Süddeutsche Zeitung

Urban Priol: Mein Aschaffenburg:"Hier ist noch nicht Hessen"

Lesezeit: 3 min

Subbä ist es in Aschebersch, schwärmt Urban Priol. Nur der Hamburger Fischmarkt muss weg - und George Bush hat gefälligst draußen zu bleiben. Wie der Kabarettist Letzteres erreichen will, verrät er im Fragebogen.

Tobias Dorfer

Jeder Ort hat kleine Geschichten und große Geheimnisse. Und wer könnte diese Geheimnisse besser lüften als jemand, der dort wohnt - oder der dort zumindest eine ganze Weile gelebt hat? Auf sueddeutsche.de präsentiert jede Woche ein Prominenter im sueddeutsche.de-Fragebogen "sein Bayern". Heute stellt der Kabarettist Urban Priol seine Heimatstadt Aschaffenburg vor.

Wahrscheinlich wäre Urban Priol ein sehr unterhaltsamer Lehrer gewesen. Doch bevor der Kabarettist sein Lehramtsstudium (Englisch, Russisch und Geschichte) beenden konnte, brach er ab. Inzwischen belehrt Priol in der ZDF-Kabarettreihe Neues aus der Anstalt, deren Leiter er ist, die dortigen Insassen. In Aschaffenburg, wo er geboren ist, betreibt der Kabarettist außerdem das Kabarett am Hofgarten. Wenn das Attac-Mitglied Priol nicht gerade durch die Republik tourt oder in der Anstalt das Publikum therapiert, sitzt er gerne beim Weißbier in einer Aschaffenburger Wirtschaft. Ist ja auch richtig gemütlich da ...

Fragebogen

Sie leben bei Aschaffenburg. Warum hier und nicht woanders?

Die Gnade der Geburt. Scheinbar hat es mir von Anfang hier so gut gefallen, dass sich die Frage, dauerhaft von hier wegzuziehen, gar nicht erst stellte. Außerdem liegt AB sehr zentral, man ist schnell überall. Theoretisch. Wenn die blöde A3 nicht wäre ...

Das Schönste an Aschaffenburg ist ...

Der Main. Die Binnenschiffer. Der Spessart, der uns umzingelt. Die Altstadt. Der "Schlappeseppel". Legendäre Wirtschaft!

Am meisten geärgert habe ich mich in Aschaffenburg über ...

... manche Stadtratsentscheidungen der CSU, die zu klein bemessenen Kreisel im Stadtverkehr und die Ampelschaltungen an manchen Knotenpunkten. Aber dafür hat man ja ein Rad. Und, ganz furchtbar: Der touristisch aufgeblasene Hamburger Fischmarkt, der im Frühjahr immer hier Station macht. Der vertreibt immer unseren Wochenmarkt. Das ginge umgekehrt auch nicht.

Ihr schönstes Erlebnis in Aschaffenburg?

Immer wieder Samstags: Erst auf den Markt, dann in den "Schlappeseppel", und dann die große politische Weltlage bei einer Halben erörtern.

Welches ist ihr liebster Platz in Aschaffenburg - und warum?

Vom Schlossgarten auf den Main blicken. Und dann, beruflich, meine Bühne: Das "Kabarett im Hofgarten", am Eingang zum Schöntal. Texte lernen im Grünen - herrlich!

Wo sollte jeder Besucher mal ein Bier trinken, wo schmeckt das Essen besonders gut?

Wo wohl ein Bier, wenn nicht im "Schlappeseppel"? Im Sommer in den Biergärten. Beim Essen bin ich positiv befangen - sehr gerne bei Claudio im "Hofgarten". Den legendären Flammkuchen bei "Mike" nicht zu vergessen. Ach, eigentlich ist es überall schön.

Der Aschaffenburger - mit brahmanisch-indisch anmutendem Gleichmut

Fragebogen Teil 2

Angenommen, der US-Präsident käme zu Besuch nach Aschaffenburg: Was würden Sie ihm zeigen?

Gut, dass Bush jr. Nicht mehr da ist, da hätte ich die Einfallstraßen verbarrikadiert. Für Obama würde ich eine Brauhaus-Garnitur im Schönbusch aufstellen und danach eine Runde Boot mit ihm fahren.

Was sollte man als Besucher unbedingt vermeiden?

Den Satz: "Das ist hier doch schon Hessen, oder?"

Was für ein Gebäude oder welche Einrichtung fehlt Aschaffenburg noch?

Die Isar, die sich durch den Park schlängelt, um dann im Main zu münden. Das wär's.

Wer ist Ihr Lieblings-Aschaffenburger und warum?

Alle, die sich im Verein "Grenzenlos e.V." um die Benachteiligten in der Stadt kümmern.

Was zeichnet den typischen Ascheberscher aus?

Eine oft schon brahmanisch-indisch anmutende Gleichmut. Äußert sich gegenüber Wichtigtuern oft in dem Satz: "Interessiert mich en Scheißdreck!"

Welches Geheimnis über Aschaffenburg muss noch gelüftet werden?

Mit welch finsteren Finanzmitteln das Schloß erbaut wurde.

Wenn Sie Aschaffenburg in einem Wort beschreiben müssten - wie würden Sie das tun?

Subbä!

Was soll man in Aschaffenburg über Sie sagen?

Der passt. Des is einer von uns.

Vervollständigen Sie bitte diesen Satz:

Aschaffenburg ist insgesamt ziemlich mediterran. Aber wer dort wohnt, braucht wetterfeste Kleidung, weil die Algarve halt doch noch ein Stück weg ist.

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