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Tiere:Neuer Weltrekord im Nonstop-Flug

Pfuhlschnepfe, Pfuhl-Schnepfe (Limosa lapponica), fliegt ueber der Nordsee, Niederlande, Terschelling bar-tailed godwit

Eine Pfuhlschnepfe über der Nordsee.

(Foto: AGAMI/A./imago images/blickwinkel)

Eine nur wenige Hundert Gramm schwere Pfuhlschnepfe ist ohne Unterbrechung 12000 Kilometer geflogen, von Alaska nach Neuseeland. Der erstaunlichste Flugkünstler ist jedoch ein anderer Vogel.

Von Thomas Krumenacker

Die knapp taubengroßen Pfuhlschnepfen sind bekannt für ihre enormen Fähigkeiten, im Nonstop-Flug riesige Distanzen zu überwinden. Aber nun hat Limosa lapponica einen neuen Weltrekord im Langstreckenflug erreicht. Die von Wissenschaftlern als 4BBRW registrierte männliche Pfuhlschnepfe hatte sich Ende September in Alaska auf den Weg gemacht und traf nun nach einem Nonstop-Flug neun Tage später in Neuseeland ein. "Er flog rund 224 Stunden ohne Unterbrechung", sagt der Ornithologe Jesse Conklin vom "Global Flyway Network" an der Universität Groningen. Dabei habe das Tier rund 12 200 Kilometer ohne Pause zurückgelegt, berichtete Conklin am Mittwoch nach Auswertung von Satellitendaten. Es ist der längste jemals gemessene Nonstop-Flug eines Vogels.

Die Forscher konnten den Rekordflug miterleben und genau nachmessen, weil das Tier einen wenige Gramm schweren Sender auf dem Rücken trug, der regelmäßig seine Positionsdaten an einen Satelliten sendete. Den hatten ihm Wissenschaftler Ende vergangenen Jahres im gleichen Feuchtgebiet südöstlich von Auckland umgehängt, in dem 4BBRW nun nach seinem Marathonflug landete, um dort einen milden Winter zu verbringen.

Anhand der Satellitendaten ließ sich auch die Zugroute genau nachverfolgen, die der nur wenige Hundert Gramm leichte Vogel nahm. Von Alaska, wo er sich wochenlang im flachen Wattwasser mit Würmern und anderen Weichtieren ein Fettdepot als Treibstoff angefressen hatte, ging es über die Inselgruppe der Aleuten südlich Richtung Pazifik und, vorbei an Hawaii und den Fidschi-Inseln, bis Neuseeland.

Auch in Deutschland kann man dieser Tage Pfuhlschnepfen sehen

Den Weltrekord beschloss die Schnepfe am 27. September mit einer Punktlandung: Der Landeplatz habe nach 12 000 Kilometern über dem Meer weniger als 2000 Meter von der Stelle entfernt gelegen, an der sie im vergangenen Jahr gefangen und mit einem Sender ausgestattet wurde, berichtet Conklin. Bei dieser Gelegenheit hatte 4BBRW nicht nur einen Satellitensender bekommen: Dem Vogel wurden auch die vier Farbringe um die langen Beine gelegt, die ihn für die Forscher optisch unterscheidbar machen und nach denen er benannt ist: "4-Blau-Blau-Rot-Weiß".

Mit seinem Flug überbietet das Tier den bisherigen Nonstop-Weltrekord um 700 Kilometer. Dieser war 2007 von einem Artgenossen ganz in der Nähe aufgestellt worden. Für den Flug aus dem Yukon-Delta in Alaska nach Neuseeland hatte Pfuhlschnepfe E7 acht Tage benötigt. Insgesamt legen die Vögel pro Jahr allein auf dem Zug von den neuseeländischen Überwinterungs- in die nordamerikanischen Brutgebiete und zurück bis zu 30 000 Kilometer zurück, einen großen Teil davon nonstop. Frühere Auswertungen ergaben, dass sie dabei mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern über die Weltmeere fliegen.

Die Weltrekordler kann man übrigens dieser Tage auch in Deutschland beobachten. Bis zu 60 000 Pfuhlschnepfen machen derzeit Rast im Wattenmeer. Die durch Deutschland ziehenden Schnepfen kommen teils aus den skandinavischen Staaten und teils aus den Brutgebieten in der sibirischen Taiga. Skandinavische Pfuhlschnepfen überwintern zum großen Teil im Wattenmeer, während die Vögel aus Sibirien zumeist nach Westafrika weiterziehen.

Der Klimawandel hat den Reiserhythmus der Tiere gestört

Ganz sorgenfrei ist der Aufenthalt dabei nicht mehr. Denn der Klimawandel zwingt Pfuhlschnepfen wie andere Arten auch zu Verhaltensänderungen. Wegen des immer früher beginnenden Frühlings in der Arktis müssen auch die dort brütenden Vogelarten früher eintreffen, um nicht den Höhepunkt der Insekten-Nahrung für ihre Jungvögel zu verpassen. Deshalb verkürzen sie ihren Aufenthalt im Watt. Niederländische Forscher ermittelten, dass die Rastdauer sich innerhalb der vergangenen 20 Jahre um 16 Prozent verkürzte.

Um trotzdem genügend Nahrung für den Flug zu den arktischen Brutgebieten aufnehmen zu können, müssten die Vögel in kürzerer Zeit mehr fressen. Das wiederum schaffen sie nicht, weil durch Umweltverschmutzung ihre Hauptnahrung Wattwürmer seltener wird. Laut Berechnungen der Forscher bräuchten Pfuhlschnepfe Wattwurmdichten, die um mehr als das Doppelte über dem Durchschnitt der vergangenen beiden Jahrzehnte liegen, um die kürzeren Rastzeiten voll auszugleichen. Weil das unrealistisch ist, sterben schon jetzt mehr Vögel auf dem anstrengenden Flug als früher.

Auch von anderen Vogelarten sind Rekordleistungen bekannt. Die insgesamt - mit Zwischenlandungen - längste Zugstrecke legen Küstenseeschwalben zurück. Nachgewiesen ist ein Zugweg eines Vogels von Großbritannien in die Antarktis und zurück über 96 000 Kilometer. Besenderte Albatrosse haben 15 000 Kilometer zurückgelegt, bevor sie an Land zurückkehrten. Sie landen zwischendurch jedoch zum Fischfang.

Die vielleicht größten Flugkünstler aber sind Mauersegler, die fast immer auf Achse sind. Forscher haben nachgewiesen, dass sich die Vögel, die nur zwischen Mai und August zum Brüten bei uns sind, bis zu zehn Monate lang fast ausschließlich in der Luft aufhalten. Auch bei ihnen gibt es kurze nächtliche Landungen. Zusammengerechnet machen sie aber weniger als ein Prozent der Zeit aus. Die nonstop zurückgelegten Distanzen konnten bislang aber nicht gemessen werden.

© SZ/weis
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