Süddeutsche Zeitung

Schneechaos:Wenn der Schulweg zu gefährlich ist

In einigen Landkreisen fällt die ganze Woche der Unterricht aus. Ist das notwendig - oder übertrieben?

Der viele Schnee beschert vielen Schülern in Südbayern unverhofft längere Weihnachtsferien. In den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen bleiben die Schulen die ganze Woche geschlossen, im Landkreis Traunstein gilt das zumindest für den südlichen Teil. Andernorts entscheiden die Verantwortlichen Tag für Tag, ob der Unterricht stattfindet.

Der Grund für die drastischen Maßnahmen ist vor allem die Sicherheit am Schulweg. Unter der Last des nassen Schnees drohen Bäume umzustürzen. Im Landkreis Miesbach wurde schon am Montag der Katastrophenfall ausgerufen. Dann sei der Unterricht zweitrangig, sagte Jürgen Heiß vom staatlichen Schulamt in Miesbach. "Das Wichtigste ist, die Schüler keiner Gefahr auszusetzen. Und die ist momentan auf dem Schulweg einfach zu hoch." Zudem habe man Planungssicherheit schaffen wollen. "Für berufstätige Eltern ist es schwer, kurzfristig zu reagieren", sagte Heiß.

An allen Schulen im Landkreis werde eine Betreuung angeboten. Die allerdings ist offenbar wenig gefragt. "Bei uns werden momentan genau zwei Schüler betreut", sagte Werner Oberholzner, der Schulleiter des Gymnasiums Tegernsee am Dienstag. Den Unterricht die ganze Woche ausfallen zu lassen, sei "eine große Entscheidung, aber eine nachvollziehbare". Der Stoff werde selbstverständlich nachgeholt, "wir haben einen Lehrplan zu erfüllen". Ob es dafür zusätzlichen Unterricht an eigentlich schulfreien Tagen benötige, sei noch nicht entschieden.

Im Allgäu, wo viel Schnee im Winter keine Seltenheit ist, bleiben die Schulen in dieser Woche voraussichtlich geöffnet. Die Entscheidung darüber trifft die Koordinierungsgruppe "Schulausfall", die sich zusammensetzt aus Vertretern des Schulamts, den Ordnungsämtern und Rektoren verschiedener Schularten. Manchen Schulleitern sei es aus Organisationsgründen lieber, solch eine Entscheidung gleich für die gesamte Woche und den ganzen Landkreis zu fällen, andere wollten lieber von Fall zu Fall entscheiden. "Man kann es nicht jedem recht machen", sagte Thomas Prantl vom Schulamt Ostallgäu mit Blick auf genervte Eltern und Lehrer, nachdem sich die dramatischen Wettervorhersagen für Montag vielerorts nicht bewahrheitet hatten und die Schulen geschlossen waren.

Ähnlich sieht es im Landkreis Oberallgäu aus. Die Koordinationsgruppe "Schule und Witterung" beobachte zwar die Wetterprognosen, doch werde man die Schulen wohl nicht schließen müssen, sagte Landratsamtssprecher Andreas Kaenders. Selbst am Montag sei nur eine Grund- und Mittelschule wegen eines zugewehten Eingangs geschlossen gewesen.

Selbst wenn die Schulen auch bei schneefrei eine Betreuung anbieten, bleibt es bei den Eltern, sich bei Unterrichtsausfall anders zu organisieren. Das sei natürlich immer ärgerlich, sagte Martin Löwe, der geschäftsführende Landesvorstand des bayerischen Elternverbands: "Aber Sicherheit geht vor."

Die Busunternehmer, die für den Schulbusverkehr zuständig ist, sehen die Wetterlage entspannter. Im Allgäu sei Schnee um diese Jahreszeit normal und die Busunternehmen seien darauf eingestellt. "Wir fahren eigentlich bei jedem Wetter", sagte ein Sprecher der Regionalverkehr Allgäu GmbH (RVA). Alle Busse seien mit Schneeketten ausgestattet und die Fahrer würden regelmäßig im Anlegen derselben geschult. Die Busse führen nur dann nicht, wenn Straßen gesperrt würden.

In Pfronten nutzte Rektorin Gerlinde Briechle den Unterrichtsausfall am Montag für eine spontane Lehrerfortbildung. Das Kollegium sei im Umgang mit dem Portal Mebis geschult worden, das den digitalen Austausch zwischen Lehrern und Schülern ermöglichen soll, sagte sie. Bei längeren wetterbedingten Schulausfällen könnte das sogar eine Alternative zum Unterricht im Klassenzimmer sein. Denn Lehrer können dort etwa Schulaufgaben hochladen und per Chat mit den Schülern kommunizieren. Das geht auch bei Schneefall.

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SZ vom 09.01.2019/frw
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