Süddeutsche Zeitung

Mutanten:Noch fehlt der Überblick

Corona-Varianten müssten erst breit erfasst werden

Im Zusammenhang mit dem Verdacht, dass sich die britische Mutante des Coronavirus am Klinikum Bayreuth ausgebreitet hat, weist das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) darauf hin, dass es noch keine belastbaren, systematischen und repräsentativen Daten zur Verbreitung von Sars-CoV2-Varianten in Bayern gibt. "Um einen umfassenden Überblick zu bekommen, werden derzeit in einer Reihe von privaten und staatlichen Laboren in Bayern die entsprechenden Untersuchungsmethoden etabliert", sagt eine LGL-Sprecherin. Was die Verbreitung der gefürchteten, weil vermutlich deutlich ansteckenderen britischen Corona-Variante in Bayern anbelangt, erklärte sie, dass diese bisher außer in Bayreuth auch in Proben aus Erding, Passau und München (in zwei Proben) sowie aus den Landkreisen Landsberg am Lech und Dingolfing (ebenfalls in zwei Proben) aufgetreten ist. Die südafrikanische Variante, die ebenfalls leichter übertragbar sein soll, sei nur einmal im Landkreis Rosenheim bestätigt worden.

Bezüglich des angeblichen Auftretens der dänischen Corona-Variante in Bayern gab sich das LGL zurückhaltend. Am Mittwoch hatte ein Augsburger Labor gemeldet, dass es diese Mutante mit einem neuen Testverfahren erstmals in Bayern nachgewiesen habe - bei einem Patienten aus Neu-Ulm und einem aus Ansbach. Die dänische Variante gilt seit November 2020 als ausgerottet. Damals waren in Dänemark, wo sie auf Nerzfarmen aufgetreten war, 15 Millionen Nerze getötet worden. Die LGL-Sprecherin erklärte, dass bisher keinen gesicherten Nachweis der Variante in Bayern gebe. Man habe Proben der Verdachtsfälle angefordert und werde bei diesen eine Sequenzierung des Gesamtgenoms durchführen. Dies sei die einzig sichere Maßnahme zur zweifelsfreien Bestimmung einer Variante. Zugleich sagte die Sprecherin, dass man bei Aussagen über Varianten vorsichtig sein müsse. Im Lauf der Pandemie habe es bereits Tausende Mutationen des Corona-Virus gegeben. Ihre Bewertung etwa hinsichtlich Infektiosität, Übertragbarkeit und Pathogenität könne aufgrund von Sequenzierdaten nicht geschehen. Dazu bedürfe es epidemiologische, klinische und experimentelle Daten.

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SZ vom 28.01.2021 / cws
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