Süddeutsche Zeitung

Gewitter und Starkregen:Jäger stirbt nach Unwetter in Südbayern

Jagdkollegen finden den 57-Jährigen unter einem umgeworfenen Hochstand leblos auf. Im Oberland gibt es etliche Feuerwehreinsätze wegen umgestürzter Bäume, unpassierbarer Straßen und vollgelaufener Keller.

In Bayern sind am Sonntagabend örtlich schwere Gewitter niedergegangen, die Starkregen, Hagel und starken Wind mit sich brachten. Eine Unwetterzelle zog über Teile des Oberlands und richtete Schäden an. Ein Jäger starb in Eglfing, als ein Hochstand aus der Verankerung gerissen wurde.

Der 57 Jahre alte Forstwirt aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen war als Gast bei einer Jagd in einem Waldstück bei Eglfing. Nach Polizeiangaben wurde er von dem schweren Unwetter überrascht. Jagdkollegen fanden den Mann am Abend unter einem umgeworfenen Hochstand leblos auf, für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die Kriminalpolizei Weilheim nahm Ermittlungen auf. Ersten Erkenntnissen zufolge wurde der Hochstand von einer starken Windböe erfasst und aus der Verankerung gerissen. Er stürzte zu Boden, wobei sich der 57-Jährige, der sich in der Kanzel aufgehalten haben dürfte, die tödlichen Verletzungen zuzog.

In Oberbayern knickten zahlreiche Bäume um, Dachziegel wurden abgedeckt, Scheunetore eingedrückt und Dixi-Klos flogen viele Meter durch die Gegend. In Schlehdorf im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen seien um 18 Uhr etwa 43 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen, hieß es vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

In den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen gab es zum Teil mehrere Dutzend Feuerwehreinsätze wegen überschwemmter Kellern, überfluteter Straßen und umgestürzter Bäumen.

In Huglfing wurde ein Kirchturm abgedeckt, in Habach fiel ein Baum auf ein Auto. Zwei Menschen seien leicht verletzt worden. In der Nähe der Autobahnabfahrt Irschenberg wurde die Bundestraße 472 überflutet. Wie es auf der Website des BR hieß, stand die Feuerwehr bis zur Hüfte im Wasser, Autofahrer mussten durch überflutete Stellen fahren. Außerdem ging auf der Staatstraße 18 zwischen Großschwaig und Auerschmied eine kleine Mure ab. Schlamm und Kies konnten von Bauern, Traktoren und Feuerwehr schnell wieder beseitigt werden. Auch die Bundesstraße 2 war vorrübergehend blockiert.

Im Landkreis Weilheim gab es der Feuerwehr zufolge 87 unwetterbedingte Einsätze, im Landkreis Bad Tölz 18 und im Landkreis Garmisch-Partenkirchen 35. Auslöser waren demnach vor allem überschwemmte Keller, geflutete Straßen und umgestürzte Bäume.

Der Deutsche Wetterdienst hatte für die Alpengegend vor starken Gewittern mit Starkregen von bis zu 50 Litern pro Quadratmeter gewarnt. In der Nacht soll sich das Unwetter in Richtung des Chiemgaus und nach Niederbayern verlagern und dann nach Osten abziehen. Welche Landkreise wann genau betroffen sind, erläutert der Deutsche Wetterdienst hier.

Unwetter in der Nacht zu Sonntag

Ortsweise kam es auch in Nacht von Samstag auf Sonntag in Schwaben, Oberbayern und Franken zu heftigen Unwettern, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. So verzeichnete die Polizei in Schwaben mehrere Einsätze wegen kleinerer Überschwemmungen. Zwischenzeitlich wären zudem Hagelkörner so groß wie Golfbälle in der Region um Kempten vom Himmel gekommen. Im Vergleich zu dem Hochwasser der vergangenen Wochen blieben größere Schäden oder Überschwemmungen im Freistaat allerdings aus.

Herrmann will Warnsirenennetzwerk ausbauen

Nach den schweren Unwettern der vergangenen Wochen will Innenminister Joachim Herrmann das Warnsirenennetzwerk in Bayern massiv ausbauen. "Unser Ziel ist, die Zahl der Sirenen in Bayern auf rund 26 000 zu verdoppeln. Mit einem engmaschigeren Sirenennetzwerk können wir die Bevölkerung in Bayern künftig rund um die Uhr noch besser vor Katastrophen- und Gefahrenlagen warnen", sagte Herrmann am Sonntag. "Gerade nachts und bei drohenden Lebensgefahren brauchen wir den durchdringenden Sirenenwarnton, um möglichst schnell alle erreichen zu können."

Details zu Zeitrahmen und Kosten nannte Herrmann nicht. Sirenen sollen die Menschen insbesondere dazu animieren, sich aus den Medien über Details zu informieren. In einigen Gegenden ist mittlerweile kein Sirenensystem mehr vorhanden.

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SZ vom 26.07.2021 / dpa, mmo/hij, van
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