Süddeutsche Zeitung

Mitten in Bayern:Im Urlaub daheim wird's eng

Es ist zum zweiten Mal so, dass der Sommerurlaub irgendwie anders wird. Das Flugzeug scheuen viele, im Auto erwartet einen der Stau. Außerdem sagt der für Tourismus zuständige Hubert Aiwanger, man soll in Bayern bleiben. Fragt sich nur, wo?

Glosse von Katja Auer

Zwei Tage noch, dann sind Sommerferien und geht es nach Hubert Aiwanger, der für Wirtschaft(en) im Besonderen wie für Tourismus im Allgemeinen zuständig ist, bleiben die Bayern heuer daheim. Das hat im vergangenen Jahr halbwegs funktioniert, aber da war das Coronavirus für viele Menschen offenbar noch mit größerem Schrecken verbunden. Nun sind einige Leute geimpft, und anscheinend lässt sich die Sehnsucht nach Italien oder Spanien doch nicht mit einem Trip in den Frankenwald oder das Oberpfälzer Stiftsland befriedigen.

Es wird also wieder voll auf den Straßen. Der ADAC rechnet sogar mit mehr Staus als vor der Corona-Pandemie, weil die Leute zwar wegwollen, aber lieber mit dem Auto als mit dem Flugzeug. Ein verändertes Reiseverhalten nennt man das, man könnte es aber auch als Revival bezeichnen, schließlich standen die Bayern auch schon vor 30 Jahren im Stau in Richtung Süden.

Die Autos sind größer geworden und mehr natürlich auch, und das Urlaubs-Equipment ist mutmaßlich auch ein anderes. Früher waren Schwimmreifen und geblümte Sonnenschirme im Gepäck, heute sind es Stand-up-Paddels und faltbare Sonnensegel. Muttis Kühltasche war groß, stabil und farblich nah an der braun-orangen Tapete im Bügelzimmer, für die Inhaber angesagter Clubs heute eine Menge Geld pro Quadratmeter bezahlen würden. Drin waren Wurstbrote und gekochte Eier für die Fahrt und ein paar Dosen eingemachte Göttinger, weil man ja nicht sicher sein konnte, was es da zu essen gibt, da drunten. Wobei nicht auszuschließen ist, dass in den Wohnmobil-Kühlschränken heutzutage immer noch kiloweise Presssack und Bratwurst ins Urlaubsdomizil transportiert wird. Es mag halt nicht jeder Coppa und Mortadella, Dolce Vita hin oder her.

Diese Art Versorgungsfrage stellt sich immerhin nicht beim Urlaub daheim, ein anderes Problem allerdings könnte sich auftun. So sagt der Tourismusminister zwar: "Bucht zu Hause" - ergänzt aber: "sofern ihr noch einen Platz bekommt". Es ist voll in Bayern, gerade auf dem Land. In den Städten sei noch Platz, sagt Aiwanger. Da gibt es zwar nicht so viel Wald und Wasser und Natur. Dafür aber bestimmt ein paar gute italienische Restaurants.

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Quelle:
SZ vom 28.07.2021
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