Süddeutsche Zeitung

Vergleich:Einfach das bessere SUV

Hochdachautos wie der neue BMW X5 und der Land Rover Discovery zählen zu den gefragtesten Modellen. Beide Autos trennen zwei Jahre - technisch eine Ewigkeit.

Natürlich ist der Land Rover Discovery noch immer eine Referenz, wenn es um Luxus und Komfort geht. Leder, Holz, Chrom im Innenraum verleihen dem SUV den Charme eines britischen Landhauses. Das fühlt sich ein wenig nach Vergangenheit an, selbst wenn es moderne Assistenzsysteme wie Spurhaltehilfen, autonome Staupiloten, Fußgängererkennung und Notbremsassistenten, Parkpiepser und Rückfahrkameras gibt - allesamt gegen Aufpreis. Im Vergleich zum neuen BMW X5 wirkt das aber alles erschreckend gestrig. Es ist nicht zu übersehen, dass zwischen beiden Autos eine ganze Technologie-Generation liegt.

Aus der einstmals etwas kruden Kreuzung von altmodischen Geländewagen mit modernem Limousinen-Komfort sind Bestseller geworden. Das gilt sowohl für den Landy als auch für den BMW. 20 Jahre nach dem ersten X5 präsentiert sich die neueste Version mit einer Vielzahl von Innovationen. Das SUV profitiert davon, dass die Bayern bereits nach fünf Jahren den Vorgänger ablösen mussten, um die neuesten Abgas-Vorgaben der EU einzuhalten. So ließen sich bereits die Systeme aus anderen aktuellen Modellreihen in den X5 integrieren. Das sieht der Fahrer zuerst an dem Schlüssel in seinen Händen. Selbst dort leuchtet ihm ein Display entgegen, selbstverständlich zum Touchen und Swipen. So lässt sich zum Beispiel vorab die Temperatur im Auto einstellen oder ablesen, wie viel Benzin noch im Tank ist. Abgesehen davon, wird der Schlüssel eigentlich kaum noch benötigt. Der X5 erkennt ihn in der Hosentasche des Fahrers und öffnet das Auto automatisch. Verlässt der Fahrer das SUV, schließt sich der BMW selbst ab.

Im Inneren dominieren natürlich digitale Displays. Eines dient als Tacho, eines für Entertainment und die Funktionen des Autos. Selbst die Temperaturanzeige der Heizung ist digital. In der Mittelkonsole befindet sich wie gewohnt der Drehregler von BMW, mit dem sich die Funktionen des Autos steuern lassen - wenn sich der Fahrer für diese Option entscheidet. Eine weitere ist die Sprachsteuerung, die sich per Schalter am Lenkrad aktivieren lässt und dann auf freie Befehle wie "Adresse eingeben" reagiert und mittlerweile erstaunlich gut funktioniert.

Ein rollendes Clubzimmer genügt heute nicht mehr. Dafür dreht sich die Technik zu schnell weiter

Ebenso möglich: ausgewählte Features per Gesten zu kontrollieren. Die Lautstärke des Radios lässt sich zum Beispiel so steuern: Mit dem Zeigefinger in der Luft einen kleinen Kreis beschreiben. Rechts herum wird es lauter, links herum wieder leiser. Setzt mal wieder ungewollt Verkehrsfunk ein, kann er durch eine Wischgeste hinfortgeschoben werden. Diese Vielzahl der Auswahlmöglichkeiten kann aber auch überfordern. Der Fahrer verliert sich in den Optionen. Sprache? Geste? Touchen und Swipen? Oder doch einfach das Multi-wheel benutzen? Die gute Nachricht ist: Alle Steuerungsfunktionen arbeiten tadellos. Die schlechte: Bis sich der Hersteller für ein oder zwei der Möglichkeiten entscheidet, um die Bedienung seiner Autos in Zukunft weiter zu vereinfachen, wird es wohl noch dauern. Bis dahin hat der Kunde beim BMW X5 die Qual der Wahl.

Weiterentwickelt haben die Bayern auch ihre Assistenzsysteme. Am beeindruckendsten zeigt sich das beim Einparken. Mehrere Kameras und Sensoren arbeiten hier zusammen. Nähert sich das SUV einem Bordstein, schwenkt die Ansicht auf dem mittleren Display in die Vogelperspektive, so dass genau zu sehen ist, wie weit das Auto noch entfernt ist, bevor es den Bürgersteig trifft. Wem selbst das zu kompliziert ist, für den gibt es eine Rangierhilfe. Das SUV merkt sich die letzten 100 Meter seiner Fahrt. So kann es sich per Knopfdruck aus einer zu eng gewordenen Parklücke selbständig herausmanövrieren.

Aber auch der Abstandstempomat, der eine Vorstufe des automatisierten Fahrens mit den Händen am Steuer bietet, arbeitet wesentlich präziser. War das Lenkrad bei diesen Systemen in der Vergangenheit permanent in Bewegung, um den Kurs zu korrigieren, so bleibt es beim BMW X5 deutlich ruhiger. Nur mit Baustellen hat der Assistent immer noch seine Probleme und verwechselt die neuen mit den alten Fahrbahnmarkierungen.

Der Land Rover Discovery kann dagegen nicht bestehen. Er ist bereits seit 2017 auf dem Markt. In der Automobilindustrie, die immer mehr durch Digitalisierung bestimmt wird, ist das eine Ewigkeit. Alles im BMW X5 funktioniert einfach etwas besser und präziser. Der Dreiliter-Diesel mit 265 PS leistet sich keine Schwächen, die Automatik schaltet perfekt, die Dämmung im Interieur ist so gut, dass kaum Geräusche von außen nach innen dringen. Selbst die Materialien im Innenraum wirken hochwertiger, da sich BMW offensichtlich mehr an seiner 7er-Reihe orientiert und den X5 in der Oberklasse etablieren will. Im Land Rover Discovery gibt es dagegen wesentlich mehr Kunststoff.

Das britische SUV kann nur in zwei Bereichen punkten: Der Kofferraum ist mit 981 bis 2500 Litern Volumen wirklich gewaltig. Hier kann der BMW X5 mit 650 bis 1870 Litern nicht mithalten. Und der Discovery ist in seiner Basis-Variante mit Zweiliter-Dieselmotor mit 240 PS wesentlich günstiger als sein deutsches Pendant. Er kostet mit 59 500 Euro fast 10 000 Euro weniger als der X5 (ab 69 200 Euro). Die bessere Wahl ist trotzdem der BMW. Er ist rundum das gelungenere SUV. Mit vielen technischen Features, die das Autofahren nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer machen.

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Quelle:
SZ vom 08.06.2019
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