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Zwergplaneten-Mission:Raumsonde "New Horizons" erreicht erstmals Pluto

Im Anflug auf Pluto funkte Raumsonde New Horizons das bislang detailreichste Foto des Zwergplaneten zur Erde.

(Foto: AP)
  • Die Nasa-Raumsonde New Horizons hat den Zwergplaneten Pluto erreicht. Die Wissenschaftler erhoffen sich Erkenntnisse über Oberfläche und Atmosphäre des Himmelskörpers.
  • Die Weltraumsonde war bereits 2006 gestartet und hat in neuneinhalb Jahren rund fünf Milliarden Kilometer zurückgelegt.
  • Die Forscher machen sich Sorgen, dass die Sonde mit einem Stein zusammenprallen könnte. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering.

Erstmals ist eine Raumsonde in die Nähe des Zwergplaneten Pluto vorgedrungen. Die unbemannte Nasa-Weltraumsonde New Horizons sollte um 13:50 Uhr deutscher Zeit in einem Abstand von 12 500 Kilometern an dem Himmelskörper vorbeifliegen, wie die US-Weltraumagentur mitteilte. Zuvor hatte die 720 Millionen US-Dollar teure Sonde eine Reisestrecke von fünf Milliarden Kilometern zurückgelegt.

Ob bei dem Manöver alles nach Plan verlaufen ist, kann die Nasa jedoch noch nicht sagen. Die ersten Funksignale des Vorbeiflugs erreichen nachts um 3:02 Uhr deutscher Zeit die Erde. Die Sonde legt in einer Sekunde 14 Kilometer zurück, bei dieser Geschwindigkeit könnte sie selbst der Zusammenstoß mit einem reiskorngroßen Steinchen in Stücke reißen. "Das wäre wie der Zusammenstoß mit einem Ziegelstein bei 60 Meilen pro Stunde", sagte der Chef-Wissenschaftler Alan Stern der New York Times. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür dürfte gering sein, die Forscher hoffen, dass die Gravitation Plutos ausreicht, alle kleineren Objekte aus seiner Umgebung wegzuräumen.

Viereinhalb Stunden brauchen Signale zur Erde

Pluto ist nur ein Zwischenstopp, anschließend fliegt New Horizons weiter in Richtung des Kuipergürtels.

Den Vorbeiflug soll New Horizons zunächst dazu nutzen, die Oberfläche des Zwergplaneten zu kartieren und die Zusammensetzung seiner Atmosphäre zu untersuchen. Eine halbe Stunde wird die Sonde Pluto sehr nahe sein. Anschließend dreht sich das Schiff um 180 Grad, um einen Blick zurück auf Erde und Sonne zu werfen. Sobald Erde und Sonne aus diesem Blickwinkel hinter Pluto untergegangen sind, können die Wissenschaftler die Atmosphäre des Zwergplaneten am besten studieren. Von hier aus lässt sich auch gut erkennen, ob es Krater oder Geysire auf der Oberfläche Plutos gibt. (Lesen Sie hier, was Forscher an Pluto fasziniert und welche Ziele die Mission verfolgt.)

Da die Energieversorgung der Sonde begrenzt ist, konzentriert sie sich in diesen missionskritischen Momenten ganz auf das Sammeln von Daten; erst am Abend setzt sie dann ein Lebenszeichen und erste wissenschaftliche Informationen in Richtung Erde ab. Viereinhalb Stunden benötigen die Signale mit Lichtgeschwindigkeit. Bis alle aufgenommenen Fotos übertragen sind, können sogar einige Wochen vergehen. Die Funkverbindung an Bord der Sonde überträgt Daten mit einer Bandbreite von etwa 1000 Bit pro Sekunde - deutlich langsamer als ein Modem aus den 1990er Jahren.

Das System aus Pluto und seinen Monden liegt wie eine Zielscheibe auf der Route der Sonde.

New Horizons war im Januar 2006 von der Erde gestartet. Zu diesem Zeitpunkt galt Pluto noch als äußerster Planet des Sonnensystems. Ein halbes Jahr später beschloss die Internationale Astronomische Union, dem Himmelskörper diesen Status abzuerkennen, da man in seiner Umgebung ähnlich große Objekte entdeckt hatte.

Allerdings ist Pluto nicht ganz so klein wie bis vor kurzem angenommen. Beim Näherkommen hat New Horizons noch einmal nachgemessen - der Zwergplanet habe einen Durchmesser von 2370 Kilometer, teilte die Nasa mit. Damit sei Pluto 32 bis 48 Kilometer größer als gedacht. Außerdem habe der Planet eine geringere Dichte und bestehe vielleicht aus mehr Eis als vermutet.

Mit dem Vorbeiflug an Pluto ist die Mission für New Horizons noch nicht zu Ende. Die Sonde soll voraussichtlich noch ein weiteres Objekt im "Kuipergürtel" ansteuern - so heißt der Bereich am Rande des Sonnensystems, in dem auch Pluto liegt. Auswahl hat die Nasa genug: In der noch völlig unerforschten Zone schwirren schätzungsweise mehr als 70 000 Objekte mit einem Durchmesser von mehr als 100 Kilometern umher.

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Die Raumsonde "New Horizons" nähert sich Zwergplanet Pluto - danach geht es weiter in Richtung des unerforschten Kuipergürtels. Was wollen Forscher auf dem "Dachboden des Sonnensystems" finden?