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Zoologie:Rechts vor links

Neues Delfinarium in Griechenland - Großer Tümmler und Trainerin

Große Tümmler richten bevorzugt ihr rechtes Auge auf ihre Beute.

(Foto: dpa)

Die meisten Menschen sind Rechtshänder und wenn man so will, gilt das auch für Delfine - im übertragenen Sinne natürlich. Die Tiere verfügen ebenfalls über eine bevorzugte Körperseite.

Von Nora Ederer

Neun von zehn Menschen sind Rechtshänder. Doch Homo sapiens ist nicht die einzige Spezies, die bei vielem was sie macht, eine Lieblingsseite hat. Zum Beispiel bewegen Giraffen zuerst ihr linkes Bein, wenn sie sich herunterbücken; Honigbienen tasten lieber mit ihrer rechten als ihre linken Antenne und Orang-Utans benutzen bei allem, was sie machen, am liebsten ihre linke Hand. Nun berichten amerikanische Biologen im Fachblatt Royal Society Open Science, dass auch Delfine auf eine Seite gepolt sind. Zumindest wenn sie gerade auf der Jagd nach Aalen oder anderen kleinen Fischen sind, mit denen sie sich den Bauch vollschlagen können.

Beobachtet haben das Daisy Kaplan und ihr Team vom Dolphin Communication Project im US-Bundesstaat Florida. Sechs Jahre lang schauten die Biologen 27 Großen Tümmlern (Tursiops truncatus) vor der Küste der bahamaischen Inselgruppe Bimini bei der Futtersuche zu und analysierten mehr als 700 Jagdmanöver. Dabei stellten sie fest: Bevor die Delfine zuschlugen und ihre Beute aus ihrem Versteck im sandigen Meeresboden ausbuddelten, drehten sich alle Tiere - außer eins - so, dass ihr rechtes Auge auf die Beute gerichtet war. Nach diesen Manövern entschieden die Delfine, wo genau sie ihre Schnauze in den Sand graben wollten. Deshalb vermuten die Biologen, dass die Tiere ihre rechte der linken Seite vorziehen.

Die berechnete "Rechtshänder-Quote" für die grauen Säuger beträgt sogar mehr als 99 Prozent und liegt höher als beim Menschen. Große Tümmler sind in allen Ozeanen verbreitet und wurden durch die Fernsehserie Flipper weltbekannt.

© SZ vom 29.11.2019

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