Süddeutsche Zeitung

Erlangen:Drastisch mehr Corona-Tote

Am schwersten betroffen sind Tirschenreuth und Mitterteich

Über das Wochenende ist in Bayern die Zahl der Corona-Toten um 51 oder beinahe 85 Prozent nach oben geschnellt. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) meldete Stand Sonntag, zehn Uhr, 110 Corona-Tote im Freistaat. Am Freitag, zehn Uhr, waren es noch 59 Fälle. Auch die Zahl der Corona-Infektionen ist über das Wochenende deutlich nach oben gegangen. Stand Sonntag, zehn Uhr, waren es 13 263 Fälle - 3083 oder 30,3 Prozent mehr als am Freitag, zehn Uhr. 1250 Infizierte waren in Kliniken untergebracht, wie viele auf Intensivstationen lagen, war unklar. Die positive Nachricht: Bayernweit dürften nach einer Schätzung des LGL bereits 1022 registrierte Corona-Patienten wieder genesen sein. Aber Bayern ist das Bundesland, das am stärksten von der Pandemie betroffen ist, vor Nordrhein-Westfalen. Laut LGL entfallen 25,2 Prozent der Corona-Infektionen und 28,3 Prozent der Corona-Toten in Deutschland auf Bayern.

Mit am schwersten betroffen sind aktuell der Kreis Tirschenreuth und die Stadt Mitterteich, für die seit inzwischen eineinhalb Wochen eine Ausgangssperre gilt. In der Region sind über das Wochenende zwölf Patienten an Corona gestorben, die Gesamtzahl der Corona-Toten im Kreis Tirschenreuth beträgt nun 17. Insgesamt werden aus der Region 398 Infektionen gemeldet, allein aus Mitterteich sind es 118. Als Ursache der vielen Infektionen wird ein Starkbierfest in Mitterteich am 7. März vermutet, von dem aus sich das Virus verbreitet haben soll. Auch die Stadt und der Landkreis Rosenheim sind ein Corona-Schwerpunkt. Dort sind Stand Sonntag, zehn Uhr, 738 Corona-Infektionen und sechs Tote registriert. In der Stadt und dem Landkreis Würzburg zählt das LGL aktuell 13 Corona-Todesfälle. Bei dem neuen Todesfall handelt es sich um einen 57-jährigen pflegebedürftigen Patienten mit schweren Vorerkrankungen aus einem Pflegeheim der Würzburger Awo. Die anderen zwölf Würzburger Corona-Toten sind hochbetagte Bewohner des Seniorenheims St. Nikolaus.

Ein Grund für die große Betroffenheit des Freistaats dürfte seine Nähe zu Tirol und Südtirol sein. In beiden Regionen verbringen viele Bayern traditionell die Faschingsferien. Auch zu anderen Zeiten gehen viele dort zum Skifahren. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärte Südtirol am 6. März zum Risikogebiet, als unter Rückkehrern von dort vermehrt Corona-Infektionen auftraten. Derweil betont Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), dass die bayerischen Kliniken inzwischen auf stark steigende Zahlen Corona-Patienten vorbereitet seien. Ein Notfallplan sei bereits angelaufen, für die Zeit der Corona-Krise gelte eine Kooperationspflicht unter den Krankenhäusern und der Freistaat arbeite verstärkt am Aufbau von Not- und Hilfskliniken. Für letztere gebe es aber noch keine Standorte.

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SZ vom 30.03.2020 / prz, cws
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