaren Austausch. St√§ndig schicken sie Nachrichten per Mail, Slack oder Skype hin und her. Sie sollten vielmehr mailen, wie man spricht - mit Betonungen, Gesten 👍 und Mimik¬†😊.

2. Wer Smileys nutzt, hat weniger √Ąrger

Emojis werden nur deshalb so h√§ufig √ľber Facebook und Whatsapp verschickt, weil wir sie brauchen. Eine Nachricht ohne Smiley kann schnell in eine Beziehungskrise f√ľhren. Wie hat sie das gemeint? Ist er jetzt sauer auf mich? Es herrscht Verunsicherung, bis dieser eine Nachsatz kommt: "Sorry, ich hab den Zwinkersmiley vergessen 😉". Es braucht keine Liaison mit einem Kollegen, um die Parallelen zum Arbeitsverh√§ltnis zu erkennen. Auch im Job kommt es zu Missverst√§ndnissen, aus denen sich Konflikte entwickeln. Emojis k√∂nnen dem vorbeugen, indem¬†sie:

  • einen nicht ganz ernst gemeinten Satz kennzeichnen,
  • die Stimmung vermitteln, in der etwas getippt wurde,
  • Lob verst√§rken und motivieren,
  • Kritik oder Arbeitsanweisungen freundlicher daherkommen lassen - sogar dann, wenn es schnell gehen muss.

3. Emojis geben Sicherheit - und machen sogar produktiver

Emojis helfen einzusch√§tzen, ob ein Fehler verziehen ist, wie Laune und Lage im B√ľro sind und welche Kollegen einen gerne m√∂gen. Auch ein zerknirschtes Gesicht im Nachrichtenfluss ist f√ľr das Arbeitsklima allgemein also kein schlechtes Zeichen. Je eindeutiger die Kommunikation ist, desto sicherer k√∂nnen einzelne Teammitglieder entscheiden und handeln. So machen Emojis sogar¬†produktiver.

4. Dass Emojis im Job inkompetent wirken, ist ein Mythos

Es klingt geradezu ironisch, dass die Erkenntnis aus der Emoji-Forschung bisweilen missverständlich kommuniziert und falsch interpretiert worden sind. Aus einer sozialpsychologischen Studie von Forschern aus Israel und den Niederlanden wurde zum Beispiel abgeleitet: Emojis im Job zu nutzen, wirke inkompetent.

Wer sich die Arbeit genauer anschaut, stellt fest: Das ist weit hergeholt. Echte Arbeitsverhältnisse wurden gar nicht untersucht. Das Ergebnis der Studie bezieht sich nur auf Menschen, die einander nicht kennen, voneinander kaum etwas wissen und auf Basis einer einzigen E-Mail einschätzen sollen, ob der andere einen professionellen Eindruck macht.

Wenn sich daraus etwas f√ľr den Arbeitsalltag ableiten l√§sst, dann das: Verwenden Sie Emojis lieber nicht in einer Bewerbung oder in einem ersten Angebot an einen potenziellen Kunden. Wer sich an den Regeln f√ľr die pers√∂nliche Kommunikation h√§lt, w√§re darauf aber auch selbst gekommen: Leute, die sich nicht kennen, interagieren eher distanziert. Je vertrauter die Beziehung ist, desto mehr Emotionen - oder eben Emojis - werden gezeigt. An die Lieblingskollegin d√ľrfen Sie unter Umst√§nden also sogar ein Herzchen 💛 oder, wenn es bei Ihnen ganz mies l√§uft, auch mal einen Kackhaufen 💩¬†verschicken.

5. Smileys lassen den Absender empathischer wirken

Zwar haben die Medienwissenschaftlerin Sabrina Eimler und die Psychologin Tina Ganster in √§hnlichen Tests herausgefunden, dass fiktive Vorgesetzte auf Testpersonen weniger durchsetzungsf√§hig wirkten, wenn sie Emojis in E-Mails einbauten. Sie stellten aber auch fest: Vor allem m√§nnliche Chefs machten einen empathischeren Eindruck auf die Probanden, wenn sie ab und zu ein Smiley einbauten und es damit nicht¬†√ľbertrieben.

F√ľhrungskr√§fte k√∂nnen sich also √ľberlegen, ob sie sich mit nackten Zeilen durchsetzen wollen. Wer auf seine nat√ľrliche Autorit√§t vertraut und Entscheidungen so kommuniziert, dass sie f√ľr die Mitarbeiter nachzuvollziehen sind, kann sich ein Smiley hier und da erlauben.¬†😉

Übrigens: Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verschickt Emojis. Im #DeineWahl-Gespräch mit einem jungen YouTuber hat sie ihr Lieblingssymbol verraten - um Missverständnissen vorzubeugen, sogar mimisch.

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