Süddeutsche Zeitung

Oberallgäu:Skigebiet zu verkaufen, Lifte inklusive

Lesezeit: 2 min

Von Christian Rost, Rettenberg

Wer sich den Traum vom eigenen Skigebiet erfüllen möchte, hat im Oberallgäu die Chance dazu. Die wegen finanzieller Probleme der bisherigen Betreiber stillstehenden Grüntenlifte auf dem Gemeindegebiet von Rettenberg stehen zum Verkauf. Eine Schweizer Firma bietet die Liftanlagen am 1738 Meter hohen Grünten im Auftrag des vorläufigen Insolvenzverwalters für 2,95 Millionen Euro an.

Einen Doppelsessellift, sieben Schlepper, 42 000 Quadratmeter Grund, fünf Gebäude, Pistenfahrzeuge, eine Teichanlage und Schneekanonen sowie zwei ausbaufähige Berghütten - das offeriert die Vermittlungsfirma MAP Suisse auf ihrer Internetseite. Das Unternehmen ist oft im Auftrag von Kommunen und Insolvenzverwaltern tätig und vermarktet Gewerbeimmobilien und Baumaschinen, aber auch einen Steinbruch und Photovoltaikanlagen, wenn es bei den Eigentümern finanziell klemmt.

Ein Skigebiet im Angebot zu haben, dürfte aber selbst für die MAP eine Rarität sein. Dort will man dieses Projekt diskret behandeln und sagt zu dem Auftrag nur, dass es "mehrere ernsthafte Interessenten" gebe.

50 Jahre hatte die Familie Prinzing die Lifte am Grüntenberg betrieben. Wenn ausreichend Schnee vorhanden war, ging es rund am Grünten: An rund 100 Betriebstagen kamen durchschnittlich 65 000 Besucher auf den Berg, der der "Wächter des Allgäus" genannt wird, weil er von Norden aus gesehen der erste richtige Berg am Rande des Illertales ist.

In guten Wintern machten die Betreiber einen Umsatz von einer Million Euro. Doch auf Eis und Schnee kann man sich auch in der sogenannten kalten Jahreszeit nicht mehr verlassen, selbst im Allgäu nicht. In den vergangenen Jahren jedenfalls konnten die Lifte nicht durchgängig laufen, die Gemeinde kaufte der Betreiberfamilie sogar einen Parkplatz ab, um sie finanziell zu unterstützen. Das half nur kurzzeitig, letztlich musste ein Vorläufiger Insolvenzverwalter übernehmen.

In diesem Winter standen die Lifte still. Die Betreiber der drei Berggasthöfe mussten sich auf ein anderes Publikum einstellen. Statt der Skifahrer kamen nun Tourengeher und Schneeschuhläufer auf den Berg. Norbert Zeberle, Wirt der Grüntenhütte in 1500 Metern Höhe, war nicht einmal traurig darüber, dass nun zwar weniger, aber andere Gäste kamen, die mehr Zeit mitbrachten und nicht mehr für den üblichen "Stoßbetrieb" sorgten, wenn die Skifahrer zur Mittagszeit einfielen. Auf den Schnee will sich Zeberle künftig nicht mehr verlassen, er tüftelt an einem Konzept, das ihm ganzjährig Gäste beschert.

Damit die Grüntenlifte eine Zukunft haben, regen auch die Vermarkter der Firma MAP an, den Berg zu einem "ganzjährig erreichbaren und attraktiven Genuss- und Erlebnisberg" auszubauen. Dazu sei der Bau einer modernen Gondelbahn und der Ausbau der Berggastronomie nötig. MAP verweist darauf, dass beim Seilbahnbau 35 Prozent der Kosten durch den Freistaat förderfähig seien. Und mit einer Vielzahl der insgesamt 31 Grundeigentümer, denen die Flächen am Grünten gehören, gebe es bereits vertragliche Vereinbarungen für einen ganzjährigen Betrieb der Bergbahn.

Der Bürgermeister von Rettenberg, Oliver Kunz (CSU), ist dennoch nur "verhalten optimistisch", dass ein Investor gefunden wird, der die Lifte wieder zum Laufen bringt. Kunz spricht von Millioneninvestitionen, die nötig seien, um die Anlage zukunftsfähig zu machen. "Ein Skigebiet ist halt keine Gewerbeimmobilie, die sich einfacher vermarkten lässt." Im vergangenen Herbst hatte es ja bereits einen Interessenten gegeben, der vollmundig versprach, am Grünten 80 Millionen Euro zu investieren.

Als es ans Zahlen ging, tauchte der Schweizer plötzlich ab. Der Bürgermeister kann also nur hoffen, dass der Verkauf an einen anderen Investor klappt. Falls nicht, wird Rettenberg auch das verkraften. Die Übernachtungszahlen seien in diesem Winter nicht eingebrochen, berichtet Kunz. Die Skitourengeher hätten im Gegenteil für einen regelrechten Boom gesorgt.

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Quelle:
SZ vom 15.03.2018
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