Zum Tod von Norman Borlaug:Grüner Revolutionär

Er linderte Hunger, indem er Weizen kreuzte: Der "Vater der Grünen Revolution", Norman Borlaug, ist in Dallas im Alter von 95 Jahren gestorben.

K. Blawat

Mexiko, 70 Jahre zuvor: Sprunghaft ist die Bevölkerung gewachsen, doch auf den riesigen Weizenfeldern stehen nur ein paar dürre vertrocknete Pflanzen, eine Hungersnot bedroht das Land. Norman Borlaug, promovierter Experte für Pflanzenkrankheiten, reist nach Mexiko.

Zum Tod von Norman Borlaug: Mit Gentechnik gegen den Hunger: Der "Vater der grünen Revolution", Norman Borlaug, ist in Dallas im Alter von 95 Jahren gestorben.

Mit Gentechnik gegen den Hunger: Der "Vater der grünen Revolution", Norman Borlaug, ist in Dallas im Alter von 95 Jahren gestorben.

(Foto: Foto: ap)

"Irgendetwas müssen wir tun"

"Ich weiß noch nicht, was wir tun können, um diesen Menschen zu helfen", schreibt er seiner Frau, "aber irgendetwas müssen wir tun." Borlaug, geboren am 25. März 1914 auf einer Farm in Iowa und aufgewachsen zwischen Landmaschinen und Säcken voller Saatgut, arbeitet selbst Tag für Tag auf den vor Hitze flirrenden Feldern und kreuzt verschiedene Weizenarten miteinander.

Nach 20 Jahren ist er am Ziel: Die Pflanzen sind sechsmal so ertragreich, die Menschen fürs erste vor dem Verhungern gerettet. Auch Indien und Pakistan bitten Borlaug um Hilfe, der ständig neue Methoden ersinnt: Monokulturen lösen Mischfelder ab, Bauern beraten sich vor der Aussaat mit Wissenschaftlern und düngen den Boden mit Stickstoff.

Die Grüne Revolution nährt ihre Kinder und auch Borlaugs Ruhm. 1970 bekommt er den Friedensnobelpreis verliehen für sein Verdienst, "mehr als jede andere Person unserer Zeit eine hungrige Welt mit Brot zu versorgen", so die Jury. Als Borlaug von der Nominierung erfährt, arbeitet er unbeirrt weiter auf dem Feld, zu viel ist noch zu tun.

"Monster des Bevölkerungswachstums" beherrschen

Wenig später beginnen die Mechanismen der Grünen Revolution zu versagen. Noch immer wächst die Bevölkerung, doch die Böden sind ausgelaugt und Umweltschützer greifen Borlaug wegen seines großzügigen Einsatzes von Chemikalien an. Borlaug arbeitet zwar weiterhin an neuen Pflanzenzüchtungen, wendet sich aber immer öfter mit politischen Aussagen an die Öffentlichkeit. So sollten Regierungen die Geburtenraten regulieren, um das "Monster des Bevölkerungswachstums" zu beherrschen.

Der Ruf nach einer zweiten Grünen Revolution wird derweil lauter. Wieder steigen die Bevölkerungszahlen und Lebensmittelpreise dramatisch, in vielen Ländern brechen gewaltsame Krawalle aus. Bis zuletzt preist Borlaug die Vorzüge der umstrittenen Pflanzen-Gentechnik. "Der Kampf gegen den Hunger ist noch nicht gewonnen", warnte er in seiner Nobel-Preisrede.

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